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Fussball

Vahid Hashemian im Interview: "Magath hat mit uns Bergwanderungen unternommen"

Von Lukas Schranner
Vahid Hashemian mit Felix Magath zu seiner Bayern-Zeit.

Nach einem Jahr wechselten Sie im Sommer 2005 nach Hannover.

Hashemian: Hannover 96 ist ein Traditionsverein, der sich damals in einer Aufbauphase befand. Ich habe dort verschiedene Trainer miterlebt, insgesamt war es eine gute Zeit.

Wie haben Sie Per Mertesacker erlebt?

Hashemian: Er war ein junger Spieler, strotzte aber nur so vor Selbstvertrauen. Er war ein richtig guter Innenverteidiger. Obwohl er jung war, trug er schon die Kapitänsbinde bei Hannover. Es zeigte sich schon damals, dass er ein großer Spieler werden würde.

Welche Erinnerungen haben Sie an Robert Enke?

Hashemian: Robert Enke war ein Top-Mensch und ein starker Torhüter. Ich habe nie geahnt, dass er mit Depressionen zu kämpfen hat. Er war immer selbstbewusst, wirkte selbstsicher und hat andere motiviert.

Wie haben Sie von seinem Tod erfahren?

Hashemian: Als ich davon erfahren habe, konnte ich es nicht glauben. Ich habe nur gedacht: Das kann, das darf nicht wahr sein. Aber leider ist es passiert. Ich war zu der Zeit beim VfL Bochum und wir hatten unter der Woche ein Testspiel. Ein Spieler ist in die Kabine gekommen und hat irgendetwas von Robert Enke erzählt. Ich habe das erst gar nicht kapiert und nochmal nachfragen müssen. Als ich es dann verstanden habe, war das ein sehr trauriger Moment.

Hat das mit Ihnen oder Ihrer Denkweise etwas gemacht?

Hashemian: Fußballprofi zu sein, ist nicht einfach. Heute will gefühlt jede Familie ihre Kinder zu Profis machen und macht deswegen viel Druck. Und dieser Druck verfolgt dich die ganze Karriere. Spieler und Trainer sind auch nur Menschen - und irgendwann kann man diesem Druck nicht mehr Stand halten.

Im Jahr 2012 haben Sie Ihre Karriere beendet. War Ihnen vorher schon klar, dass Sie einmal Trainer werden wollen?

Hashemian: Bereits als Spieler wollte ich Trainer werden. Schon zu meiner aktiven Zeit habe ich mir nach den Trainingseinheiten Notizen gemacht. Manche Unterlagen von meiner Zeit beim HSV habe ich sogar noch daheim.

Ihre erste Trainerstation war dann beim damaligen Fünftligisten, dem SV Halstenbek-Rellingen, in Hamburg.

Hashemian: Im Jahr 2008 war ich zwar Spieler, habe aber nebenher die B-Trainerlizenz gemacht. 2010/2011 folgte dann die A-Lizenz, ehe ich 2012 meine aktive Karriere beendet habe. Nachdem ich die Aufnahmeprüfung für den Fußballlehrer beim DFB bestanden hatte, war ich auch noch Individualtrainer und bin anschließend U17-Co-Trainer geworden. Das war alles ein Prozess.

Vahid Hashemian: "Mein Ziel ist es, Trainer in der Bundesliga zu werden"

Gibt es eine Anekdote aus der Zeit in der 5. Liga? Das war doch sicher eine Umstellung für Sie.

Hashemian: Ich war Bundesliga-Profi, habe bei einem Top-Klub gespielt und dann als Trainer in der Oberliga angefangen. Ich wollte das sehr diszipliniert angehen, wollte, dass jeder Spieler wie selbstverständlich zum Training kommt. Dann habe ich gemerkt, dass dem nicht so ist. Zu begreifen, dass viele Spieler arbeiten müssen und deswegen nicht am Training teilnehmen können, war etwas schwierig für mich.

Auf dem Weg zum Fußballlehrer hatten Sie die Gelegenheit, bei Pep Guardiola zu hospitieren.

Hashemian: Wenn man Fußballlehrer werden will, muss man bei einem Profiverein ein Praktikum machen. Der DFL stellte zur Auswahl, dass man sich selber einen Klub sucht oder einen zur Verfügung gestellt bekommt. Ich habe mit Hermann Gerland Kontakt aufgenommen und die Erlaubnis bekommen, fünf Wochen lang die Trainingseinheiten des FC Bayern anzuschauen und die Trainerphilosophie von Pep Guardiola zu beobachten. Pep kam jeden Tag zum Training und hatte einen exakten Plan, den er durchführte. Ich bin dankbar, dass ich diese Erfahrung machen durfte. Das war ein tolles Erlebnis.

Hatten Sie die Chance, mit ihm unter vier Augen zu sprechen?

Hashemian: Leider nicht. Hermann Gerland war mein Ansprechpartner. Ich habe einmal versucht, mich mit Pep zu unterhalten, das hat aber leider nicht geklappt. Trotzdem war es ein tolles Erlebnis, sich die - zum Teil geheimen - Trainingseinheiten anschauen zu dürfen.

Mittlerweile sind Sie Co-Trainer der iranischen Nationalmannschaft. Wie würden Sie Ihre Tätigkeit beschreiben?

Hashemian: Bei der Nationalmannschaft ist es anders als im Verein. Wir müssen die Spieler und deren Entwicklung beobachten und dabei auch genau auf ihre Fitness achten. Man hat wenig Zeit, um taktische Feinheiten einzustudieren. Der Cheftrainer hat viel Zeit, Gegner zu analysieren, aber mit der eigenen Mannschaft wirklich intensiv zu arbeiten, ist nicht möglich. In dieser kurzen Zeit hat man also sehr hohe Verantwortung.

Welche Ziele haben Sie für die kommenden Jahre?

Hashemian: Mein Ziel ist es, Trainer in der Bundesliga zu werden. Ebenso will ich eines Tages iranischer Nationaltrainer werden. Dafür gebe ich alles.

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