Fussball

Alexander Nübels wundersamer Weg ins Tor: Mit 13 noch Feldspieler, heute Torwart-Shootingstar

Von Robin Haack
Der junge Alexander Nübel war beim SC Paderborn zunächst Stürmer.

Der SC Paderborn holte Alexander Nübel 2005 als Stürmer ins Nachwuchsleistungszentrum. Nur durch einen Zufall landete der heutige Kapitän des FC Schalke 04 im Tor.

"Er ist gefühlt aus dem Nichts gekommen. Das ging von Null auf Hundert und er spielt, als ob er schon ewig da spielen würde", sagte Bundestorwarttrainer Andreas Köpke jüngst im Interview mit der Süddeutschen Zeitung, als er auf die nächste Generation deutscher Torhüter angesprochen wurde.

Er sprach von Spielern, die nach den Neuers, ter Stegens, Trapps und Lenos das Potenzial hätten, in der Nationalmannschaft zwischen den Pfosten zu stehen. Besonders viel Lob bekam dabei ein Keeper ab: Alexander Nübel.

Rund zehn Monate ist Nübel nun die Nummer Eins beim FC Schalke 04, wo er seitdem mit starken Leistungen überzeugt. Gerade in den vergangenen Wochen stellte er beim Sieg in Leipzig (3:1) und beim Remis gegen den 1. FC Köln (1:1) seine Qualitäten eindrucksvoll unter Beweis.

Mit nur 23 Jahren zeichnet ihn vor allem seine unglaubliche Ruhe am Ball aus, die teilweise fast arrogant wirkt. Es scheint tatsächlich, als würde er schon "ewig da spielen", um es mit Köpkes Worten zu sagen. Doch dem ist nicht so.

Angefangen hat Nübel seine fußballerische Laufbahn nämlich als Feldspieler. Statt Tore zu vereiteln, war er in seiner Kindheit darauf erpicht, selbige zu erzielen. Dass er schließlich zum Torwart wurde, hat der gebürtige Paderborner einer "Verkettung von Zufällen" zu verdanken, wie sich sein früherer Jugendtrainer Marco Cirrincione im Gespräch mit SPOX und Goal erinnert. "In der Vorbereitung der U13-Saison war einer unserer Torhüter überrascht, dass so viel trainiert wird. Er wollte lieber zum Tischtennis und hat deshalb mit dem Fußball aufgehört."

Alexander Nübel kam als Stürmer zum SC Paderborn

Kurz vor Saisonbeginn hatte die D-Jugend von Bundesligist SC Paderborn in der Folge nur noch einen Torhüter im Kader und das Trainerteam war zur Improvisation gezwungen.

"Weil Alex schon früher in manchen Übungen geglaubt hat, er müsse ein paar Bälle halten, ist er gelegentlich auch bei uns ins Tor gegangen", erzählt Cirrincione, der zusammen mit seinen Kollegen schnell das Talent des Jungen erkannte. Vor allem seine guten Reflexe waren für einen Torwart-Neuling außergewöhnlich.

Es wäre der vermeintlich logische Weg, den kleinen Alex in der Folge dauerhaft im Tor einzusetzen - doch dabei gab es ein Problem: Auch in der Offensive waren die Paderborner auf Mittelstürmer Nübel angewiesen.

"Wir konnten und wollten nicht auf ihn verzichten", macht Cirrincione klar. "Er war sehr kopfballstark und hatte bei Standards einen unbändigen Willen, an den Ball zu kommen. Alex war furchtlos."

Nicht umsonst hatte Cirrincione den heutigen Schalker 2005 vom TSV Tudorf ins Nachwuchsleistungszentrum nach Paderborn geholt - als Feldspieler wohlgemerkt. Dort gehörte er zwar nicht auf Anhieb zu den Besten, doch beeindruckte schon damals mit seiner Lernfähigkeit: "Alex hat sich stetig weiterentwickelt, bis er schließlich zu den Leistungsträgern gehörte."

Alexander Nübel agierte zeitweise als "stürmender Torwart"

Da man Nübel sowohl im Feld als auch zwischen den Pfosten brauchte, einigte man sich damals auf einen Kompromiss und machte ihn zum "stürmenden Torwart". So spielte er in der D-Jugend rund 75 Prozent der Spiele im Sturm und den Rest im Tor. "Trotzdem war er mit sieben Toren und sechs Vorlagen drittbester Schütze bei uns im Team", betont der Trainer mit einem Lachen.

Zum Teil ging es sogar so weit, dass der junge Nübel in der Halbzeit vom Tor ins Feld wechselte. "Ich kann mich gut erinnern, dass er 2009 gegen Verl beim Stand von 0:0 zur Pause die Position gewechselt hat", erzählt Cirrincione. "Er ist richtig explodiert, wir haben 5:0 gewonnen und Alex hat sogar noch zwei Tore gemacht."

"Er hat es geliebt, sich auszupowern und Tore zu schießen", erinnert sich Cirrincione. Und genau deshalb fand auch Nübel selbst zu Beginn wenig Gefallen am Torwartspiel. "Es gab viele Diskussionen, da er nicht ganz zufrieden war. Nur im Tor zu stehen und zu warten, hat ihn gelangweilt. Er wollte schwitzen."

Alexander Nübel im Steckbrief

geboren30. September 1996
Größe1,93 m
Gewicht86 kg
PositionTorwart
starker Fußrechts
StationenTSV Tudorf Jugend, SC Paderborn, FC Schalke 04
Profispiele/Spiele ohne Gegentor32/12

Alexander Nübel: Schalkes Bundesliga-Shootingstar

Erst ab der C-Jugend einigte man sich darauf, dass der Teenager größtenteils als Torwart eingesetzt wird. Aus den mindestens 50 Prozent der Spiele, die der damals 14-Jährige zwischen den Pfosten spielen sollte, wurden schnell 100 Prozent. Dank eines professionelleren Trainings und höherem Niveau fand Nübel immer mehr Gefallen an seiner neuen Rolle.

So sehr, dass sich der heutige Bundesligatorwart rasant entwickelte. "Alex hat viele Dinge sehr schnell adaptiert und später sogar Jahrgänge übersprungen", schwärmt Cirrincione. Und nur rund vier Jahre, nachdem er zeitweise noch als "stürmender Torwart" eingesetzt wurde, trainierte er in der Saison 14/15 regelmäßig mit den Profis der Ostwestfalen und stand unter Trainer Andre Breitenreiter sogar sechsmal im Bundesligakader.

Im darauffolgenden Sommer folgte er Breitenreiter zu Schalke 04, wo er als Nummer Drei aufgebaut werden sollte. Im Schatten des damaligen Kapitäns Ralf Fährmann - den er inzwischen verdrängt hat. "Er ist immer cool geblieben und ließ sich nicht verrückt machen", sagt Cirrincione über die Entwicklung seines ehemaligen Schützlings. "Er konnte im Schatten von Fährmann schauen, wie Profifußball funktioniert und ist dann selbst durchgestartet."

Dass er - von Null auf Hundert, wie es Köpke formulierte - durchstarten konnte, hat er auch seinem ehemaligen U13-Trainer zu verdanken, der den Riecher hatte, den heutigen Bundesliga-Shootingstar im Tor aufzustellen. Teil der Geschichte ist natürlich auch Nübels ehemaliger Teamkollege, der seine Fußballkarriere beendete, um mehr Tischtennis spielen zu können. Fußballdeutschland wird es ihm danken.

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