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Fussball

BVB: Soll Lucien Favre Trainer bei Borussia Dortmund bleiben? Das Pro und Contra

Lucien Favre könnte den BVB am Saisonende verlassen müssen.

 

 

 

CONTRA: Darum sollte sich der BVB von Favre trennen

Von Jochen Tittmar

Wenn Lucien Favre als Trainer des BVB in den letzten sechs Saisonspielen noch neun Punkte holt, dann könnte es für die erneute Qualifikation zur Champions League, aber womöglich nicht zum angestrebten Vizemeistertitel reichen. Sammelt der Schweizer mehr als diese neun Zähler, dann überholt er aber in jedem Fall Thomas Tuchel als erfolgreichsten Coach der Dortmunder Bundesligageschichte. Dessen Punkteschnitt nach 68 Partien liegt bei 2,09.

Ja, es ist ganz gewiss skurril, dass es sowohl um Tuchel, als auch um Favre trotz dieser starken Ausbeute Diskussionen gab und gibt. Es ist auch skurril, dass es beiden Trainern mit dieser hohen Anzahl an Punkten in vier Spielzeiten nicht vergönnt war, den Meistertitel nach Dortmund zu holen.

Tuchel kämpfte einst mit seiner Bilanz gegen die Guardiola-Bayern an und summierte letztlich dennoch satte 28 Punkte Rückstand in zwei Saisons auf. Bei Favre wird das knapper, das ist nach zwei Zählern Abstand im Vorjahr bereits jetzt absehbar.

So günstig standen die Chancen selten, den FCB zu bezwingen

Dortmund war allerdings unter ihm im Vorjahr neun Punkte vorne - was sowohl sein Verdienst ist, aber auch in seinen Verantwortungsbereich fällt, wenn dieser Vorsprung dann wieder hergegeben wird. Mit Blick auf Favres bisherige Zeit beim BVB muss in erster Linie festgehalten werden: So günstig standen die Chancen in den vorherigen Jahren selten, den großen Rivalen aus München zu bezwingen.

Unter Niko Kovac wackelten die Bayern zwischenzeitlich gehörig. Bis zu dessen Entlassung in der laufenden Saison wurden nur fünf von zehn Bundesligapartien gewonnen - beim BVB stand jedoch dieselbe Anzahl an Siegen zu Buche. Einen schwächelnden FCB genau dann aber unter Druck zu setzen und zu enteilen, das ist die Vorgabe der Dortmunder Vereinsführung. Und daran muss sich ein BVB-Trainer schlichtweg messen lassen.

Ein Trainer, dessen Mannschaft dazu in den beiden letzten Jahren mit Spielern für knapp 240 Millionen Euro verstärkt wurde. Echte Leistungsträger wurden nicht abgegeben. Die Wankelmütigkeit konnte Favre seiner Truppe allerdings nicht austreiben. Auch wenn der Blick auf die genannten Zahlen positiv ist, so enttäuschte der BVB vor allem in wichtigen, entscheidenden Spielen immer wieder.

Darum sollte sich der BVB von Favre trennen

Das hatte auch mit Favres tendenziell eher vorsichtigen Herangehensweise zu tun. Die Umstellung auf eine Dreierkette nach einer Vielzahl defensiver Unzulänglichkeiten soll nicht die initiale Idee des Schweizers gewesen sein. Es verwunderte auch, dass Dortmund beinahe die gesamte Hinrunde ohne echten Stürmer auflief.

So fehlten dem BVB gerade in teils entscheidenden Partien gegen Top-Teams bisweilen Mut, Überzeugung und vor allem Durchschlagskraft. Zu oft präsentierte man sich so zaghaft, wie es Favres Naturell als Coach entspricht. Nach dem Motto: Besser nicht verlieren.

Dass dieser Eindruck entstand und Kritik an Favre nicht nur medial, sondern auch im Dortmunder Umfeld aufkam und auch kaum abebbte, hat nicht nur mit solchen sich wiederholenden Leistungen zu tun. Der 62-Jährige ist seit jeher kein guter Verkäufer. Er schafft es auch angesichts der weiterhin bestehenden Sprachbarriere nicht, seine Gedanken zu erläutern beziehungsweise bevorzugt es viel lieber, so undurchsichtig und unkonkret wie möglich zu bleiben.

Insofern steht Favre als Trainer und Charakter konträr zur im Markenkern des BVB verankerten sowie vielfach propagierten Emotionalität. Wenn Dortmund national wie auf europäischem Parkett den nächsten Schritt machen möchte, bedarf es eines Trainers, dem die hohen Ansprüche des Klubs nicht widerstreben - und der der zweifelsfrei hochkarätig besetzten Mannschaft eine deutlich ausgeprägtere Siegermentalität einimpfen kann.

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