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Fussball

BVB-Markenbotschafter Patrick Owomoyela im Interview: "Ich habe in der Scheiße gewühlt"

Patrick Owomoyela spielte von 2008 bis 2013 beim BVB.

Jürgen Klinsmann berief Sie 2004 ins DFB-Team. Rapolder sagte später, Klinsmann sei zwar ein guter Teammanager, aber kein Trainer. Welchen Eindruck hatten Sie?

Owomoyela: Klinsmann war schon der Chef, was die Entscheidungen und Kommunikation betraf. Jogi Löw aber leitete und strukturierte das Training. Er war der Taktiker, Klinsmann der Motivator. Deshalb kann ich Uwe Rapolder in der Sache nicht widersprechen. Klinsmann und Löw waren aber vor allem ein gutes Team.

Sie bestritten letztlich elf Spiele für Deutschland. Wie blicken Sie darauf zurück?

Owomoyela: Es war aufregend und ging wie immer bei mir ziemlich steil nach oben, ich hatte schnell große Spielanteile, die Zeit endete jedoch genauso abrupt. Ich verpasste aufgrund einer Verletzung den Confed Cup, danach war es für mich nicht mehr so leicht. Insgesamt eine wilde Fahrt, aber ich bin stolz auf diese Zeit. Das war schon okay so.

Zur WM 2006 brachte die rechtsextreme NPD einen sogenannten WM-Planer heraus, auf dessen Vorderseite ein Trikot der deutschen Nationalmannschaft mit Ihrer Rückennummer 25 zu sehen war. Darunter der Slogan: "Weiß - nicht nur eine Trikot-Farbe! Für eine echte NATIONAL-Mannschaft". Wie sehr hat Sie das damals beschäftigt?

Owomoyela: Das geschmacklose und menschenverachtende Vorgehen der NPD zeigte mir, dass die exponierte Stellung als Fußballer nicht nur Positives mit sich bringt. Es gibt leider eben bis heute solche Idioten. Und das musste ich bei dieser Geschichte lernen.

Ist Ihnen zuvor oder danach beim Fußball Rassismus widerfahren?

Owomoyela: Hauptsächlich im semiprofessionellen Bereich. Da gab es Affenlaute oder man hat mich "schwarze Sau" genannt. Das war wohl oft der kürzeste Weg, um mir wehzutun. Das Rassismus-Problem existiert nach wie vor, es ist mittlerweile leider sogar auch wieder ein größeres gesellschaftliches Problem geworden. Zwar wird gerade im Sport von Vereinen, Verbänden und Ligen mehr dagegen getan, das heißt aber keineswegs, dass es genug ist und das Problem damit verschwindet. Es kann nie genug gegen solche Auswüchse getan werden.

Sie wurden im November 2006 für Ihr Engagement gegen Fremdenfeindlichkeit mit dem Udo-Lindenberg-Preis ausgezeichnet, mussten ihn aber verletzt entgegennehmen. Ihr Körper stand Ihnen im Verlaufe der Karriere immer wieder im Weg. Wie sind Sie als damit umgegangen?

Owomoyela: Das waren Prüfungen. Ich sah das immer als Chance, an Schwächen zu arbeiten. Ich lernte während meiner ersten langen Verletzungspause bei Werder, mit dem linken Fuß zu flanken. In Paderborn war ich verletzt und arbeitete an meiner Ausdauer. Das hätte ich vielleicht auch noch später öfter machen sollen. (lacht)

Trotz Ihres Verletzungspechs buhlte Werder Bremen um Sie. Plötzlich spielten Sie beim BVB von damals, dem ärgsten Rivalen der Bayern. Die Gegner hießen nun Juventus und Barcelona. Wie fühlte sich das an?

Owomoyela: Zwischen meinen Debüts in der 2. Liga und in der Nationalmannschaft lagen keine zwei Jahre - und ein Jahr später spielte ich gegen Ronaldinho und Pavel Nedved. Da bleibt keine Zeit für Reflektion. Das rauscht alles so mit. Natürlich fand ich das geil, dass mir solche Gegenspieler gegenüberstanden. Ich wünschte, ich könnte diese Zeit nochmal erleben.

Der nächste Karriereschritt führte Sie nach Dortmund, nachdem Sie sich in Bremen zwei Jahre lang zwischen Rasen und Rehazentrum aufhalten mussten.

Owomoyela: Ich ging damals vom Tabellenzweiten zum -dreizehnten. Für mich war der Wechsel zum BVB ein Rückschritt, zumindest gefühlt. Glücklicherweise hat sich das recht schnell als Fehleinschätzung herausgestellt.

Neben Ihnen kam auch Jürgen Klopp nach Dortmund. Wie haben Sie die ersten Ansprachen von ihm empfunden?

Owomoyela: Alles war total neu und spannend. Ich hatte zuvor unter Thomas Schaaf trainiert. Er ist ein Trainer, der sehr wenige Worte benutzt, um zu sagen, was er denkt. Jürgen Klopp ist das genaue Gegenteil. Er benutzt nicht zu viele, aber sehr viele Worte und kann alles sehr bildlich ausschmücken.

Der BVB ging unter Klopp nach und nach durch die Decke. Was war letztlich sein Erfolgsrezept?

Owomoyela: Du musst als Trainer für ein positives Arbeitsklima sorgen. Man muss dafür nicht überall Buddhas aufstellen oder das Trainingsgelände nach Feng Shui einrichten. Die Arbeit sollte einfach Spaß machen. So ging Jürgen das an, mit viel Humor, aber auch harter Arbeit. Das kam bei uns Spielern sehr, sehr gut an. Wir haben unter ihm viel gelacht. Diese Erlebnisse waren für uns alle gleich angenehm, frisch und neu.

Unter Klopp gewannen Sie zwei Meistertitel und den DFB-Pokal. Diese Zeit hat Sie sehr an den Klub gebunden, 2018 sind Sie als Klub-Repräsentant ins Marketing der Borussia zurückgekehrt.

Owomoyela: Für mich ist der BVB einer der besten Vereine in Europa. Wenn man für einen Verein arbeiten möchte, gibt es nicht viele bessere Adressen. Ich bin auch mit der Stadt extrem verbandelt. Mein Sohn wurde hier geboren, auch meine Lebensgefährtin stammt von dort. Es war für mich ein Glückstreffer, als mir der Verein diese Möglichkeit angeboten hatte.

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