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Fussball

Paderborns Christian Strohdiek im Interview über das Bayern-Duell, Lewandowski und seine Karriere

Von Lino Wilczewski
Christian Strohdiek hat mit dem SC Paderborn viele Höhen und Tiefen erlebt.

Strohdiek über Bundesliga-Visionen: "Da haben sie ganz laut gelacht"

Kaum jemand hat den Verein so geprägt wie der langjährige Präsident Wilfried Finke, der nie scheu war, wenn es darum ging, seine Meinung zu sagen. Im Januar 2019 ist er gestorben. Woran denken Sie, wenn Sie seinen Namen hören?

Strohdiek: Er war der Chef des Fußballs in Paderborn. Was Wilfried Finke für die Stadt und den Verein geleistet hat, wird in Paderborn niemand vergessen. Ich habe an ihm geschätzt, dass er ein Typ mit Ecken und Kanten war, der auch unangenehme Themen angesprochen hat, wenn er es für nötig hielt. Dass er bisweilen schwierige Entscheidungen treffen musste, gehört dazu. Er hat sich immer schützend vor den Verein gestellt und alles für dessen Wohl getan. Wilfried Finke ist einem Atemzug mit dem SC Paderborn 07 zu nennen.

Besonders weil er den SC Paderborn in seiner jetzigen Form erschaffen hat. Von der Namensgebung über die Finanzierung bis hin zum Bau eines neuen Stadions.

Strohdiek: Sportlich hatte er immer Visionen. Von vielen wurde er belächelt - als er sagte, Paderborn würde in den bezahlten Fußball kommen oder die Nummer eins in Ostwestfalen werden. Irgendwann sagte er, dass Paderborn einmal in der Bundesliga spielen würde - da haben sie ganz laut gelacht. Man kann immer über Menschen diskutieren, die man nicht kennt, aber letztendlich hat er die Visionen, die er für sein Leben hatte, einfach umgesetzt. Dafür gebühren ihm voller Respekt und Anerkennung.

Im Sommer ist der SCP zum zweiten Mal innerhalb von fünf Jahren in die Bundesliga aufgestiegen. Welche Erfahrungen haben Sie aus der Achterbahnfahrt der letzten Jahre und dem ersten Bundesligaaufstieg für die Saison 2019/20 mitgenommen?

Strohdiek: Dass es im Fußball schwierig wird, wenn gewisse Mechanismen nicht mehr funktionieren oder auf einmal ein Großteil der Mannschaft egoistischer wird und als Team nicht mehr funktioniert. Wenn Neid entsteht: "Warum kann er das? Warum bekommt er das? Wieso kriege ich das nicht?" Es ist schwierig, auf dem Platz eine Einheit zu bilden, weil der eine oder andere den entscheidenden Meter vielleicht nicht macht. Diese Zeit hat mich gelehrt, dass du auf dem Feld als Kollektiv funktionieren musst - ganz egal, wie hoch die Qualität in der Mannschaft ist. Sonst werden die anderen Vereine, die auch ihre Qualitäten besitzen, die Oberhand behalten.

Strohdiek: "Uns fehlt es nicht an Selbstvertrauen"

In der laufenden Saison konnte Ihre Mannschaft bisher immer gut mitspielen, die Punkteausbeute blieb aber gering. Helfen das Teamgefühl und das Vertrauen innerhalb der Kabine, trotzdem positiv zu bleiben und weiter Offensivfußball zu spielen?

Strohdiek: Definitiv. Wir haben Vertrauen in uns und unser System. Dass es funktionieren kann, haben die bisherigen Spiele gezeigt. Es hat nur bisher nicht über neunzig Minuten gereicht, weil wir immer wieder kurze Phasen haben, in denen wir die Dinge nicht so machen, wie wir es von uns selbst gewohnt sind. Diese Probleme zu beheben, daran arbeiten wir Woche für Woche. Uns fehlt es nicht an Selbstvertrauen, hier kommt keiner mit gesenktem Kopf zum Training. Die Jungs sind alle bereit, weiterzuarbeiten und die Geschichte, die wir in den letzten Jahren begonnen haben, hier fortzuführen.

Nur gut zu spielen, wird am Ende nicht reichen.

Strohdiek: Natürlich wollen wir am Ende auch mal etwas Zählbares sammeln. Trotzdem wir sind weit davon entfernt, dass irgendjemand den Kopf hängen lässt und sagt: "Wir schmeißen alles über den Haufen."

Strohdiek: "Was der kann, das kann ich auch"

Am Wochenende ist der FC Bayern zu Gast. Die letzten Heimspiele gegen die Bayern verliefen eher schwierig, es setzte zwei 0:6-Niederlagen. Möchten Sie vor heimischem Publikum frei aufspielen, nach dem Motto "Wir haben nichts zu verlieren" - oder spielt man gegen einen solchen Gegner dennoch vorsichtiger?

Strohdiek: Wir haben immer etwas zu verlieren, unabhängig vom Gegner. Weil wir eben daran arbeiten, unsere Abläufe zu verbessern. Bayern ist natürlich eine Klasse für sich, mit einem superstarken Kader, aber dennoch werden wir unseren Fußball weiterspielen.

Ihr Gegenspieler wird Robert Lewandowski sein, der bislang in jedem Ligaspiel getroffen hat. Wie bereiten Sie sich auf ihn vor? Gehen Sie früher schlafen, gibt es etwas Besonderes zu essen?

Strohdiek: Darauf bereite mich vor wie auf jede andere Partie auch. Zweifellos ist er ein anderes Kaliber, aber die Bayern haben eben nicht nur Robert Lewandowski. Am Ende ist jeder gut beraten, seinen normalen Rhythmus beizubehalten. Wir möchten das Spiel möglichst nach unseren Vorstellungen gestalten.

Vor zwei Wochen haben Sie in einem Testspiel gegen einen Verein aus der Paderborner Gegend gespielt und 18:0 gewonnen. Ist es manchmal ganz nett, an die eigene Jugend zurückzudenken und die alten Konkurrenten in die Schranken zu weisen?

Strohdiek: Das Spiel stand in Verbindung mit einer Aktion gegen Rechtsradikalismus in der Gesellschaft und im Fußball. Wir wollten ein Zeichen in die Region senden, aber natürlich auch unsere Mechanismen und Abläufe unter Wettbewerbsbedingungen schärfen. Man will niemandem die Bälle durch die Beine spielen oder ihn bloßstellen. Wir sind ja alle gerne mal Trainer oder sitzen auf dem Sofa und sagen: "Mensch, was der kann, das kann ich auch." Bis wir dann gegen sie spielen und merken: "Nee, können wir doch nicht." (lacht)

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