"Die Lücke wird uneinholbar groß"

Von Stefan Rommel
Für Dirk Dufner (l.) ist Tayfun Korkut der ideale Trainer für Hannover 96
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SPOX: Ist so eine Erfolgsgeschichte wie die des BVB, der vor fünf, sechs Jahren noch am Boden war, von einem anderen Klub zu wiederholen?

Dufner: Wieso sollte so etwas prinzipiell auf Schalke nicht möglich sein? Die haben auch kein schlechteres Umfeld als in Dortmund. Der BVB ist das Risiko eingegangen und hat seinen Anhängern erklärt, dass es einige Jahre vielleicht nur um Platz zwölf gehen könnte. In der Zwischenzeit haben sie aber nahezu alles richtig gemacht und etwas Großes entwickelt. Es ist möglich, für mich bleibt das aber eher eine Ausnahme, weil Dortmund in den vergangenen Jahren wirklich sehr wenig falsch gemacht hat.

SPOX: Sie haben die Umstrukturierungsmaßnahmen in Ihrem Nachwuchsleistungszentrum bereits angesprochen. Wie weit sind Sie damit?

Dufner: Die infrastrukturellen Maßnahmen sind im Gange, wir wollen im zweistelligen Millionenbereich investieren und wollen begleitend viele Dinge verbessern. Das ist für den Verein das wichtigste Projekt der nächsten fünf bis zehn Jahre. Da müssen wir genauso gut aufgestellt sein wie unsere Konkurrenten - und das sind wir momentan noch nicht. Da sind wir einige Jahre später dran als einige andere.

SPOX: Woran liegt das?

Dufner: Hannover kam aus der 3. Liga wieder zurück in die Bundesliga. Da ist es klar, dass der Fokus zunächst auf andere Dinge gelegt wird, Stichwort wirtschaftliche Gesundung und Konsolidierung. Aber ab sofort wollen wir da aufholen und in den nächsten Jahren deutlich mehr Talente in der ersten Mannschaft haben. Daher wollen wir den Kader auch verkleinern, um ihn dann immer wieder mit Jugendspielern auffüllen zu können. Junge Spieler zu entwickeln, die man später für gutes Geld verkaufen kann, ist kein schlechtes Geschäftsmodell. Und von Hannover weiterzuverkaufen bedeutet dann schon, an Spitzenklubs zu verkaufen.

SPOX: Die Verträge von 16 Spielern laufen dieses oder nächstes Jahr aus. Werden Sie deshalb nervös?

Dufner: Die Spieler, mit denen wir langfristig arbeiten wollen, haben fast alle längerfristige Verträge. Aber es stimmt, dass zum Beispiel Ron-Robert Zielers Vertrag 2015 ausläuft. Da sind wir schon länger dran. Dieses Jahr ist es der von Mame Diouf. Die Problematik kennt auch jeder. Wir würden gerne mit ihm verlängern, aber das wird eher schwierig. Ya Konan und Andreasen, Cherundolo und Schulz - die laufen alle aus. Da schauen wir mal.

SPOX: Urgestein Steven Cherundolo soll anderweitig in den Verein eingebunden werden?

Dufner: Unbedingt. Wir müssen mit ihm noch besprechen, wie genau wir ihn einsetzen. Ich würde ihm eine Trainerhospitanz vorschlagen bei einer unserer Jugendmannschaften. Vielleicht will er auch ins Management reinschnuppern oder ins NLZ. Ich glaube aber, dass seine Tendenz in Richtung Trainer geht. Er soll nirgendwo reingedrängt werden, sondern selbst herausfinden, was ihm am meisten liegt.

SPOX: Klingt nach einer recht entspannten Zeit.

Dufner: Es gibt nichts Schöneres für einen Verein, als einen verdienten Spieler einzubinden. Aber: Derjenige muss auch was draufhaben sowie Bereitschaft und Neugier mitbringen. Es darf hier niemand nur mitlaufen, weil er ein verdienter Spieler war. Ein Spieler wird nur eingebunden, wenn er ehrgeizig und lernbereit ist und wenn er sich einbringen möchte. Nur darauf hinzuweisen, dass er zehn Jahre die Knochen hingehalten hat und dann nur nach der Kaffeemaschine zu fragen, ist zu wenig. Oder in die Marketingabteilung zu spazieren und gleich einen auf Chef zu machen. Das wird es mit mir nicht geben. Aber dafür ist Steven auch nicht der Typ.

SPOX: Wie geht es in den Vertragsgesprächen mit Zieler weiter?

Dufner: Wir haben ein richtig gutes Verhältnis und sind ständig im Gespräch. Er möchte sehen, dass wir auf Sicht die europäischen Plätze nochmal angreifen können. Und natürlich geht es auch ums Geld. Aber rein emotional würde er gerne bleiben, er fühlt sich wohl in Hannover. Und wenn wir in den nächsten Wochen eine sportliche Perspektive aufzeigen können und uns finanziell annähern, finden wir eine Lösung.

SPOX: Kann es ein, dass er bis zum Zeitpunkt einer möglichen WM-Nominierung abwarten will - um dann nochmal eine bessere Verhandlungsbasis zu haben?

Dufner: Ich glaube, das ist unabhängig davon zu betrachten. Sollte er nicht mitgenommen werden, wechselt er im Umkehrschluss ja nicht gleich den Verein. Für ihn persönlich ist es aber von hoher Bedeutung, in Brasilien dabei zu sein.

Seite 1: Dufner über Korkut und seine Anfangszeit

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Seite 3: Hannovers wichtigstes Projekt

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