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Fussball

Christian Pander im Interview: "Ich hatte noch nie etwas von einer Viererkette gehört"

Von Niklas Behrend
Im Konzert der ganz Großen: Schalkes Christian Pander (re.) im April 2008 in der Champions League im Duell gegen Gianluca Zambrotta vom FC Barcelona.

 

Kurz nach der Unterzeichnung Ihres ersten Profivertrages in der Saisonvorbereitung 2002 haben Sie ihr Profidebüt für Schalke im UEFA-Cup im weißrussischen Gomel gegeben. Welche Erinnerungen haben Sie daran?

Pander: Das war natürlich ein super Gefühl. Die halbe Mannschaft wollte damals dort nicht so gerne hinfahren. Ich habe mich als junger Spieler total auf die Reise gefreut. Der Flug war allerdings eine ganz schön wacklige Angelegenheit und der Grund dafür, warum ich heute nicht so gerne fliege. Das Spiel, das wir 4:1 gewonnen haben, war für mich eine großartige Erfahrung und die Belohnung für die harte Arbeit.

Verletzungsbedingt haben Sie ihr Bundesligadebüt für Schalke erst 2004 gegen Werder Bremen gegeben. Sie liefen von Anfang an auf. Auf der Gegenseite standen unter anderem Johan Micoud und Miroslav Klose. Empfanden Sie da grenzenlose Vorfreude oder auch ein bisschen Angst, gerade bei solchen Gegenspielern?

Pander: Erst einmal mussten wir uns 65 Minuten länger warmmachen, weil es einen Stromausfall im Weser-Stadion gab. Grundsätzlich hatte ich schon Vertrauen in meine Stärken und wusste auch, wo meine Schwächen liegen. Ich glaube, wenn man das weiß, kann man auch in so einer Situation einen relativ guten Ball spielen. Aber natürlich war ich ein stückweit angespannt und nervös. Es war der Moment, auf den man die ganze Zeit hingearbeitet hat. Als der Schiedsrichter dann angepfiffen hat, war es aber auch egal, ob da Miroslav Klose auf der Gegenseite spielt. Dann willst du einfach nur das Spiel gewinnen.

2007 hattet ihr am 33. Spieltag nach einer überragenden Saison die Möglichkeit, in Dortmund Meister zu werden. Es gab ein Public-Viewing in der Arena, alles war angerichtet. Schalke hat dann 0:2 in Dortmund verloren und die Meisterschaft verpasst. Wie hat sich das angefühlt?

Pander: Für uns war es die Möglichkeit, etwas Einmaliges zu schaffen. Wir waren natürlich sehr traurig, weil wir eine Riesenchance in den Sand gesetzt hatten. In Dortmund deutscher Meister zu werden - was geileres gibt es nicht für einen Schalker. Das muss man einfach so sagen.

Sie hatten damals ja auch eine fantastische Mannschaft mit Manuel Neuer, Lincoln, Rafinha, oder Marcelo Bordon ...

Pander: Wir hatten alles. Wir hatten eigentlich auch die perfekte Saison. Zwischenzeitlich waren wir allein auf weiter Flur. Es war sportlich gesehen einer der tiefsten und traurigsten Momente in meiner Karriere. Wenn du hier in der Region jahrelang spielst und weißt, was den Fans das hier bedeutet und was sie bereit sind dem Verein zu geben, dann ist das doppelt traurig und es ärgert mich immer noch.

Christian Pander: "Bin nicht so der extrovertierte Typ, der drei Saltos macht"

In jenem Jahr haben Sie aber auch einen anderen Höhepunkt erlebt. Mit der Nationalmannschaft trafen Sie bei Ihrem Debüt im ersten Spiel im neuen Wembley-Stadion.

Pander: Das war wahrscheinlich das schönste Tor, das ich je geschossen habe. Und dann noch in so einem Spiel. Das war schon gut. Ich habe danach gar nicht so ausfallend gejubelt, weil ich nicht so der extrovertierte Typ bin, der drei Saltos macht. Außerdem bin ich schlecht ins Spiel gestartet. Relativ früh in der Partie haben wir das Gegentor bekommen, auch noch über meine Seite. Aber das war letztendlich gut, weil ich da wusste, dass ich jetzt nichts mehr zu verlieren habe. Ich habe die Flucht nach vorne angetreten.

Sie waren auf Schalke als Spieler sehr beliebt. Als Sie gegen Bayern München nach einem Kreuzbandriss ihr Comeback gefeiert haben, ist das ganze Stadion aufgestanden. Bei YouTube gibt es sogar ein Video, wie Ihnen ein weiblicher Fan zum Geburtstag einen Kuchen an den Trainingsplatz bringt. Was hat Ihnen Fannähe bedeutet?

Pander: Es gibt immer zwei Seiten der Medaille. Fotos machen, Autogramme schreiben: das macht man gerne und das gehört dazu. Es gibt aber auch unschöne Geschichten. Einmal standen Leute bei mir vor dem Haus, nachdem ich gerade mit Krücken aus dem Krankenhaus kam. Die Polizei klingelte dann an der Tür und hat mir gesagt, dass jemand unser Haus beobachtet. Das geht natürlich zu weit. Grundsätzlich war es aber einfach nur der Wahnsinn, was man hier auf Schalke erlebt hat. Wie die Leute den Verein hier gelebt haben und uns auch in schwierigen Zeiten unterstützt haben, da muss man einfach nur den Hut davor ziehen. Ich weiß nicht, ob es sowas in Deutschland oder gar auf der Welt noch einmal gibt.

Als Fußballer auf Schalke und in der Nationalmannschaft waren Sie ein Star. Wie sind Sie mit dem Thema Berühmtheit umgegangen?

Pander: Ich mochte das persönlich überhaupt nicht. Das sieht man auch daran, dass ich jahrelang keine Social-Media-Accounts hatte. Das Bad in der Menge war nichts für mich. Ich war gerne mit den Leuten zusammen, die mir guttun. Ich wollte auch nicht hochgejubelt werden. Denn mir war klar, dass die Menschen, die dich hochjubeln, auch die sind, die dich fallen lassen, wenn es mal nicht so läuft. Gerade rund um das Wembleytor wollten die Medien ganz tief in mein Privatleben eindringen. Dem habe ich einen Riegel vorgeschoben. Dann habe ich den Menschen mit der Musik mein Hobby zum Quatschen gegeben. So haben sie mich dann privat in Ruhe gelassen, denn ich wollte nie eine Fotolovestory mit meiner Partnerin machen. Mein Privatleben ist meins.

Dann lassen Sie uns doch mal über Musik reden. Sie haben zu Spielerzeiten das Hip-Hop-Label Hood Production gegründet. Das bekannteste Lied von Ihnen ist "Meine Story", das immer noch viele hören. Überrascht Sie das?

Pander: Ja total, ich kriege heute immer noch Nachrichten von Leuten, die sagen, dass es bei ihnen im Auto läuft. Das ist völlig geisteskrank (lacht). Grundsätzlich finde ich es auch immer noch ganz cool. Wir haben das damals einfach nur so aufgenommen. Musik war für mich immer Hobby und Spaß. Es war auch nichts, bei dem ich gesagt habe, dass das so toll ist, dass es alle hören müssen. So gut war es dann auch nicht.

Christian Pander: Als sein Lied im Sportstudio lief, bekam er Schweißausbrüche

Und wenn Sie es jetzt hören - möchten Sie, dass es einfach vorbei ist, schämen Sie sich jetzt sogar ein wenig dafür?

Pander: Ich verbinde damit ein ganz peinliches Erlebnis. Ich war einmal im Sportstudio eingeladen. Sie haben mir nichts gesagt und dann war "Meine Story" in der Sendung mein Einlauflied. Ich bekam sofort Schweißausbrüche. Dieses Interview war damit schon vor Beginn für mich beendet. Das ist immer komisch. Wenn wir jetzt ein Spiel von mir schauen würden, hätte ich gar kein Problem damit, weil kicken kann ich. Aber Musik war mein Hobby und da habe ich mich nicht so sicher gefühlt. Ich war eben Hobbymusiker.

Welchen Hip-Hop-Künstler haben Sie am liebsten gehört?

Pander: Ich habe damals wie heute sehr vielen deutschen Hip-Hop gehört. Absolute Beginner, Stieber-Twins oder RAG. Kool Savas habe ich immer gehört habe und wahrscheinlich werde ich ihn auch immer hören. Er hat ja mal angefangen mit Musik, die nicht jugendfrei war, hat sich aber gewandelt. Für mich ist er einer der besten Rapper in Deutschland, wenn nicht sogar der Beste. Aber grundsätzlich höre ich alles querbeet, auch Samy Deluxe oder andere, die man vielleicht nicht so kennt.

Nervt es Sie manchmal eigentlich, dass Ihre Musik immer so ein großes Thema war?

Pander: Nein. Was mich immer nur genervt hat war, wenn Leute irgendwelche Artikel geschrieben haben mit Titeln wie 'Der Fußballer macht jetzt Musik´ und das so darstellten, als hätte ich die Absicht gehabt, Musikstar zu werden. Ich wollte damit nie Geld verdienen oder die Leute begeistern. Dann kriegst du auf einmal Bewertungen von wegen, , der soll aufhören, Musik zu machen. Da kann ich einfach nur darüber lachen. Das wäre genauso, wie wenn ich als Profifußballer zu Amateurkickern gehen und sagen würde: 'Hört auf zu kicken, denn ihr könnt es nicht.' Das kann man ja nicht machen. Diese Leute haben den Sinn gar nicht verstanden und sollten da noch einmal darüber nachdenken ...

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