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Fussball

Ex-BVB-Talent Amos Pieper startet bei Arminia Bielefeld durch: Idealer als Ideallinie

Amos Pieper wechselte im Januar 2019 vom BVB zu Arminia Bielefeld.

Amos Pieper durchlief die Jugend bei Borussia Dortmund und gewann mit dem Nachwuchs drei Deutsche Meisterschaften. Nach achteinhalb Jahren beim BVB wechselte der Innenverteidiger schließlich in die 2. Liga zu Arminia Bielefeld. Dort knallte die Entwicklung des 22-Jährigen durch die Decke - Pieper ist beim DSC Stamm- und bald Bundesligaspieler.

Borussia Dortmund hat in Deutschland eine der höchsten Durchlässigkeitsquoten von Jugendspielern, die es in den Profibereich schaffen. Man könnte etliche Beispiele aufzählen, die allermeisten kicken jedoch längst nicht mehr beim BVB. Dennoch ist man in Dortmund darauf stolz - und zwar zu Recht, denn die Westfalen kommen ihrem Ausbildungsauftrag nachweislich sehr gut nach. Unabhängig davon, ob die Spieler aus dem Nachwuchs später einmal Verstärkungen für die eigene erste Mannschaft werden oder nicht.

So gibt es eine Vielzahl an Youngstern, die über Jahre hinweg beim BVB aktiv waren, zahlreiche Jugendteams durchliefen und währenddessen den Traum träumten, eines Tages ganz oben anzukommen. Doch dieses Unterfangen ist immens schwierig geworden, dafür hat sich der Verein in den letzten gut zehn Jahren zu rasant entwickelt.

Um in jungem Alter das Niveau für eine frühzeitige Eingliederung bei den Profis mitzubringen, muss man außergewöhnlich talentiert und auch etwas frühreif rein - so wie beispielsweise Christian Pulisic oder Giovanni Reyna. Diese Spieler jedoch, man könnte auch Jacob Bruun Larsen hinzuzählen, verpflichtete der BVB meist aus dem Ausland. Wie schwer es dagegen jene haben, die sich Schritt für Schritt von der U15 bis zur U19 hoch kämpften und mit ihren Jahrgängen auch sehr erfolgreich waren, zeigt sich beispielsweise an Felix Passlack oder Dzenis Burnic.

Beide holten mehrere B- und A-Jugendmeisterschaften in Serie, echte Konkurrenz stellten sie im prominent besetzten Profikader aber zu fast keinem Zeitpunkt dar. Einige dieser Spieler werden dann zwar weiter gefördert, trainieren mit der ersten Mannschaft und dürfen für sie Testspiele oder Trainingslager absolvieren. Doch im Ligabetrieb pendeln sie zwischen zwei Teams - zwischen den Profis und je nach Alter der U19 oder U23.

Amos Pieper und seine sehr ordentliche Vita beim BVB

Daraus resultiert für viele der Eindruck, sich keiner Mannschaft richtig zugehörig zu fühlen - und sich möglicherweise nicht ganz sicher zu sein, wie der Verein weiter mit ihnen plant. Das ist gewissermaßen ein einzupreisender Nebeneffekt einer hohen Ausbildungsdichte. Die Spieler drängen dann darauf, eine Stufe weiter nach oben zu kommen und sehen bei einem Top-Klub wie Dortmund schnell, dass es dort dafür wohl erst einmal nicht reichen wird.

Genauso ging es Amos Pieper. Der Innenverteidiger kickte ab 2010 für die Nachwuchsabteilung des BVB, holte mit der U17 und zweimal mit der U19 die Deutsche Meisterschaft und wurde nach anfänglichen Schwierigkeiten auch bei der U23 in der Regionalliga zur Stammkraft.

"Es ist für viele Jugendspieler beim BVB nicht leicht, weil sie sich auch aufgrund der Erfolge oft den schnellen, direkten Weg erwünschen. Der ist aber eben nicht immer realisierbar", sagt Benjamin Hoffmann gegenüber SPOX und Goal. Der 40-Jährige ist Trainer der U19 des 1. FSV Mainz 05 und arbeitete zuvor 17 Jahre lang im Dortmunder Nachwuchsbereich - auch als Coach von Pieper. "Man muss bei der U23 neu Fuß fassen und erkennen, dass das quasi wie ein Vereinswechsel ist. Das sollte man als Spieler anerkennen, denn dort zählen die vorherigen Erfolge nichts mehr."

Im Sommer 2018 ging Pieper dann mit den Profis auf USA-Tour und auch er trainierte oben mit oder kam in Freundschaftspielen zum Einsatz. Ein paar Monate später stand er gegen Gladbach im Bundesligakader. Eigentlich eine sehr ordentliche Vita, doch ein Innenverteidiger aus der eigenen Jugend muss schon extrem gut sein, damit ihn ein Dortmunder Profi-Cheftrainer in der Bundesliga ins kalte Wasser wirft. Selbst einem Dan-Axel Zagadou, ein Jahr jünger als Pieper, wurden in Liga 1 schon mehrfach die Grenzen aufgezeigt.

Pieper: "Viel besser kann es in einem Kalenderjahr nicht laufen"

Als dann auf einmal Zweitligist Arminia Bielefeld konkretes Interesse an Pieper zeigte, war der Zeitpunkt für ihn ideal. Sein Vertrag lief im Sommer 2019 aus und die Offerte der Ostwestfalen vermittelte ihm "das Gefühl, es wäre gar nicht so verkehrt", wie er dem BVB-Fanzine schwatzgelb.de verriet. "Viele haben gefragt: Warum gehst du von Dortmund weg und eine Liga runter? Ich habe es als zwei Ligen höher gesehen, weil ich mich eher als Mitglied der zweiten Mannschaft gefühlt habe."

In Bielefeld jedoch war klar: Pieper wird vollwertiges Mitglied nur einer Mannschaft sein. Was bei seinem Wechsel Ende Januar 2019 nicht klar war: Dass Piepers Entwicklung seitdem idealer als auf der Ideallinie verläuft. "Das ist verrückt. Viel besser kann es in einem Kalenderjahr nicht laufen. Das hat meine eigenen Erwartungen auf jeden Fall übertroffen", sagt er heute.

Es dauerte damals nicht lange, der heute 22-Jährige hatte zu diesem Zeitpunkt nur 34 Einsätze in der vierten Liga vorzuweisen, ehe er von Trainer Uwe Neuhaus seine ersten Minuten bekam. Acht Spiele standen bis zum Sommer zu Buche, vier davon in der Startelf über 90 Minuten. Bilanz dabei: drei Siege, ein Unentschieden, zwei Gegentore.

Pieper profitiert von Verletzung und nutzt seine Chance

Beeindruckend auch: Im Mai, in seinem zweiten Zweitligaspiel von Beginn an, rettete er zusammen mit Manuel Prietl das Leben von Teamkollege Cedric Brunner. Der war gegen Paderborn nach einem Luftzweikampf regungslos liegen geblieben - Pieper und Prietl reagierten zum Glück blitzschnell. "Ich habe einfach intuitiv gehandelt. Man hat ja mal gehört, dass in solchen Momenten etwas mit der Zunge passieren kann. Erst weit nach dem Spiel habe ich dann das Ganze wirklich realisiert", sagte Pieper.

Und genauso, wie anschließend nicht abzusehen war, dass die Arminia in der darauffolgenden Spielzeit derart souverän den Aufstieg erreichen würde, war nicht klar, dass Pieper auch daran erheblichen Anteil haben werde. Als Innenverteidiger Nummer drei in die Saison gegangen, profitierte er von der schweren Kreuzbandverletzung von Brian Behrendt und etablierte sich daraufhin als Nebenmann von Joakim Nilsson in der Anfangself. Auch der später verpflichtete Spanier Alex Perez hatte im Rennen mit Pieper keine Chance.

Warum? Weil sich der Ex-Dortmunder als kopfballstarker Abwehrspieler in den Vordergrund spielte, auch sein Passspiel blieb sauber und sicher. "Er ist extrem spielintelligent, das hat ihn schon im B-Jugendbereich ausgezeichnet", sagt Hoffmann. "Dazu ist er kopfballstark, kann das Spiel gut lesen und hat ein tolles Aufbau- und Positionsspiel. In der A-Jugend hat er es auch geschafft, eine Chefrolle in der Abwehr einzunehmen."

Luftzweikämpfe, Spielauslösung, Eins-gegen-eins-Duelle - der ehemalige Mittelfeldspieler Pieper riss in einer gut funktionierenden Mannschaft ein starkes Spiel nach dem anderen ab. Was er noch verbessern kann ist, dass er nicht immer ideal seinen eigenen Rücken absichert, weil er gerne vorwärts verteidigt. Am Ende stand Pieper 29 Mal in der Startelf und Bielefeld kassierte mit 30 die wenigsten Gegentore aller Teams.

Der Lohn für Pieper: U21-Einladung - und die Bundesliga

Eine zwischenzeitliche persönliche Belohnung bekam er im vergangenen November, als er von U21-Bundestrainer Stefan Kuntz aufgrund eines Ausfalls in den DFB-Kader berufen wurde. Zuvor hatte er nur drei Spiele für die U18 im Herbst 2015 absolviert.

Der noch größere Lohn ist aber zweifelsfrei Bielefelds Rückkehr in die Bundesliga nach elf Jahren Abstinenz und zwischenzeitlichem Abrutschen in die 3. Liga. "Schneller denken und schneller handeln", sagt Pieper, das werde nicht nur auf ihn im Oberhaus nun zukommen.

Dass er, der bereits in seinem letzten halben BVB-Jahr einen großen Sprung in seiner Entwicklung gemacht hat, diese Herausforderungen meistern kann, bewies er in der vergangenen Saison. Auch Hoffmann glaubt daran: "Er hat in den kompletten Juniorenjahren nie etwas geschenkt bekommen, musste sich immer durchbeißen, aber hat sich dem höheren Niveau ständig angepasst. Grundsätzlich traue ich ihm die Bundesliga zu. Man muss ihm weiter Zeit für seine Entwicklung geben. Vielleicht braucht er noch einmal ein Jahr, um auch diesen letzten Schritt zu gehen."

Für Pieper und Arminia geht es bald von Null los. Ob der Student der Wirtschaftspsychologie auch in der Bundesliga auf Ideallinie läuft, wird man gewiss auch in Dortmund genau beobachten.

Amos Pieper: Seine Karriere im Überblick

VereinEinsätzeToreVorlagen
Borussia Dortmund U171921
Borussia Dortmund U197049
Borussia Dortmund II3412
Arminia Bielefeld41-2
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