Fussball

Schalke 04: Ex-Ehrenrätin Kornelia Toporzysek fordert Rücktritt von Clemens Tönnies

Von SID/SPOX

Der Gegenwind bei Schalke 04 wird für den umstrittenen Aufsichtsratschef Clemens Tönnies immer stärker. Nach mehreren Fanorganisationen forderte auch das ehemalige Ehrenratsmitglied Kornelia Toporzysek den Rücktritt des Fleischfabrikanten.

"Er ist für Schalke 04 nur noch eine Belastung. Er schadet dem Ansehen massiv", sagte die Richterin am Oberlandesgericht Düsseldorf im Interview mit 11Freunde: "Ich kaufe ihm ab, dass er nur das Beste für den Verein will. Das Beste wäre aber eben aktuell, wenn er sich zurückziehen würde, um den Verein aus der Schusslinie zu nehmen."

Toporzysek war aus dem Schalker Ehrenrat aus Protest zurückgetreten, nachdem Tönnies wegen rassistischer Äußerungen im vergangenen Jahr nur drei Monate sein Amt niederlegte. Schalke habe sich damals "den Interessen seines Aufsichtsratsvorsitzenden" gebeugt, sagte sie. "Er wollte um jeden Preis verhindern, als Rassist gebranntmarkt zu werden." Die Suspendierung für drei Monate habe er selbst vorgeschlagen. Sie habe sich im Ehrenrat, in den sie erst kurz zuvor gewählt worden war, "isoliert" gefühlt.

Die ganze Verhandlung sein zudem eine "reine Inszenierung gewesen", sagte sie beim Trinkhalle Talk. Laut Toporzysek habe ein anderes Mitglied des Ehrenrates, der eigentlich über ein mögliches Strafmaß für Tönnies beraten sollte, die Verteidigung des Schalker Aufsichtsratsvorsitzenden übernommen. Die Frage, ob der Anwalt auf der Richterbank gesessen habe, bejahte sie. "Das konterkariert alles, was ich meine den Mitgliedern versprochen zu haben und wofür ich auch stehe", schloss Toporzysek.

Schalke 04: "Komplett aus der Zeit gefallenes patriarchales System"

Nach dem massiven Corona-Ausbruch in seinem Schlachtbetrieb und der Kritik an den prekären Arbeits- und Lebensbedingungen zahlreicher Mitarbeiter aus Osteuropa sei Tönnies jetzt erst recht nicht mehr tragbar für Schalke. Er sei "ein knallharter Unternehmer, der sowohl in seiner Firma, als auch im Verein massiv seine Interessen durchsetzt".

Tönnies sei in der gegenwärtigen Krise aber nicht das alleinige Problem. "Es ist nicht damit getan, den 'Schalke-Boss' vom Hof zu jagen. Es haben sich Strukturen gebildet, ein komplett aus der Zeit gefallenes patriarchales System", sagte Toporzysek: "Wir brauchen eine andere Führungskultur, die nicht auf eine Person ausgerichtet ist und darauf, es ihr recht zu machen."

Schalke ist sportlich mit 15 Spielen in Folge ohne Sieg abgestürzt, steht wirtschaftlich mit knapp 200 Millionen Euro Schulden enorm unter Druck und brachte die Fans mit einem Härtefallantrag für Ticketerstattungen in der Coronakrise und der Kündigung langjähriger Fahrer der Nachwuchsabteilung "Knappenschmiede" gegen sich auf. Am Samstag (15.30 Uhr) ist als Protest gegen die Klubführung um Tönnies eine Menschenkette um die Arena geplant.

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