Fussball

Mario Götze und eine Zukunft ohne den BVB: Zwei Bedingungen, eine Garantie

Mario Götze und der BVB gehen im kommenden Sommer wohl getrennte Wege.

Mario Götze wird Borussia Dortmund aller Wahrscheinlichkeit nach im Sommer ablösefrei verlassen. Warum die damals dritte Rückholaktion des BVB unter Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke nicht von Erfolg gekrönt war.

Bald ist es drei Jahre her, dass Hans-Joachim Watzke sagte: "Ich bin ganz sicher, dass noch einige Leute Abbitte bei Götze leisten müssen, wenn sie denn jemals die Größe haben." Der Geschäftsführer des BVB hatte deutschlandweit, aber vor allem natürlich rund Dortmund viel Staub aufgewirbelt, als er ein halbes Jahr zuvor im Sommer 2016 Mario Götze zurück zur Borussia holte.

Götze war nach Nuri Sahin und Shinji Kagawa der dritte Abtrünnige, der in Watzkes Amtszeit zur Borussia heimkehrte. Doch anders als bei seinen Vorgängern sorgte Götzes Wechsel zum FC Bayern München drei Jahre zuvor für einen sportlichen Urknall, von dem sich Borussia Dortmund in den Folgejahren nur schwer erholte.

Götze war so etwas wie das Herz eines Teams, das nach zwei Meisterschaften, einem Pokalsieg sowie dem Einzug ins Champions-League-Finale unter Trainer Jürgen Klopp die traditionelle Rangordnung im deutschen Fußball mächtig ins Wanken brachte. Der Abgang des damals so famos aufspielenden Götze erschütterte und erboste entsprechend auch die Gefolgschaft des BVB, an die Watzkes Appell im Januar 2017 genauso gerichtet war wie an kritische Experten, die Wunderdinge im Wochenrhythmus von Götze verlangten.

Götze seit BVB-Rückkehr: 72 Startelfeinsätze, 31 Scorerpunkte

Heute lässt sich sagen: Recht hatte schließlich niemand so wirklich. Schlichtweg auch deshalb, weil die Erwartungen an Götze schon früh in seiner Karriere und erst Recht nach dem Siegtor im WM-Finale 2014 derart in die Höhe schnellten, dass sie einer vorsätzlichen Utopie gleichkamen. Wer dagegen nüchternen Realismus walten lässt, stellt fest, dass auch die damals dritte Rückholaktion des BVB unter Watzke nicht von dem Erfolg gekrönt war, den sich beide Seiten von der Wiedervereinigung erhofften.

Dafür nun den einen Schuldigen auszumachen, wäre zu einfach, ja gar populistisch. Wie immer sind die Gründe, erst recht über einen im Fußball als Ewigkeit angesehenen Zeitraum von mehr als drei Jahren, vielschichtig. Blickt man auf den gesamten Zeitraum zurück, kam Götze in Dortmund seit 2016 auf 98 von 166 möglichen Pflichtspielen, 72 Mal davon stand er in der Startelf. Ihm gelangen 14 Tore sowie 17 Vorlagen. Durchschnittlich war Götze also in fast jedem dritten Spiel an einem Treffer beteiligt.

Auf der anderen Seite der Wahrheit stehen eine lange Zeit unerkannte Stoffwechselerkrankung, die ihn beinahe die gesamte Saison 2016/17 kostete und der Fakt, dass keiner der vier Trainer seiner zweiten BVB-Periode (Thomas Tuchel, Peter Bosz, Peter Stöger, Lucien Favre) dauerhaft auf Götze baute. Das hatte freilich mit seinen Leistungen zu tun. Denn die Chancen, die der immer mehr zum Mitläufer degradierte Götze jeweils bekam, konnte er nie so eindrücklich nutzen, um sich wirklich unverzichtbar zu machen.

Klar ist: Götze ist kein falscher Neuner

Die entscheidende Frage dabei: Warum war ihm das nicht möglich? Einerseits fehlte dem heute 27-Jährige ein gesunder Rhythmus, der sich aufgrund von immer wiederkehrenden, kleineren Blessuren genauso nicht einstellen konnte wie aufgrund der ständigen Pendelei zwischen Bank und Spielfeld. Götzes größtes Problem ist und bleibt allerdings, zu selten auf seiner Idealposition eingesetzt worden zu sein.

Zwar startete der 63-malige Nationalspieler unter Klopp einst als Außenbahnspieler durch, doch Götze ist dank seiner weiterhin herausragenden Technik und strategischen Fähigkeiten vor allem einer für das Zentrumsspiel und die kleinräumigen Aktionen rund um den Strafraum. Seine Spielintelligenz beeindruckte durchgehend und blitzte auch bei seinen Kurzeinsätzen regelmäßig auf, so dass es bei der Definition seiner idealen Rolle keiner Festlegung bedarf, ob Götze ausschließlich zentral agiert, durch die Halbräume gleitet oder sich für Kombinationen auf den Flügel fallen lässt.

Klar ist lediglich, dass Götze nicht der falsche Neuner ist, den er in den letzten Jahren häufig geben sollte. Dass Götze dort eingesetzt wurde und theoretisch auch spielen kann, ist zwar seinem Profil als Spieler geschuldet. Vielmehr jedoch dem Umstand, dass seinen Teams meist eine echte, durchschlagskräftige Neun fehlte, die durchgehend fit oder in der Lage war, regelmäßig auf hohem Niveau abzuliefern.

Götze will Spielzeit garantiert bekommen

Götze fehlen für die Position in der Spitze in erster Linie die Eigenschaften, die es dafür seit jeher braucht: Physis und Tempo, Durchschlagskraft und Kaltschnäuzigkeit vor dem Tor. Zwar interpretierte er die Rolle meist mit fluiden Positionswechsel und dem Ausweichen auf die Flügel. Dies erhöhte seinen Einfluss auf das Spiel langfristig aber auch nicht.

"Ich werde schauen, wie sich die Situation über die Saison hinweg entwickelt, welche Rolle ich spiele, in welcher Rolle mich Klub und Trainer sehen", sagte Götze Ende Juli. Noch ein Jahr zuvor war Watzke davon überzeugt, "dass Favre jetzt versuchen wird, ihm massiv zu helfen". Seit über einem Jahr befindet sich Götze mit dem BVB in Gesprächen über eine Vertragsverlängerung zu geringeren Bezügen. Nach den jüngsten Medienberichten wird die Trennung stehen, was längst keine Überraschung mehr ist.

Das Scheitern der Verhandlungen fußt dabei weniger auf dem finanziellen Aspekt. Götze will vorrangig kontinuierliche Spielzeit garantiert bekommen und in allen Wettbewerben um Titel mitspielen können. Ersteres dürfte in Dortmunds Kader selbst unter einem neuen Trainer schwierig werden, Letzteres würde gegen das gerüchteweise interessierte Hertha BSC sprechen.

Götze-Zukunft ohne BVB: Zwei Bedingungen, eine Garantie

Doch neben diesen branchenüblichen Forderungen sind es besonders zwei Bedingungen, die für Götze bei einem Wechsel vordringlich sein sollten. Er benötigt einen Trainer, der ihn als Stammspieler braucht, unabdingbar auf ihn setzt und gegenüber seinen Spielern womöglich auch eine gewisse menschliche Wärme ausstrahlt. Vor allem jedoch: der ihn auf einer Mittelfeldposition im Zentrum einsetzt.

Dieser Trainer beziehungsweise ein möglicher neuer Verein müssen wie Götze selbst jedoch wissen, dass es eine Garantie gibt, die die Sache wohl für immer erschweren wird. Ganz egal, wo Mario Götze künftig spielen wird, er dürfte als der am kontroversesten diskutierte Fußballer Deutschlands auch weiterhin mit zu hohen Erwartungen überfrachtet werden.

Götze: Einsatzzeiten bei den BVB-Trainern seit seiner Rückkehr

TrainerPflichtspieleToreAssists
Lucien Favre50108
Peter Stöger1713
Peter Bosz1514
Thomas Tuchel1622
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