BVB: Die Chronologie zum Bus-Anschlag auf Borussia Dortmund

 
Am 11. April 2017 wird auf den Mannschaftsbus von Borussia Dortmund ein Sprengstoffanschlag verübt. Dieser hatte weitreichende Folgen für die Spieler, den BVB und besonders für den damaligen Trainer. Eine Chronologie der Ereignisse.
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Am 11. April 2017 wird auf den Mannschaftsbus von Borussia Dortmund ein Sprengstoffanschlag verübt. Dieser hatte weitreichende Folgen für die Spieler, den BVB und besonders für den damaligen Trainer. Eine Chronologie der Ereignisse.
11. April 2017: Die Mannschaft des BVB befindet sich mit dem Teambus auf dem Weg zum Westfalenstadion, um dort in der Champions League das Viertelfinal-Hinspiel gegen Monaco zu bestreiten.
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11. April 2017: Die Mannschaft des BVB befindet sich mit dem Teambus auf dem Weg zum Westfalenstadion, um dort in der Champions League das Viertelfinal-Hinspiel gegen Monaco zu bestreiten.
Gegen 19.15 Uhr detonieren drei Sprengsätze am Mannschaftsbus, Marc Bartra wird verletzt und erleidet einen Bruch der Speiche im Handgelenk. Noch in der Nacht muss der BVB-Profi operiert werden.
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Gegen 19.15 Uhr detonieren drei Sprengsätze am Mannschaftsbus, Marc Bartra wird verletzt und erleidet einen Bruch der Speiche im Handgelenk. Noch in der Nacht muss der BVB-Profi operiert werden.
Um 20.30 Uhr gibt die UEFA bekannt, dass das Spiel abgesagt wird. Die Partie soll jedoch schon am nächsten Tag um 18.45 Uhr nachgeholt werden. BVB-Fans geben den angereisten Franzosen unter dem Motto #BedfoAawayfans Obdach.
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Um 20.30 Uhr gibt die UEFA bekannt, dass das Spiel abgesagt wird. Die Partie soll jedoch schon am nächsten Tag um 18.45 Uhr nachgeholt werden. BVB-Fans geben den angereisten Franzosen unter dem Motto #BedfoAawayfans Obdach.
12. April 2017: Der BVB verliert das Hinspiel gegen Monaco mit 2:3. Ein Doppelpack von Kylian Mbappe und ein Eigentor von Sven Bender können Ousmane Dembele und Shinji Kagawa nicht mehr mit ihren Treffern korrigieren.
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12. April 2017: Der BVB verliert das Hinspiel gegen Monaco mit 2:3. Ein Doppelpack von Kylian Mbappe und ein Eigentor von Sven Bender können Ousmane Dembele und Shinji Kagawa nicht mehr mit ihren Treffern korrigieren.
BVB-Trainer Thomas Tuchel kritisiert die UEFA anschließend scharf: "Die Termine werden vorgegeben und wir haben zu funktionieren. Wir hatten das Gefühl, dass wir behandelt werden, als wäre eine Bierdose an unseren Bus geflogen."
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BVB-Trainer Thomas Tuchel kritisiert die UEFA anschließend scharf: "Die Termine werden vorgegeben und wir haben zu funktionieren. Wir hatten das Gefühl, dass wir behandelt werden, als wäre eine Bierdose an unseren Bus geflogen."
Auch BVB-Spieler richten nach dem Spiel deutliche Worte an den Verband. "Die UEFA muss verstehen, dass wir keine Tiere sind. Wir sind Menschen, die eine Familie und Kinder zu Hause haben“, sagt Innenverteidiger Sokratis.
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Auch BVB-Spieler richten nach dem Spiel deutliche Worte an den Verband. "Die UEFA muss verstehen, dass wir keine Tiere sind. Wir sind Menschen, die eine Familie und Kinder zu Hause haben“, sagt Innenverteidiger Sokratis.
13. April 2017: Zwei zunächst festgenommen Verdächtige werden freigelassen. Das Motiv des Anschlags ist weiter unklar. Die Bundesanwaltschaft nimmt die Ermittlungen auf.
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13. April 2017: Zwei zunächst festgenommen Verdächtige werden freigelassen. Das Motiv des Anschlags ist weiter unklar. Die Bundesanwaltschaft nimmt die Ermittlungen auf.
15. April 2017: Marc Bartra verlässt das Krankenhaus. Zuvor berichtet er via Instagram von seiner Gefühlslage. Es seien „die härtesten 15 Minuten meines Lebens“ gewesen. Er habe nur "Schmerz, Panik und Unsicherheit" empfunden.
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15. April 2017: Marc Bartra verlässt das Krankenhaus. Zuvor berichtet er via Instagram von seiner Gefühlslage. Es seien „die härtesten 15 Minuten meines Lebens“ gewesen. Er habe nur "Schmerz, Panik und Unsicherheit" empfunden.
19. April 2017: Der BVB verliert auch das Rückspiel im Fürstentum. Mit einem 1:3 scheiden die Schwarzgelben aus der Champions League aus. Von einem frühen Doppelschlag durch Mbappe und Radamel Falcao erholt sich der BVB nicht mehr.
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19. April 2017: Der BVB verliert auch das Rückspiel im Fürstentum. Mit einem 1:3 scheiden die Schwarzgelben aus der Champions League aus. Von einem frühen Doppelschlag durch Mbappe und Radamel Falcao erholt sich der BVB nicht mehr.
21. April 2017: Der Tatverdächtige Sergej W. wird am frühen Freitagmorgen in Tübingen von der GSG9 verhaftet und in Untersuchungshaft genommen. Dem 28-Jährigen wird versuchter Mord in 28 Fällen und gefährliche Körperverletzung vorgeworfen.
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21. April 2017: Der Tatverdächtige Sergej W. wird am frühen Freitagmorgen in Tübingen von der GSG9 verhaftet und in Untersuchungshaft genommen. Dem 28-Jährigen wird versuchter Mord in 28 Fällen und gefährliche Körperverletzung vorgeworfen.
Auch das Motiv wird bekannt: Sergej W. habe versucht, mit dem Tod möglichst vieler Spieler die BVB-Aktie zum Einsturz zu bringen. Zuvor habe er Verkaufsoptionen für jene Aktie erworben.
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Auch das Motiv wird bekannt: Sergej W. habe versucht, mit dem Tod möglichst vieler Spieler die BVB-Aktie zum Einsturz zu bringen. Zuvor habe er Verkaufsoptionen für jene Aktie erworben.
6. Mai 2017: BVB-Boss Hans-Joachim Watzke - für viele der Buhmann, weil er der Neuansetzung des CL-Spiels gegen Monaco zu schnell zugestimmt habe, spricht in einem Interview mit der Funke Mediengruppe offen von einem "klaren Dissens" mit Tuchel.
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6. Mai 2017: BVB-Boss Hans-Joachim Watzke - für viele der Buhmann, weil er der Neuansetzung des CL-Spiels gegen Monaco zu schnell zugestimmt habe, spricht in einem Interview mit der Funke Mediengruppe offen von einem "klaren Dissens" mit Tuchel.
"Irritiert" sei er von Tuchels Kritik an der schnellen Austragung des Monaco-Spiels gewesen: "Ich bewerte alles rund um das Attentat auch vor dem Hintergrund dessen, was wir intern vertraulich miteinander besprochen haben und was möglich war."
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"Irritiert" sei er von Tuchels Kritik an der schnellen Austragung des Monaco-Spiels gewesen: "Ich bewerte alles rund um das Attentat auch vor dem Hintergrund dessen, was wir intern vertraulich miteinander besprochen haben und was möglich war."
Tuchel reagiert vor Spielbeginn gegen die TSG Hoffenheim sichtlich angefressen: "Ich verbiete es mir, zu diesem Zeitpunkt darauf einzugehen oder darüber nachzudenken. Wir können uns in der aktuellen Saisonphase nicht mehr ablenken lassen."
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Tuchel reagiert vor Spielbeginn gegen die TSG Hoffenheim sichtlich angefressen: "Ich verbiete es mir, zu diesem Zeitpunkt darauf einzugehen oder darüber nachzudenken. Wir können uns in der aktuellen Saisonphase nicht mehr ablenken lassen."
7. Mai 2017: Ein Verbleib von Tuchel über den Sommer hinaus wird immer unwahrscheinlicher. In einer Analyse der Süddeutschen Zeitung üben BVB-Spieler anonym heftige Kritik an ihrem Trainer.
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7. Mai 2017: Ein Verbleib von Tuchel über den Sommer hinaus wird immer unwahrscheinlicher. In einer Analyse der Süddeutschen Zeitung üben BVB-Spieler anonym heftige Kritik an ihrem Trainer.
27. Mai 2017: Der BVB findet tatsächlich einen versöhnlichen Saisonabschluss und gewinnt das Pokalfinale gegen Eintracht Frankfurt mit 2:1. Doch trotzdem schwebt eine Frage über allem: Wie steht es um Tuchels Zukunft?
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27. Mai 2017: Der BVB findet tatsächlich einen versöhnlichen Saisonabschluss und gewinnt das Pokalfinale gegen Eintracht Frankfurt mit 2:1. Doch trotzdem schwebt eine Frage über allem: Wie steht es um Tuchels Zukunft?
29. Mai 2017: Nur zwei Tage nach dem Pokalgewinn herrscht dann Klarheit. Borussia Dortmund gibt die Trennung von Tuchel bekannt. Über die genauen Gründe der Freistellungen macht der BVB keine Angaben.
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29. Mai 2017: Nur zwei Tage nach dem Pokalgewinn herrscht dann Klarheit. Borussia Dortmund gibt die Trennung von Tuchel bekannt. Über die genauen Gründe der Freistellungen macht der BVB keine Angaben.
Allerdings betont Schwarzgelb klar, dass "es sich bei der Ursache der Trennung keinesfalls um eine Meinungsverschiedenheizt zwischen zwei Personen" handelte. Die Maßnahme sei im Vorstand einstimmig beschlossen worden, hieß es später.
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Allerdings betont Schwarzgelb klar, dass "es sich bei der Ursache der Trennung keinesfalls um eine Meinungsverschiedenheizt zwischen zwei Personen" handelte. Die Maßnahme sei im Vorstand einstimmig beschlossen worden, hieß es später.
29. August 2017: Rund viereinhalb Monate nach dem Anschlag wird Sergej W. von der Staatsanwaltschaft angeklagt. Insgesamt schließen sich der Klage 16 Nebenkläger, darunter auch BVB-Spieler, an.
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29. August 2017: Rund viereinhalb Monate nach dem Anschlag wird Sergej W. von der Staatsanwaltschaft angeklagt. Insgesamt schließen sich der Klage 16 Nebenkläger, darunter auch BVB-Spieler, an.
8. Januar 2018: Nach zähen Verhandlungen legt Sergej W. ein Geständnis ab, bestreitet aber jede Mordabsicht. Demnach habe er den Anschlag nur vortäuschen wollen. Die Sprengsätze seien so konzipiert worden, dass Personenschäden nicht erwartbar waren.
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8. Januar 2018: Nach zähen Verhandlungen legt Sergej W. ein Geständnis ab, bestreitet aber jede Mordabsicht. Demnach habe er den Anschlag nur vortäuschen wollen. Die Sprengsätze seien so konzipiert worden, dass Personenschäden nicht erwartbar waren.
19. März 2018: Mehrere Spieler und Thomas Tuchel sagen vor Gericht aus. Der ehemalige BVB-Coach sieht einen direkten Zusammenhang zwischen seiner Entlassung und dem Anschlag. Nachwirkungen spüre er aber nicht.
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19. März 2018: Mehrere Spieler und Thomas Tuchel sagen vor Gericht aus. Der ehemalige BVB-Coach sieht einen direkten Zusammenhang zwischen seiner Entlassung und dem Anschlag. Nachwirkungen spüre er aber nicht.
Marcel Schmelzer berichtet hingen von traumatischen Folgen. Er zucke "noch immer zusammen, wenn irgendwo ein Teller runterfällt oder wenn Fahrzeuge langsam an uns vorbeifahren".
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Marcel Schmelzer berichtet hingen von traumatischen Folgen. Er zucke "noch immer zusammen, wenn irgendwo ein Teller runterfällt oder wenn Fahrzeuge langsam an uns vorbeifahren".
Roman Weidenfeller erklärt: "Das ist noch immer Thema in der Mannschaft." Er kenne Spieler, die noch immer darunter leiden. Der Anschlag habe sein Leben "verändert".
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Roman Weidenfeller erklärt: "Das ist noch immer Thema in der Mannschaft." Er kenne Spieler, die noch immer darunter leiden. Der Anschlag habe sein Leben "verändert".
1. Juli 2018: Nachdem er das Ende seines Vertrages abgewartet hatte und dem BVB somit ein Jahr auf der Tasche lag, heuert Tuchel im Sommer 2018 bei Paris-Saint Germain an. Den von Stars gespickten Klub betreut er noch heute.
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1. Juli 2018: Nachdem er das Ende seines Vertrages abgewartet hatte und dem BVB somit ein Jahr auf der Tasche lag, heuert Tuchel im Sommer 2018 bei Paris-Saint Germain an. Den von Stars gespickten Klub betreut er noch heute.
27. November 2018: Das Dortmunder Schwurgericht verurteilt Sergej W. zu 14 Jahren Haft. Er wird für 28-fachen Mordversuch und der Herbeiführung einer Sprengstoffexplosion schuldig gesprochen.
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27. November 2018: Das Dortmunder Schwurgericht verurteilt Sergej W. zu 14 Jahren Haft. Er wird für 28-fachen Mordversuch und der Herbeiführung einer Sprengstoffexplosion schuldig gesprochen.
15. Februar 2019: Neue Informationen zum Konflikt zwischen Tuchel und Watzke tauchen auf. In seinem Buch "Kabinengeflüster" beschreibt der Sportjournalist Pit Gottschalk die Einstellung von Tuchel zu jenem Spiel als gänzlich anders.
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15. Februar 2019: Neue Informationen zum Konflikt zwischen Tuchel und Watzke tauchen auf. In seinem Buch "Kabinengeflüster" beschreibt der Sportjournalist Pit Gottschalk die Einstellung von Tuchel zu jenem Spiel als gänzlich anders.
Tuchel behauptete beispielsweise, nur per SMS von der Neuansetzung des Monaco-Spiels zu haben. "Wir wurden überhaupt zu keiner Zeit gefragt", kritisierte er nach dem 2:3.
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Tuchel behauptete beispielsweise, nur per SMS von der Neuansetzung des Monaco-Spiels zu haben. "Wir wurden überhaupt zu keiner Zeit gefragt", kritisierte er nach dem 2:3.
Allerdings soll es tagsüber eine Mannschaftsbesprechung gegeben haben, in der den Spielern freigestellt worden sei, ob sie auflaufen wollen. Angeblich seien auch Tränen geflossen. Ein Verhalten, womit Tuchel so gar nicht einverstanden gewesen sei.
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Allerdings soll es tagsüber eine Mannschaftsbesprechung gegeben haben, in der den Spielern freigestellt worden sei, ob sie auflaufen wollen. Angeblich seien auch Tränen geflossen. Ein Verhalten, womit Tuchel so gar nicht einverstanden gewesen sei.
Es heißt, dass Tuchel sein Team nach dem traumatischen Erlebnis an den Pranger gestellt habe. "Und mit den Weicheiern soll ich die Bayern schlagen?", soll Tuchel verlauten haben. Was letztlich stimmt und was nicht, wird wohl nie ans Licht kommen.
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Es heißt, dass Tuchel sein Team nach dem traumatischen Erlebnis an den Pranger gestellt habe. "Und mit den Weicheiern soll ich die Bayern schlagen?", soll Tuchel verlauten haben. Was letztlich stimmt und was nicht, wird wohl nie ans Licht kommen.
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