Mainzer Aufstiegsheld Benjamin Auer im Interview: "Jürgen Klopp war ein absoluter Motivator"

Von Niklas Behrend
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2002 wechselten Sie in die zweite Liga zu Mainz 05 und erlebten dort auch auf Vereinsebene Ihren Durchbruch. Welche Ihrer Eigenschaften als Angreifer haben Ihnen dabei geholfen?

Auer: Meine Stärke lag immer in der Box. Wenn ich mit Flanken gefüttert wurde, habe ich den Abschluss gefunden. Ich hatte den Riecher, wo der Ball landen wird. Interessant ist, dass die Mainzer Taktik unter Jürgen Klopp eigentlich gar nicht zu mir gepasst hat. Wir haben gepresst und nur wenig über die Flügel gespielt. Trotzdem hat es für mich gut funktioniert. In dieser Zeit habe ich oft als Ballverteiler hinter der Mittellinie fungiert und läuferisch viel für die Mannschaft gearbeitet.

In Mainz hatten Sie mit Klopp einen Trainer, der später eine Weltkarriere hinlegte. Was hat Jürgen Klopp damals ausgezeichnet?

Auer: Zunächst einmal wurde ich von ihm und dem ganzen Verein sehr herzlich empfangen. Jürgen war noch in der Anfangsphase seiner Karriere, aber schon damals ein absoluter Motivator. Zudem hatte er immer neue Ideen.

Auer: "... dann hätten mir die Fans ein Denkmal gebaut"

Am letzten Spieltag Ihrer ersten Saison spielten Sie gegen Eintracht Braunschweig um den Aufstieg. Beim 4:1 erzielten Sie alle Mainzer Treffer, der Aufstieg wurde dennoch hauchdünn verpasst. Wie haben Sie diesen Tag erlebt?

Auer: Die Leidenszeit von Mainz 05 ging schon ein Jahr vorher los. Auch da hatte der FSV den Aufstieg nur knapp verpasst. Auf das Spiel in Braunschweig spricht mich noch heute jeder an. Dass ein Stürmer vier Tore in so einem wichtigen Spiel schießt, ist nicht die Regel. Wenn wir an diesem Tag aufgestiegen wären, hätten die Fans mir wahrscheinlich ein Denkmal gebaut. Der Tag war komplett verrückt. Auf der einen Seite hatte ich durch meine vier Tore natürlich ein Glücksgefühl und auf der anderen Seite die große Trauer aufgrund des verpassten Aufstiegs.

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© imago images/Jan Huebner

Ein Jahr später, 2004, haben Sie es dann aber geschafft. Der FSV Mainz ist in die erste Liga aufgestiegen...

Auer: Dabei lief die Saison nicht wirklich gut. Wir sind nur dank eines starken Schlussspurts noch knapp am KSC vorbeigezogen. Wir hatten zwischendurch schon die Hoffnung auf den Aufstieg verloren. Die Zeit in Mainz war insgesamt sehr, sehr schön. Der Aufstieg war dann die Krönung. Es war ja der erste Aufstieg für Mainz in die erste Bundesliga. Ich bin heute noch ein wenig stolz darauf, ein Teil davon gewesen sein zu dürfen.

Gibt es für Sie vielleicht eine Anekdote aus der Zeit in Mainz, die Sie uns gerne erzählen würden?

Auer: Da fällt mir ein Besuch beim Italiener ein. Wir hatten am gleichen Tag 2:0 gegen Leverkusen gewonnen. Ich habe den zweiten Treffer erzielt. Abends saßen dann im Restaurant zwei Frauen in kompletter FSV-Montur an einem Tisch in Hörweite. Die eine sagte dann: "Der Auer ist so schlecht, ich kann den nicht mehr sehen." Daraufhin habe ich den Kellner herbeigerufen und gesagt, die nächsten Getränke der Damen gehen auf mich. Als der Kellner den Damen dann die Getränke brachte und auf mich verwies, schauten sie in meine Richtung. Als ich ihnen dann zugewunken habe, ist den beiden das Gesicht heruntergefallen. Das war wirklich sehr witzig.

Benjamin Auer: Torschützenkönig mit 16 Treffern

Neben den viereinhalb Jahren in Mainz, verbindet man Sie vor allem auch mit ihrer Zeit in Aachen von 2008 bis 2012. Dort hat der damalige Sportchef Erik Meijer Sie unter anderem Mal als "Papa" der Mannschaft bezeichnet. Was meinte er damit?

Auer: Vielleicht lag es da schon an meinem Alter. Wir hatten dort viele junge Spieler und ich war Kapitän. Erik wollte damit sagen, glaube ich, dass ich aufgrund meines Alters und meiner Erfahrungen die jungen Spieler führen kann und soll.

2009 sicherten Sie sich dann die Torjägerkanone der zweiten Bundesliga. Was hat Ihnen das als Stürmer bedeutet?

Auer: Viel. Es waren zwar nur 16 Treffer, was relativ wenig ist für einen Torschützenkönig, aber es war natürlich trotzdem toll. Wir waren in dieser Saison drei Spieler mit 16 Treffern. Neben mir waren es noch Marek Mintal vom 1.FC Nürnberg und Cedric Makiadi vom MSV Duisburg. So eine Auszeichnung ist zwar kein Titel oder ein Aufstieg mit der Mannschaft, aber es macht schon stolz und es ist etwas, was man gerne noch mal erzählt. Kurioserweise habe ich zwei Jahre später 20-mal getroffen und wurde dann aber nur Zweiter hinter Nils Petersen, der 25 Treffer für Energie Cottbus erzielt hatte.

2012 haben Sie Aachen nach dem Abstieg verlassen und auch Ihre Spur verliert sich dann ein wenig. Sie waren mit 31 Jahren ablösefrei auf dem Markt und ein erfahrener Torjäger. Da muss es doch viele Angebote gegeben haben ...

Auer: Für mich war damals schnell klar, dass ich nicht mehr für einen anderen Zweitligisten in Deutschland spielen will. Neben der Zeit in Mainz waren die vier Jahre in Aachen die, die mich emotional am meisten geprägt haben. Ich konnte mir nicht vorstellen, in dieser Liga das Trikot noch für einen anderen Verein überzustreifen. Mein Wunsch wäre gewesen, den Schritt ins Ausland zu gehen, weil ich denke, dass das für mich noch mal eine große Erfahrung gewesen wäre. Ich hätte gerne auch noch eine neue Sprache gelernt oder perfektioniert. Es gab einige Angebote aus Deutschland und aus dem Ausland, aber auch aus vielen Ländern, in die man mit Frau und Kind nicht unbedingt hinwollte. Mein Traum wären die USA gewesen. Da war es aber nicht einfach unterzukommen und irgendwann habe ich dann für mich entschieden, die Karriere zu beenden.

Auer: "Rose hat als Trainer mehr Erfolg als zu Spielerzeiten"

In Ihrer Karriere haben Sie mit vielen großartigen Fußballern zusammengekickt. Deswegen würden wir gerne von Ihnen wissen, wen Sie für eine persönliche Topelf nominieren würden.

Auer: Ins Tor stelle ich den "Dicken", Dimo Wache. Im Angriff stelle ich mich und Szilard Nemec. Szilard und ich haben in Aachen sehr gut harmoniert. Er hat immer um mich herumgewuselt und mich mit Anspielen gefüttert.

Und wer kommt ins Mittelfeld?

Auer: Auf links nominiere ich Lewis Holtby und auf rechts Marco Höger. Beide waren in Aachen noch sehr junge Spieler. Außerdem kommt Zoltan Stieber noch ins Mittelfeld, der mich bei der Alemannia immer mit Flanken bedient hat. Auf der Sechs spielt Hanno Balitsch, mit dem ich bei der Juniorennationalmannschaft viel zusammengespielt habe.

Wie sieht es in der Abwehr aus?

Auer: Hinten rechts spielt Mathias Abel und hinten links Marco Rose, aber auch nur, weil mir kein Besserer einfällt. Der hat als Trainer mehr Erfolg als zu seinen Zeiten als Spieler, was ihm absolut gegönnt ist. Dann muss natürlich noch die "Axt" Thomas Stehle in die Innenverteidigung. Dazu kommt noch Nico Herzig, der auch zu unserer Runde beim Mittagessen gehörte, mit der wir immer viel Spaß hatten.

Nach Ihrer aktiven Karriere als Kicker erlebten Sie mit einem Marathonlauf ein weiteres sportliches Highlight ...

Auer: Der Marathon war wirklich schmerzhaft. Ich habe mich drei Monate intensiv darauf vorbereitet und trotzdem war es ab Kilometer 32 eine unglaubliche Quälerei. Mein Ziel war es, unter vier Stunden zu bleiben, was ich mit 3 Stunden und 42 Minuten auch geschafft habe, aber es war wirklich sehr anstrengend und deswegen habe ich danach auch gesagt: Ein Marathon reicht!

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