Fussball

BVB-Star Thomas Delaney im Interview: "Reservistenrolle war unangenehm"

Von Sascha Staat
Thomas Delaney (l.) bot im Mittelfeld gegen Bayer Leverkusen eine ansprechende Leistung.

Mehr Leidenschaft und Aggressivität im Zweikampf war bei Borussia Dortmund nach der Pleite gegen Union Berlin gefragt. Thomas Delaney, der gegen Bayer Leverkusen im Mittelfeld den Vorzug vor Julian Weigl bekam, ging mit seiner Einstellung bei den Schwarzgelben voran.

Der Däne scheute er keinen Zweikampf und war beim 4:0 ein wichtiger Faktor im Spiel seiner Mannschaft. Nach der Partie sprach er über den Druck im Vorfeld der Begegnung, seine Rolle im Team, Ambitionen im Titelrennen sowie die Vorfreude auf das Duell mit dem FC Barcelona.

Michael Zorc sagte eben mit einem Augenzwinkern, Sie hätten heute von 200 Zweikämpfen 210 gewonnen. Wie schätzen Sie persönlich Ihre Leistung ein?

Thomas Delaney: Natürlich war das ein gutes Spiel der Mannschaft. Wie haben alles gegeben. Es ist niemals einfach, gegen Leverkusen zu spielen. Sie spielen wirklich einen super Fußball. Aber wir hatten heute eine super Effektivität. Was mich persönlich angeht: Es ist so, dass ich durch Zweikämpfe ins Spiel komme. Bei Jadon Sancho ist es halt das Dribbling.

Sie waren sofort im Spiel. Warum hat das bei der Mannschaft noch etwas gedauert?

Delaney: Der Trainer hatte vorausgesehen, dass Leverkusen am Anfang mit aller Macht kommen wird. Das haben wir auch gespürt, das war sehr viel Druck. Sie machen die meisten Tore in der ersten Halbzeit. Deshalb ist es wichtig, die ersten 15 Minuten zu überstehen.

War es entscheidend, dass Sie Leverkusen aus dem Zentrum halten?

Delaney: Naja, sie haben auch sehr gute Spieler auf den Außen. Aber natürlich kann man in der Mitte sehr viel kontrollieren.

Nach der Niederlage in Berlin wurde viel über fehlende Tugenden beim BVB diskutiert. Wollten Sie daher mit gutem Beispiel vorangehen?

Thomas Delaney über sein Spiel: "Ich bin kein Messi"

Delaney: Das ist immer mein Ziel. Ich bin kein Messi, ich kann nicht so schön dribbeln wie er. Ich muss etwas anderes auf den Platz bringen. Es ist eine gute Leistung, wenn ich viele Zweikämpfe gewinne und gute, kurze Pässe spiele.

Wie wichtig war es für Sie, dass Sie nach den ersten Spielen, in denen Sie meist auf der Bank saßen, heute von Anfang an Ihr Können zeigen durften?

Delaney: Der Trainer und alle anderen wissen, was ich bringen kann. Aber wir haben auch andere gute Spieler wie Axel Witsel, Julian Weigl oder Mo Dahoud. Wenn der Trainer also sagt, dass etwas anderes gebraucht wird, dann ist das so. Natürlich spiele ich am liebsten, aber ich bin auch voll dabei, wenn die Mannschaft etwas anderes braucht.

War es schwer für Sie, auf der Bank geduldig zu bleiben?

Delaney: In den letzten fünf Jahren habe ich das nicht erlebt. Natürlich war ich etwas überrascht und bin nicht daran gewöhnt. Vielleicht war es sogar unangenehm. Aber ich weiß was ich kann und ich vertraue darauf, dass der Trainer es auch weiß. Wenn ich gebraucht werde, dann bin ich voll da und bringe meine Leistung.

Es hat zwei Wochen gedauert, bis Sie nach der Niederlage in Berlin eine Reaktion zeigen konnten. Hatten Sie das Gefühl, dass im Vorfeld ein besonders großer Druck herrschte?

Delaney: Vielleicht ein bisschen. Wir wissen alle, dass es in Berlin enttäuschend war. Das kann man in einer Saison nicht oft machen, wenn man Meister werden will. Dafür haben wir heute eine super Leistung gebraucht. Es war wirklich ein toller Tag. Die Sonne scheint, wir gewinnen, die Zuschauer waren geil.

Sie sagen das mit dem Saisonziel Meisterschaft im Nebensatz daher. Sie wollen doch schon Meister werden, oder nicht?

Delaney: Natürlich wollen wir das. Aber die Saison ist noch sehr jung. Spiele wie heute brauchen wir sehr oft. Ich glaube, dass es in dieser Saison schwieriger wird als in der letzten.

Heute gab es zum ersten Mal in der Liga kein Gegentor für den BVB.

Delaney: Das ist wichtig. Darüber haben wir auch in der Halbzeit gesprochen, dass wir kein Gegentor bekommen und mindestens noch ein Tor selbst machen wollen. Bekommen wir kein Gegentor, dann gewinnen wir 99 Prozent der Spiele.

In den letzten Tagen stand Lucien Favre etwas mehr im Fokus als sonst, es ging vor allem um das Thema Emotionalität. Haben Sie den Trainer heute anders erlebt als sonst?

Delaney: Davon habe ich nichts mitbekommen. Ich glaube, dass es wie immer war. Die Vorbereitung war gut. Die Taktik war richtig gut.

Sie hätten fast ein Tor erzielt, Jonathan Tah war da wohl mit der Hand am Ball. Wie haben Sie die Szene gesehen?

Delaney: Die Regeln sind eben seit dieser Saison etwas anders und sagen, dass es kein Elfmeter ist, wenn man bei einem Tackling mit der Hand am Ball ist. Das war richtig vom Schiedsrichter. Ich glaube, Marco Reus war etwas sauer. Da wäre es manchmal besser in Dänemark zu spielen. Da ist es nicht so laut und man hört seine Mitspieler besser.

Thomas Delaney über den FC Barcelona: "Leverkusen war gute Probe"

Jetzt kommt am Dienstag der FC Barcelona nach Dortmund. Wird es ein ähnliches Spiel?

Delaney: Ich will nicht sagen, dass Leverkusen der FC Barcelona ist, aber das Spiel heute war eine gute Probe für uns. Leverkusen ist eine der Mannschaften in der Bundesliga, die den schönsten Fußball spielen. Da brauchten wir schon eine gute Leistung und ich denke, dass wir heute auch defensiv sehr gut gespielt haben. Es gab lange Phasen ohne Ball, aber wir haben sehr gut verschoben. Das kann auch gegen Barcelona wichtig sein.

Sind Sie für solche Spiele wie gegen Barca Fußballprofi geworden?

Delaney: Ich spiele hier Fußball, das ist schon ein Traum. Ich habe mit Kopenhagen vor ein paar Jahren mal 13 Sekunden gegen Barcelona gespielt. Damals haben wir zuhause 1:1 gespielt, das war nicht schlecht.

Inwiefern war der heutige Sieg wichtig, um das Spiel gegen Barcelona auch etwas genießen zu können?

Delaney: Für das Spiel gegen Barcelona ist das eigentlich egal. Für das Gefühl der Mannschaft, für die Saison war das heute viel wichtiger. Vor allem die Tatsache, dass wir nicht nur gewinnen, sondern auch eine super Leistung bringen. Wir kommen jetzt mit viel Selbstvertrauen und haben ein gutes Gefühl.

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