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Fussball

Christoph Kramer im Interview: "Ich musste mich überwinden, Messi darum zu bitten"

Von Michael Reis
Christoph Kramer von Borussia Mönchengladbach im Duell mit seinem Lieblingsspieler Lionel Messi vom FC Barcelona.

Es gab viele Stimmen zum Thema "soziale Gerechtigkeit" und "Gehaltsverzicht". Die Borussia ist mit positivem Beispiel vorangegangen, der Mannschaftsrat wurde früh aktiv (die Mannschaft verzichtet monatlich auf rund 1 Million Euro, die Red.): Sind Sie sich im Team schnell einig geworden?

Kramer: Ich finde nicht, dass wir uns damit rühmen müssten. Es gibt so viele Menschen, die uns jeden Tag den Rücken freihalten und für uns arbeiten, damit wir unseren Job bestmöglich ausfüllen können. Wenn diese Menschen dann von jetzt auf gleich in Kurzarbeit gehen müssen, schlägt sich das finanziell anders nieder als bei den Gehältern der Bundesligaprofis - und das soll überhaupt nicht arrogant klingen. Wenn wir durch einen Verzicht dazu beitragen können, dass die Mitarbeiter des Klubs trotz Corona 100 Prozent ihres Gehalts bekommen, sollte das selbstverständlich, klar und logisch sein.

Ihr Freund Max Kruse (Fenerbahce Istanbul, die Red.) hat zuletzt die Wiederaufnahme des Spielbetriebs kritisiert, weil Fußball der Sport mit dem meisten Körperkontakt sei und das nicht mit den Maßnahmen in Deutschland zusammenpasse. Wie sehen Sie das?

Kramer: Es geht nicht um Fußball, die Bundesliga oder Tabellenplätze an sich. Es hängen so unfassbar viele Arbeitsplätze daran. In dieser Zeit versuchen alle Branchen, kreative Lösungen zu finden. Und nichts anderes hat die DFL getan. Die Taskforce hat ein Konzept ausgearbeitet, das es medizinisch vertretbar macht, dass es weitergeht. Wie komplex das ist, erlebe ich zum Beispiel jeden Tag mit den vielen Tests. Ich kann verstehen, dass vor allem Sportler anderer Sportarten vielleicht ein bisschen neidisch auf uns blicken. Aber bis wir wieder spielen konnten, war und ist ein enormer Aufwand nötig. Und ich bin auch der Meinung, dass der Fußball großen Teilen der Menschen wieder ein wenig Normalität in den Alltag zurückbringt.

Eskapaden wie das Goldsteak von Franck Ribery oder der Instagram-Protzanfall von Jadon Sancho sieht man derzeit nicht mehr auf Instagram und Co.: Findet gerade ein Umdenken bei den Profis statt?

Kramer: Instagram schafft meiner Meinung nach eine Transparenz, die für einige junge Spieler Probleme mit sich bringen kann. Aber diese Corona-Pandemie hat eine gewisse Sensibilität geschaffen, so dass viele Profis momentan vorsichtiger sind. Leider glaube ich nicht, dass es Bestand haben wird. Ich vergleiche das mit einem mehrwöchigen Urlaub, in dem man tiefgründige Bücher durchliest, was man in seinem Leben ändern möchte, und nach zwei Tagen im Büro läuft alles wie gewohnt weiter. Ich würde mir natürlich wünschen, dass dieses Umdenken langfristige Auswirkungen hätte.

Kramer: Diese Ausrede fällt durch die Geisterspiele weg

Redet man auf dem Platz bei Geisterspielen ohne Zuschauer weniger, weil die Mikrofone alles auffangen?

Kramer: Nein, überhaupt nicht. Für uns Spieler hat sich auf dem Platz überhaupt nichts geändert. Nur das Adrenalin baut sich nicht schon beim Warmmachen auf, weil die Fans im Stadion fehlen. Ansonsten erkennt man auch an den Spieler- und Teamstatistiken, dass wir wie vorher Fußball spielen.

Eine Ausrede, dass man die Anweisung vom Trainer nicht gehört hat, fällt aber nun weg?

Kramer: Ja, allerdings. Das ist manchmal dann schon schade (lacht).

Welcher Ihrer Trainer hat Sie am meisten geprägt und warum?

Kramer: Das war Sascha Lewandowski, der leider nicht mehr unter uns weilt. Ein großartiger Trainer. Er hat mich nach meiner Rückkehr nach Leverkusen extrem unterstützt und gefördert. Und ich habe super viel Fußball-Wissen von ihm vermittelt bekommen.

Und wie ist das bei Mönchengladbachs Co-Trainer Rene Maric, der mit 27 Jahren der jüngste der Bundesliga ist?

Kramer: Es kommt überhaupt nicht auf das Alter an oder ob man lange als Profi gespielt hat. Entweder man versteht etwas vom Fußball oder nicht. Und wir haben schnell gemerkt, dass René weiß, wovon er spricht. Akzeptanz erarbeitet man sich mit Qualität - und er hat eine große Qualität. Deshalb hören wir ihm gern zu und lassen uns von ihm auch was sagen.

Der 30. Spieltag im Überblick

DatumHeimGast
05.06. 20:30 UhrSC FreiburgMönchengladbach
06.06. 15:30 UhrRB LeipzigSC Paderborn 07
06.06. 15:30 UhrBayer LeverkusenBayern München
06.06. 15:30 UhrEintracht Frankfurt1. FSV Mainz 05
06.06. 15:30 UhrFortuna Düsseldorf1899 Hoffenheim
06.06. 18:30 UhrBorussia DortmundHertha BSC
07.06. 13:30 UhrWerder BremenVfL Wolfsburg
07.06. 15:30 UhrUnion BerlinSchalke 04
07.06. 18:00 UhrFC Augsburg1. FC Köln

Kramer: "Hat wehgetan, gegen ihn zu spielen"

Wer ist Ihr absoluter Lieblingsspieler?

Kramer: Da kann keiner zu einer anderen Antwort als Lionel Messi kommen. Er ist der beste Spieler der Welt. Bei ihm hat man immer diesen Wow-Effekt, sogar wenn er manchmal nur den Ball annimmt.

Und wer der unangenehmste Gegenspieler?

Kramer: Ich fand es immer sehr unangenehm, gegen Ronny König zu spielen. Er war lange Zeit bei Erzgebirge Aue, groß und schwer und Stürmer. Aber er kam jedes Mal aus der Tiefe und mit viel Wucht. Irgendwie hat es immer wehgetan, wenn man gegen ihn gespielt hat, auch wenn man gar nicht in seiner Nähe war.

Der Kampf um die Qualifikation zur Champions League ist in der Bundesliga sehr spannend. Motiviert Sie das extra?

Kramer: Klar, das motiviert ungemein. Wir haben nur noch fünf Spiele und kennen die Tabelle. Es wäre blöd, wenn wir jetzt auf Rang sechs oder sieben platziert sein würden und sich daran auch nichts mehr ändern könnte. Jetzt geht es richtig um was und das finde ich als Spieler schön.

Von den vergangenen elf Spielen beim kommenden Gegner Freiburg hat die Borussia aber neun verloren und nur zweimal Unentschieden gespielt. Eine Serie, die endlich ein Ende finden muss?

Kramer: Auf jeden Fall. Solche Serien sind dafür da, um gebrochen zu werden. Und dieses Mal sind es durch den Ausschluss von Zuschauern auch etwas andere Vorzeichen.

Sie haben Ihren Vertrag bis 2023 verlängert, wären dann 32 Jahre alt. Ihre Karriere hat sich bislang in einem Radius von 60 Kilometern in Leverkusen, Bochum und nun Mönchengladbach abgespielt: Wollen Sie zum Abschluss richtig weit weg ins Ausland?

Kramer: Ich hatte bislang noch nie einen Karriereplan. Damit bin ich super gefahren und deswegen werde ich das so beibehalten. Ich kann nur betonen, dass ich mich bei Borussia sehr wohl fühle, sowohl sportlich als auch menschlich. Von daher habe ich erst recht keinen Grund, mich damit zu befassen.

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