"Müssen lernen, eiskalt zu sein"

Von Andreas Königl
Jerome Boateng blickt insgesamt positiv auf die Bayern-Saison zurück
© getty

Am Ende ist es beim FC Bayern München nur die Meisterschaft geworden, im DFB-Pokal und in der Champions League scheiterte man im Halbfinale. Die Geister scheiden sich - war es nun eine gute oder schlechte Saison bei den Roten? Jerome Boateng hat dazu eine klare Meinung, sieht aber auch noch Steigerungsbedarf.

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"In Anbetracht der Bedingungen war es eine gute Saison. Wir wurden in der schwierigen Nach-WM-Saison früh Meister und standen in zwei Halbfinals. Es war aber auch auf jeden Fall mehr drin", erklärte der Innenverteidiger im tz-Interview. "Wir können aus dieser Saison viel lernen, gerade, was das Verhalten in K.o.-Spielen angeht, in Partien, wo ein Tor entscheidet."

Ein Problem der Bayern, welches auch in der Vergangenheit immer wieder mal auftrat, ist es, sich für starke Leistungen nicht nachhaltig zu belohnen - das sieht auch Boateng so: "Manchmal, wenn wir geführt haben, haben wir es schleifen lassen. Im Pokal gegen Dortmund zum Beispiel, da hätten wir längst 3:0 führen müssen. Du musst eiskalt sein in solchen Spielen."

"Noch fehlt uns der Killerinstinkt"

Gleichzeitig gelobte er Besserung: "Das müssen wir noch lernen: Eiskalt sein. Madrid, Barcelona - wenn die eine Chance haben, ist es sofort ein Tor. Bei uns in der Regel auch, aber insgesamt fehlt uns noch etwas dieser Killerinstinkt, den du in diesen engen K.o.-Spielen brauchst."

Dass man das Triple letztendlich verpasst hat, sieht Boateng hingegen nicht so dramatisch. "Man muss da realistisch sein: Es gibt auch noch andere starke, tolle Teams in Europa, und genauso in der Bundesliga. Aber wir müssen uns nirgendwo verstecken", so der 26-Jährige, der sich auch gleichzeitig an mögliche Kritiker wandte. "Es ist keine Selbstverständlichkeit, dass wir international jetzt schon seit so langer Zeit oben dabei sind. Es ist doch ein Privileg, dass wir in jedem Jahr überhaupt sagen können: Wir peilen das Triple an. Wer kann so etwas denn noch außer uns? Nicht viele."

"Der Verein muss was machen"

Das Durchschnittsalter der Mannschaft steigt immer weiter an, gleichzeitig wurden die Münchner von Verletzungsproblemen geplagt. Ein Umbruch ist unvermeidbar, laut Boateng solle man aber nichts überstürzen: "Ich finde auch, dass der Verein in diesem Sommer etwas machen muss - aber man muss nicht alles über den Haufen werden. Wir brauchen Verstärkungen, die uns echt helfen."

Mithelfen soll dabei auch Trainer Pep Guardiola, dessen mittelfristige Zukunft nach wie vor ungeklärt ist. "Er ist immer noch Herz und Flamme, fußballverrückt im positiven Sinne. Wenn wir seine Ideen voll umsetzen, spielen wir einen tollen Fußball, der uns allen Spaß macht", lobte Boateng den Spanier, der in München noch einen Vertrag bis 2016 besitzt.

Der FC Bayern im Steckbrief

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