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Fussball

"Lewandowski bester Stürmer der Welt"

SPOX-Reporter Thomas Gaber traf Karl-Heinz Rummenigge in New York
© audi

SPOX: Der bekannteste Marke im Fußball ist Real Madrid. Ist der amtierende Champions-League-Sieger für Sie der Konkurrent schlechthin in den nächsten Jahren?

Rummenigge: Real hat eine tolle Mannschaft und hat sicher auch verdient die Champions League gewonnen. Sie haben ja immerhin zwölf Jahre auf dieses Ziel hingearbeitet. Ich habe mich für meinen Freund Florentino Perez, der dort Präsident ist, gefreut. Das ist auch eine gute Partnerschaft für Audi. Es ist auch in unserem Interesse, dass unsere Partner wiederum attraktive Partnerschaften eingehen. Am Ende des Tages ziehen wir alle daraus den Honig.

SPOX: Real Madrid hat gerade Toni Kroos und James Rodriguez für etwa 115 Millionen Euro verpflichtet. Louis van Gaal darf bei Manchester United angeblich 200 Millionen Euro in neue Spieler investieren. Was lösen diese Zahlen in Ihnen aus?

Rummenigge: Real Madrid hat diese Philosophie, jedes Jahr einen Superstar zu holen. Das haben sie jetzt mit James gemacht, der 80 Millionen gekostet hat. Es ist allerdings auch ein Stück der Beweis, wenn man viel in den Transfermarkt investieren muss oder will, dass gewisse Dinge dann zu korrigieren sind. Manchester United ist in dieser Saison nicht einmal für die Europa League qualifiziert, die müssen also was tun, um der Mannschaft neues Leben einzuhauchen. Louis van Gaal ist ohne Frage ein guter Trainer, aber auch ein guter Trainer braucht erstklassige Fußballer.

SPOX: Viele Beobachter oder Fans stören sich an den Summen, die teilweise auch für Spieler bezahlt werden, die vielleicht nicht das allerhöchste Niveau haben. Wie passt das mit dem Financial Fairplay zusammen?

Rummenigge: Grundsätzlich habe ich kein Problem damit, wie etwa im Fall von Real Madrid, wenn die Spieler selbstfinanziert sind. Auch Barcelona finanziert seine Transfers alle selbst. Probleme bekomme ich dann, wenn Dritte involviert sind, also irgendein Scheich oder russischer Oligarch, der seine Schatulle öffnet und die Defizite ausgleicht. Das ist nämlich nicht fair und das verbietet Financial Fairplay. Es ist wichtig, dass sich Financial Fairplay in Europa durchsetzt und die Klubs die Regeln akzeptieren. Das Financial Fairplay muss dafür sorgen, dass ein bisschen mehr Fairness und Rationalität in den Fußball zurückkehren. Ich glaube, das ist dringend notwendig.

SPOX: Denken Sie, dass in absehbarer Zeit Transfers in der Bundesliga in der Größenordnung eines James Rodriguez möglich sind?

Rummenigge: Das Entscheidende sind natürlich die finanziellen Mittel. Man muss anerkennen, dass uns die Engländer in Sachen TV-Einnahmen ein gutes Stück voraus sind. Es gilt, diese Einnahmen auch in Deutschland nachhaltig zu steigern. Bayern München hat es mit Erfolg vorgemacht: Wir haben Javi Martinez für 40 Millionen Euro geholt, Mario Götze für 37 Millionen, Thiago Alcantara für 25 Millionen. Diese Spieler waren nicht preiswert, haben uns aber die Qualität einverleibt, um Titel zu gewinnen. Man kann nur hoffen, dass die Einnahmen der Bundesliga ganz speziell aus dem Fernsehen, aber auch im Bereich Sponsoring und Merchandising steigen, damit man sich auch in Deutschland diese Transfers erlauben kann. Aber eins sollte man nicht machen: einen Spieler aus Eitelkeit holen. Manchmal hat man das Gefühl, dass der ein oder andere Präsident einen Transfer tätigt, um sich selbst einen Gefallen zu tun.

SPOX: Befürchten Sie, dass sich bei den Weltmeistern gewisse mentale Müdigkeit eingestellt haben könnte nach dem WM-Triumph?

Rummenigge: Das hab ich einmal selbst erlebt. Ich bin 1974 als blutjunger, 18-jähriger Bursche zum FC Bayern gekommen. Damals war die Mannschaft deutscher Meister und Europapokalsieger geworden und, ich glaube, auch sechs Spieler waren gerade Weltmeister geworden. Damals war die Mannschaft nicht mehr hungrig, nicht mehr motiviert. Die Bundesliga wurde ein Flop, im Europapokal ging es noch ganz gut. Das gilt es zu verhindern! Glücklicherweise haben wir mit Pep Guardiola einen Trainer, der das 2010 in Barcelona schon mal erlebt hat. Spanien war Weltmeister geworden mit vielen seiner Spieler. Barcelona ist 2011 dann Meister und Champions-League-Sieger geworden. Ich glaube, wir haben da einen guten Mann am Ruder, der dafür sorgen wird, dass auch die Weltmeister wieder motiviert sind.

SPOX: Muss der FC Bayern außer Borussia Dortmund noch eine Mannschaft im Kampf um die deutsche Meisterschaft beachten?

Rummenigge: Die anderen Konkurrenten versuchen, ein Stück aufzurüsten. Leverkusen hat sich die Sponsorengelder für drei Jahre auszahlen lassen, um den einen oder anderen Transfer zu tätigen. Man muss abwarten, wie das funktioniert. Schalke will nach eigener Aussage ja auch nach oben. Ich glaube trotzdem, dass Bayern und Dortmund die besten Voraussetzungen haben.

SPOX: Mit Robert Lewandowski hat der FC Bayern einen Spieler verpflichtet, der zu den vier, fünf besten Stürmern der Welt zählt und bei vielen großen Klubs begehrt war. Was erwarten, was erhoffen Sie sich von ihm?

Rummenigge: Ich gehe noch einen Schritt weiter. Ich sage: Robert ist der beste Mittelstürmer der Welt. Glücklicherweise haben wir ihn sogar gratis bekommen, weil er ablösefrei war. In den ersten Spielen, die er gemacht hat, hat er wunderbar eingeschlagen, er hat viele Tore gemacht. Es deutet sich schon ein Zusammenspiel mit Franck Ribery an. Das ist ein Spieler, der uns gut zu Gesicht steht und ich glaube, er wird viele Tore für den FC Bayern schießen.

Seite 1: Rummenigge über den globale Konkurrenz, neue Märkte und Farm Teams

Seite 2: Rummenigge über Real Madrid, das Financial Fairplay und den BVB

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