Markus Krösche ist neuer Sportdirektor bei RB Leipzig: Autohändler in der Champions League

Markus Krösche ist neuer Sportdirektor von RB Leipzig.
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Der Wechsel von Markus Krösche zu RB Leipzig sorgt für viel Wirbel beim SC Paderborn 07. SCP-Rekordspieler, BWL-Studium, Autohändler, Aufstiegscoach, Co-Trainer, Sport-Geschäftsführer - Krösche legte eine ungewöhnliche wie steile Karriere hin.

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Dass es in der Profifußballbranche häufig um die großen Kleinigkeiten geht, das weiß natürlich auch Markus Krösche. "Hamburg hätte mich sehr gereizt. Ich hatte sowohl mit den Verantwortlichen gute Gespräche geführt als auch mit meiner Familie alles durchgesprochen", sagte Krösche einst dem Hamburger Abendblatt über die Verhandlungen mit dem HSV im Mai 2018.

Damals suchten die soeben abgestiegenen Rothosen einen neuen Sportvorstand. Krösche gehörte mit Rouven Schröder von Mainz 05 und Ralf Becker, der die Stelle schließlich bekam, zum finalen Kandidatenkreis. "Aber am Ende konnten sich die Klubs nicht einigen", bedauerte Krösche.

Dieses Detail, freilich kein unwichtiges in Vertragsgesprächen, hat RB Leipzig nun erfüllt. Die Sachsen waren in der Lage, sich mit dem SC Paderborn 07 zu einigen und Krösche an den Cottaweg zu lotsen. Rund 600.000 Euro soll die Ablöse betragen haben, die RBL an den SCP zahlte.

Nebeneffekt des Krösche-Deals: Kooperation mit RB Leipzig

Doch nicht nur darauf einigten sich beide Vereine. Nebeneffekt des Krösche-Deals ist zudem "eine langfristige Kooperation im sportlichen Bereich mit dem Ziel, sich zu unterstützen und das jeweils vorhandene sportliche Potenzial bestmöglich auszunutzen", wie es in der offiziellen Mitteilung des Bundesligaaufsteigers heißt.

Diese Kooperation beziehe sich auf mögliche Spielerleihen, einen Austausch im Scouting-Bereich, auf Hospitationen und die Commercial-Ebene, betonte Leipzigs Geschäftsführer Oliver Mintzlaff. Eine Zusammenarbeit zwischen zwei Erstligaklubs? Zweifelsfrei ein Novum, das für viele im ersten Moment nach Farmteam riecht - zum Beispiel für die aktive Fanszene des SCP.

Die kündigte am Mittwoch in einer von sechs Organisationen unterstützten Erklärung an, "den Spielen des SC Paderborn 07 bis auf Weiteres fernbleiben" zu wollen, sollte der im Grunde verabschiedete Fakt tatsächlich umgesetzt werden. "Unsere Vereinsliebe und die jahrzehntelange Unterstützung stirbt mit dem Tag einer RB Leipzig Kooperation", hieß es weiter.

Krösche in Paderborn: Rekordspieler und Kult

Dass ausgerechnet der Abgang von Krösche für derart viel Wirbel in Paderborn sorgt, keine drei Wochen nach dem sensationellen Aufstieg ins deutsche Oberhaus, dürfte in erster Linie der Abtrünnige selbst enorm bedauern. Schließlich kann man Krösche eines garantiert nicht vorwerfen: dass er sich nicht mit Paderborn identifizieren würde.

Insgesamt 17 Jahre war Krösche für den Klub tätig, mit 373 Pflichtspielen ist der ehemalige defensive Mittelfeldakteur Rekordspieler der Ostwestfalen. Krösche ist Kult in Paderborn, niemand verkörpert den Verein mehr als er.

Mit dem gleichsam sensationellen erstmaligen Bundesliga-Aufstieg 2014 beendete er seine aktive Spielerkarriere. Inaktiv wurde Krösche anschließend jedoch nicht - ganz im Gegenteil. Schon in der Folgesaison übernahm er die zweite Mannschaft des SCP und führte sie prompt in die fünftklassige Oberliga. Mittlerweile besitzt Krösche alle Trainerlizenzen.

Krösche: BWL, Autohändler, Co-Trainer, Geschäftsführer

Dazu studierte er parallel zur Profikarriere an der Fachhochschule der Wirtschaft in Paderborn BWL. "Mir war früh klar, dass ich mich mit 27 oder 28 Jahren um die Karriere nach der Karriere kümmern muss, wenn ich es nicht geschafft habe, bis dahin so viel zu verdienen, dass ich nie wieder arbeiten muss", so Krösche. Am Ende stand ein Bachelorstudium mit einem Notenschnitt von 2,7 und eine Abschlussarbeit mit dem Titel: "Die finanzielle Situation von Fußballprofis nach der Karriere - eine empirische Befragung unter 400 Fußballprofis".

Hätte Krösche diese Befragung mit sich selbst durchgeführt, von finanziellen Engpässen wäre dabei wohl nicht berichtet worden. Krösche dachte schon früh wirtschaftlich und beteiligte sich an der Firma "Makro Leasing", einem gerade bei Fußballprofis beliebten Autohandel. Marco Reus kam dort beispielsweise zu einem Aston Martin Vanquish. Auch Beteilungen an Immobiliengeschäften soll Krösche unterhalten.

2015 folgte ein zweijähriger Ausflug nach Leverkusen, wo Krösche seinem ehemaligen Mitspieler und Trainer Roger Schmidt - in der Saison 2011/12 war Krösche auch Kapitän unter Schmidt - als Co-Trainer assistierte. Nach dessen Aus bei Bayer ging Krösche zum SCP zurück und erarbeitete sich dort als Sport-Geschäftsführer den Ruf, der ihn derzeit zum meist gehypten Manager im Fußball macht.

Krösche bewies in der alten Heimat auf Anhieb Mut, nur 31 Tage nach seinem Amtsantritt und kurz vor Saisonende setzte er im Abstiegskampf der 3. Liga Trainer Stefan Emmerling vor die Tür und holte mit Steffen Baumgart einen Nachfolger, der den Fußball umsetzte, den sich Krösche vorstellt: Offensiv, vertikal, laufstark, frisch, unbekümmert. Nach zwei irrsinnigen Jahren mit einem akkumulierten Torverhältnis von 166:83, zwei Teilnahmen am DFB-Pokal-Viertelfinale und erwirtschafteten Transfererlösen in Höhe von sieben Millionen Euro war Krösche, mit 38 Jahren bis zuletzt jüngster Sportchef der 2. Liga, mit seinem Herzensklub in der Bundesliga angekommen. Eine Glanzleistung.

Leipzigs Beuteschema ähnlich wie das vom Krösche-Paderborn

"Beim ersten Gespräch mit ihm haben mir 20 Minuten gereicht. Da wusste ich, wir sollten alles daran setzen, Markus Krösche nach Leipzig zu holen", sagte Ralf Rangnick nun am Dienstag. Das gelang dem Vernehmen nach auch deshalb, weil Rangnick Platz machte.

Menschen, die bereits mit Krösche zusammenarbeiteten, beschreiben ihn als loyalen, harten und ehrlichen Arbeiter, der wie seine Vita belegt schon früh komplex gedacht und über den Tellerrand hinausgeschaut hat. Er gab in Paderborn eine klare Idee vor, welche Art von Fußball gespielt werden sollte und holte dafür Spieler, deren Profile dem bevorzugten Beuteschema der Leipziger nicht unähnlich sind.

Krösche ist bei RBL nun auf der großen Manager-Ebene und in der Champions League angekommen, internationale Berührungspunkte hatte er bislang noch kaum. Man wird freilich abwarten müssen, wie gut das Zusammenspiel mit Julian Nagelsmann im speziellen RB-Gebilde funktioniert. Nagelsmann bevorzugt einen Sportdirektor, der für ihn die anliegenden Themen seriös umsetzt und abarbeitet - genau diese Reputation hat sich Krösche in den beiden vergangenen Jahren erarbeitet. Beim HSV wäre das womöglich schwieriger geworden.

Markus Krösche: Seine Karriere im Überblick

Steckbrief
NameMarkus Krösche
Geburtsdatum17. September 1980
Stationen als SpielerWerder Bremen Amateure (1999-2001), SC Paderborn 07 (2001-2014)
Stationen als Trainer

SC Paderborn 07 II (2014-2015), Co-Trainer Bayer Leverkusen (2015-2017)

Stationen als Funktionär

Sport-Geschäftsführer SC Paderborn 07 (März 2017-Juni 2019), Sportdirektor RB Leipzig (seit Juni 2019)

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