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Fussball

Königstransfer wider Willen

Von Adrian Franke
Mit Filip Kostic kam der Wunschspieler der VfB-Verantwortlichen nach Stuttgart
© getty

Der VfB Stuttgart hat seinen Wunschspieler bekommen, nach langem hin und her wechselt Filip Kostic vom FC Groningen ins Ländle. Wie schon bei den Niederländern wird er auch beim VfB als Königstransfer gehandelt, eine Rolle, in der sich Kostic nicht sonderlich wohl fühlt. Für den Serben ist es der nächste Schritt in Richtung seines vermeintlichen Vorbildes.

Fredi Bobic wird sauer, wenn Journalisten seinen jüngsten Neuzugang Filip Kostic, immerhin die teuerste Stuttgarter Verpflichtung der letzten fünf Jahre, in den Himmel loben. "Königstransfer? Schwachsinn", raunzte der VfB-Manager jüngst gegenüber den Medienvertretern.

Doch die hartnäckigen Transferbemühungen der Schwaben machen klar, wie sehr Stuttgart den serbischen Youngster haben wollte um den zu Borussia Mönchengladbach abgewanderten Ibrahima Traore zu ersetzen und für frischen Wind in der Offensive zu sorgen.

Es waren zähe Verhandlungen mit Groningen, das seinen Offensivstar nicht abgeben wollte. Zudem veröffentlichten die Niederländer anschließend trotz vereinbarten Stillschweigens Details zum Wechsel. Sechs Millionen Euro zuzüglich einer möglichen Bonuszahlung ließ sich Stuttgart den Serben kosten, 15 Prozent der Transferrechte bleiben zudem bei Groningen.

"Eigentlich gebührt der Respekt, dass man nichts über Ablösemodalitäten sagt", polterte Bobic anschließend: "Aber es passt zu den ganzen Verhandlungen, die äußert schwierig waren." Der VfB sei dabei an seine finanziellen Grenzen gegangen - holte am Ende aber seinen Wunschspieler.

Bobics clevere Taktik

Bei genauerer Betrachtung verwundert es nicht, dass Bobic das Umfeld zu Zurückhaltung ermahnt, und seinen Neuzugang nicht in den Himmel gelobt wissen will. Immerhin hat Kostic ähnliches schon mal durchgemacht, mit zunächst nur mäßigem Erfolg.

Der 21-Jährige, der mit 17 in Serbien seinen ersten Profivertrag unterschrieben und mit dem FK Radnicki zwischen 2010 und 2012 den Durchmarsch von der dritten in die erste Liga geschafft hatte, wurde auch infolge seines Wechsels nach Groningen hoch gehandelt.

Als 19-Jähriger wechselte Kostic 2012 in die Eredivisie und sofort gab es einen großen Hype um den Youngster, der Landsmann Dusan Tadic beerben sollte. In Serbien wurde er längst als eines der größten Talente des Landes gehandelt, mit 17 startete er seine Karriere in der U-19-Nationalmannschaft. Doch der Offensivmann kam mit den Vorschusslorbeeren zunächst nicht zurecht und hatte zudem große Verständigungsprobleme - Kostic spricht nur sehr gebrochen Englisch.

In seiner ersten Saison in Groningen spielte er deutlich häufiger für die zweite Mannschaft (18 Mal, sieben Tore) als für die Profis (fünf Kurzeinsätze). Außerdem wurden Gerüchte laut, wonach er nicht die richtige Einstellung habe und oft den nötigen Einsatz vermissen lasse. Auch über Gewichtsprobleme wurde öffentlich in den Medien spekuliert.

Kostic besteht den Charaktertest

Kurzum: Es war alles andere als ein Start nach Maß bei seiner ersten Auslandsstation, weg vom gewohnten Umfeld, der Familie und seinem Heimat- und Jugendklub. Somit wurde es für den Teenager zum Charaktertest - und er bestand letztlich mit wehenden Fahnen.

In seinem zweiten Jahr avancierte er unter dem neuen Trainer Erwin van de Looi zum unumstrittenen Stammspieler und Leistungsträger für Groningen. In 34 Ligaspielen gelangen ihm 17 Scorer-Punkte, er wurde von den Medien als einer der besten Flügelspieler der Saison gefeiert.

Der pfeilschnelle, technisch starke Linksfuß zog sofort Parallelen zu Ex-Groningen-Star Arjen Robben auf sich, wie der heutige Bayernspieler zieht auch Kostic gerne von rechts ins Zentrum um dann mit dem linken Fuß abzuschließen. So versuchte kein anderer Spieler in Hollands Eliteklasse mehr Dribblings (225), wenngleich sich Kostic hierbei noch oft festrennt - 61 Prozent der Dribblings verlor der Offensivmann.

Gleichzeitig aber ist der Neu-Stuttgarter auch ein guter Zweikämpfer, der defensiv wie offensiv kein Duell scheut: Kein Spieler in der Eredivisie bestritt in der Vorsaison insgesamt mehr Zweikämpfe als Kostic (546). "Er ist ein sehr dynamischer Spieler, der in die physisch starke Bundesliga gut rein passt", weiß Bobic.

Große Ambitionen beim VfB

Doch nicht nur sportlich, auch menschlich ist der 21-Jährige in Holland gereift und hat merklich an Selbstvertrauen gewonnen. "Wir haben große Chancen in Europa und der Champions League zu spielen", kündigte er bei seiner Vorstellung in Stuttgart an. Kostic wollte unbedingt wechseln, gemeinsam mit seinem Berater forcierte er den Transfer.

Beim VfB geht es dem Serben jetzt vor allem darum, in einer stärkeren Liga den nächsten Schritt zu machen. Während Kostic selbst nicht mit großen Ansagen spart, wird Bobic nicht müde zu die Erwartungen zu dämpfen: "Das ist ein guter Transfer, der der Mannschaft weiterhilft. Wir hoffen, dass das so schnell wie möglich geht, aber wir wissen es nicht."

Vor allem hoffen die Verantwortlichen in Stuttgart, dass ihnen ein Anpassungsjahr, wie es der serbische Juniorennationalspieler in Holland erlebte, erspart bleibt. "Es wird jetzt darauf ankommen, dass er seine PS auf den Platz bringt", forderte Trainer Armin Veh. Gelingt Kostic das, hat der VfB womöglich einen der Shooting-Stars der kommenden Saison in seinen Reihen.

Filip Kostic im Steckbrief

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