Fussball

Lucien Favre über Coronakrise: "Der Mensch geht immer zu weit"

Von SPOX
BVB-Coach Lucien Favre hat sich im vereinseigenen Podcast zu den Auswirkungen der Coronakrise geäußert.

BVB-Coach Lucien Favre hat sich im vereinseigenen Podcast über die Auswirkungen der Coronakrise geäußert. Unter anderem sprach der Schweizer über seine Hoffnung an die Zeit nach der Krise und die aktuellen Herausforderungen als Trainer.

Im offiziellen BVB-Podcast hat Cheftrainer Lucien Favre einen Einblick in die aktuelle Lage bei Borussia Dortmund gegeben. Zurzeit trainiert der Tabellenzweite wieder in Kleingruppen, Favre sieht vor allem die positiven Aspekte: "Es ist gut, dass wir zumindest ein paar Sachen machen können, für die wir normalerweise keine Zeit hätten. Wir arbeiten vor allem an der Technik der Spieler. Sonst machen wir das nicht so viel - und jetzt profitieren wir davon."

Besonderes Augenmerk liegt auf der Vorbereitung auf mögliche Geisterspiele in der Bundesliga. "Es ist komplett neu, für alle. Es ist sehr, sehr komisch", so Favre: "Sonst spielen wir hier in Dortmund vor über 80.000 Zuschauern, die die Mannschaft ohne Ende pushen. Wir müssen uns daran gewöhnen, dass es jetzt erst einmal ganz anders sein wird."

Favre: "Hoffe, dass wir im Training bald elf gegen elf spielen dürfen"

So hofft Favre vor allem darauf, dass "wir bald im Training wieder elf gegen elf spielen dürfen. Das werden unsere Vorbereitungsspiele. Wir brauchen das, unbedingt. Wir werden es regelmäßig machen müssen, um uns im Training an die Situation ohne Zuschauer zu gewöhnen". Der BVB hat in der laufenden Saison bereits ein Geisterspiel absolviert, im Rückspiel des Champions-League-Achtelfinals verlor die Borussia im leeren Parc des Princes mit 0:2 gegen Paris Saint-Germain.

Obwohl ihm der Fußball momentan "natürlich" fehle, ordnet Favre die Wichtigkeit des Sports eher niedrig ein: "Für uns ist es okay, für andere Leute ist es gerade eine viel schwierigere Zeit."

Ein Gehaltsverzicht von Spielern und Trainern müsse ganz normal sein. "Ich bin froh, dass wir helfen können", sagt Favre. Auch für die Flüchtlinge auf den griechischen Inseln fordert der BVB-Trainer Solidarität: "Auf Lesbos sind viele, zu viele Flüchtlinge - und sie sind alle zusammen. Sie schlafen auf engem Raum, sie benutzen Toiletten, die Zehntausende an einem Tag benutzen müssen. Und sie müssen dort bleiben. Das ist unglaublich - und es kann nicht sein."

Über die aktuelle Lage der Schwererkrankten zeigt sich Favre entsetzt: "Die Menschen, die sterben, können am Ende nicht mehr ihre Familie und ihre Freunde sehen. Sie sterben allein. Allein! Es ist eine Katastrophe." So hofft der 62-Jährige, dass "wir etwas daraus lernen werden, auch für die Umwelt". Der BVB-Trainer fordert mit starken Worten ein Umdenken nach überstandener Coronakrise: "Der Mensch ist fähig, viele Sachen zu erfinden. Das ist fantastisch, aber wir gehen zu weit. Der Mensch geht immer zu weit. Darüber müssen wir nachdenken", macht Favre klar.

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