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Lukasz Piszczek und das Rechtsverteidiger-Erbe beim BVB: Endlich ein Tandem ohne Qualitätsverlust?

Lukasz Piszczek spielt seit 2010 beim BVB.

Borussia Dortmund versucht seit Jahren, eine leistungsstarke Alternative zu Rechtsverteidiger Lukasz Piszczek aufzubauen. Doch egal, ob Kevin Großkreutz, Patrick Owomoyela, Erik Durm, Felix Passlack oder Jeremy Toljan - sie alle konnten dem Polen nicht das Wasser reichen. Die aktuelle Personalkonstellation auf dieser Position scheint mittel- und langfristig die sinnvollste für den BVB zu sein.

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Ist es quantitativ messbar, welche Wichtigkeit ein Spieler für seinen Klub besitzt? Im Falle von Lukasz Piszczek sprechen die Zahlen der letzten drei Spielzeiten jedenfalls eine deutliche Sprache: Nur sechs von 69 Bundesligaspielen, also acht Prozent, verlor Borussia Dortmund mit dem Polen auf der rechten Abwehrseite.

Konnte Piszczek nicht mittun, erhöhte sich diese Quote auf beachtliche 30 Prozent, denn in dieser Zeitspanne endeten zehn von 33 Partien mit einer Niederlage für den BVB. Diese Statistik ist zwar deutlich, aber nur eine Seite der Medaille. Auf der anderen stehen die emotionalen Werte, die Piszczek als Spieler und Mensch in die Dortmunder Mannschaft einbringt - und dies mittlerweile in der zehnten Saison in Folge.

Verbucht man die Spielmanipulation während seiner Leihe von Hertha BSC zu Zaglebie Lubin aus der Saison 2005/06 als jugendlichen Leichtsinn - Piszczek zeigte sich dafür später selbst an - ist der heute 34-Jährige ein Musterprofi, wie ihn sich jeder Verein nur wünschen kann. Besonders in seiner seit 2010 andauernden Zeit beim BVB verkörpert Piszczek stets Loyalität, Professionalität und Ehrgeiz.

Piszczek: Doch noch einmal beim BVB verlängern?

"Ich denke, dem Klub gefällt meine Einstellung - auch außerhalb des Platzes. Ich arbeite und lebe professionell, habe einiges an Erfahrung gesammelt und bin frei von Konflikten", sagt er. Dass der Klub keine gegenteilige Meinung vertritt, ist bekannt und wurde von Sportdirektor Michael Zorc vor rund vier Wochen im kicker noch einmal kundgetan: "Wir wissen, was wir an ihm haben. Lukasz ist ein fantastischer Spieler und ein fantastischer Mensch", sagte Zorc und fügte an: "Ich habe das wohlwollend und gern zur Kenntnis genommen."

Damit war Piszczeks Bereitschaft gemeint, seinen 2020 auslaufenden Vertrag trotz ursprünglich anderer Planung vielleicht doch noch einmal um eine weitere Saison auszudehnen. "Ich möchte nicht eindeutig sagen, dass ich meine Karriere nächstes Jahr beenden werde. Wir werden sehen, wie es läuft. Wenn dann die Option besteht, zu verlängern, stehe ich dem offen gegenüber", öffnete er kurz zuvor in der polnischen Zeitung Przeglad Sportowy die Tür für eine weitere Zusammenarbeit.

Unabhängig davon steht fest, dass sich die Borussia auf der Rechtsverteidigerposition für die Zukunft aufstellen muss. Dies versuchte man bereits in den Vorjahren, doch weder Kevin Großkreutz, Patrick Owomoyela, Erik Durm, Felix Passlack oder Jeremy Toljan konnten an Piszczeks Leistungsniveau derart heranreichen, dass der Verein keine Bauchschmerzen bekam, wenn der Pole einmal ausfiel. Ein adäquater Backup, der Piszczek notfalls auch einmal den Platz streitig machen kann, war keiner dieser Kandidaten.

Hakimi und Piszczek: Tandem ohne Qualitätsverlust

Dass dies umso notwendiger wird, hat nicht nur mit Piszczeks Vertragssituation zu tun. Seine Fehlzeiten erhöhten sich zuletzt immer mehr, in der Vorsaison fiel er verletzungsbedingt insgesamt rund drei Monate aus. Gerade in der heißen Phase im vergangenen Februar, als der zuvor souveräne BVB in seine erste Krise unter Lucien Favre schlitterte, fehlte Piszczeks Erfahrung an allen Ecken und Enden. In neun wichtigen Partien stand er damals nicht zur Verfügung.

Immerhin: Die aktuelle Personalkonstellation beim BVB auf dieser Position scheint mittel- wie langfristig die sinnvollste der letzten Jahre zu sein. Momentan steht mit Achraf Hakimi ein Mann zur Verfügung, der aller Wahrscheinlichkeit nach schon in dieser Saison Piszczek als Platzhirsch rechts in der Viererkette ablösen wird.

Hakimi und Piszczek könnten nach Jahren der Unausgeglichenheit nun das Tandem bilden, das sich auf ähnlichem Niveau bewegt, um ohne Qualitätsverlust durch die Anstrengungen der Dreifachbelastung zu kommen. Zumal beide, bei Hakimi zeigte sich das im Frühjahr 2019, als er deutlich überspielt wirkte und gleich mehrere individuelle Fehler beging, ihre Pausen benötigen. Piszczek, der bereits in der Vorbereitung immer wieder kürzertrat, braucht sie ohnehin.

Morey deutete Potential an, Wolf punktete auf USA-Tour

Die Situation bei Real-Madrid-Leihgabe Hakimi ist allerdings bekannt: auch sein Engagement endet 2020. Sollte es Zorc angesichts von Hakimis überbordendem Potenzial gelingen, Real den Marokkaner tatsächlich abzuschwatzen und ihn in Dortmund zu halten, müsste man dem Sportdirektor beinahe schon ein Denkmal bauen. Die Chancen darauf sollte man derzeit jedoch nicht als allzu hoch einstufen.

In der Hinterhand hat der BVB zudem noch Mateu Morey, der bis zu seiner Schulterverletzung eine exzellente Vorbereitung spielte und besonders seine technisch gute Ausbildung beim FC Barcelona aufblitzen ließ. Morey ähnelt in Tempo und Offensivdrang Hakimi, er ist dazu stark im Dribbling und zeigte auch, dass er im Defensivzweikampf nur schwer abzuschütteln ist. Es ist damit zu rechnen, dass Favre nicht lange zögern wird, um dem 19-Jährigen nach seiner Genesung die ersten Chancen zu geben.

Letzte Alternative im Kader ist Marius Wolf, den Favre bereits während des Vorjahres vom offensiven Flügelspieler zum Rechtsverteidiger umschulte - ganz so, wie er es einst mit Piszczek bei der Hertha tat. Und auch wenn Wolf in den bisherigen drei Pflichtspielen ohne Spielminute blieb und beim Bundesligaauftakt gegen Augsburg nicht einmal Platz im Kader fand, bewies er gerade während der USA-Tour des BVB aufsteigende Form.

Piszczek bis 2021 beim BVB? "Durchaus vorstellbar"

In der letzten Saison als Notnagel rechts hinten noch wenig überzeugend, punktete Wolf in den Staaten mit Offensivimpulsen und seiner gewohnten Laufstärke. Am Ende war er in drei Begegnungen an drei Treffern, einer davon selbst erzielt, beteiligt.

Vielversprechende Varianten hätte Favre also schon jetzt zur Hand, um Piszczek stärker zu entlasten. Eben dies dachte man in den Vorjahren auch, am Ende musste sich Piszczek aber teils doch wieder durchquälen. "Durchaus vorstellbar" nannte Zorc das Szenario einer weiteren Verlängerung mit dem Polen, dessen Ehrgeiz offenbar noch nicht ganz gestillt ist. "Ich schaue nicht auf die Geburtsurkunde. Ich fühle mich jung, wie 29 oder 30 Jahre", sagt er.

Für das wahrscheinlichste Szenario womöglich gar die beste Überlegung: Schließlich muss einer ja den "Lehrer" geben, sollte Hakimi gehen und Morey der nächste sein, der sich an der Ablösung des Urgesteins versucht.

Lukasz Piszczek: Seine gesamten Leistungsdaten beim BVB

EinsätzeToreVorlagen
Bundesliga2251541
Champions League4506
Europa League2214
DFB-Pokal3118
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