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Fussball

Frankfurts stiller Europa-Held

Von Fabian Herbers
Mit Bruno Hübner hat sich Eintracht Frankfurt vom Aufsteiger zum EL-Teilnehmer gemausert
© getty

In der Sommerpause sind sie die wichtigsten Personen im Verein: Manager und Sportdirektoren. Leute wie Horst Heldt oder Matthias Sammer sind dazu schillernde Persönlichkeiten und Aushängeschilder ihres Vereins. Den Erfolg von Eintracht Frankfurt schrieb man vor allem der guten Trainerleistung von Armin Veh zu. Dabei ist es auch Frankfurts vermeintlich leiser Sportdirektor Bruno Hübner, der an den richtigen Fäden gezogen hat.

Als der Anruf 2011 aus Frankfurt kam, fackelte Bruno Hübner nicht lange. Gerade erst hatte der damalige Sportdirektor vom MSV Duisburg eine herbe 0:5-Klatsche gegen Schalke 04 hinnehmen müssen.

Doch trotzdem war das Spiel ein voller Erfolg, denn Hübner führte die Meidericher bis ins DFB-Pokalfinale und "nur" wegen der Finalniederlage in Berlin verpassten die Zebras damals die endgültige Pokal-Sensation.

Nur vier Tage später stellte die Frankfurter Eintracht den waschechten Hessen als neuen sportlichen Leiter vor. Dieser Verpflichtung folgten in den nächsten zwei Jahren überdurchschnittlich viele Spielertransfers in Frankfurt, doch die Installation von Bruno Hübner als neuen Sportdirektor sollte sich für Frankfurt als wahrer Königstransfer herausstellen.

Nur zwei Jahre nach dem bitteren Abstieg in die heimische zweite Liga findet sich der Klub auf Europas Fußballbühne wieder.

Schon immer nur Fußball

Bruno Hübner galt schon immer als talentierter Stürmer. 1981 gelang ihm der Sprung in die Bundesliga, er spielte fünf Jahre für den 1. FC Kaiserslautern. Das Profi-Debüt ausgerechnet gegen Eintracht Frankfurt, UEFA-Pokal-Spiele gegen Real Madrid: Hübner erlebte in seiner vergleichsweise kurzen Zeit als Profi-Fußballer so einiges. Nach einem Jahr Verletzungspause beendete der Hesse im Alter von nur 25 Jahren seine Karriere und ging 1986 zum damaligen Kreisligisten SV Wehen. Ein Wechsel mit Folgen.

Nach seiner Zeit als Spieler blieb er Wehen treu und arbeitete als Trainer und Vize-Präsident. 2004 erfolgte dann - Wehen spielte dank eines bekannten Wasserfilter-Herstellers bereits in der Regionalliga - ein wichtiger Wendepunkt in seiner Karriere: Er wurde Manager und führte den kleinen Verein bis in die zweite Bundesliga, ehe die großen Vereine auf Hübner aufmerksam wurden. Nach Differenzen erfolgte nach 21 Jahren in Wehen der Tapetenwechsel, Hübner begann sein Engagement beim MSV Duisburg und erreichte dort 2011 sensationell das DFB-Pokalfinale.

Wie auch seine drei Söhne Christopher (SV Wiesbaden 1899), Florian (SV Sandhausen) und Benjamin (VfR Aalen), die allesamt Profi-Fußballer geworden sind oder noch werden wollen, kennt Vater Bruno die Facetten des Fußballs. Als Spieler, Funktionär, ob in der Kreisklasse oder auf europäischer Ebene - der 52-Jährige spricht, wenn er es tut, aus Erfahrung.

Ein Verein liegt brach

Nach einer guten Bundesliga-Hinrunde gewann die Eintracht im Frühjahr 2011 fast kein Spiel mehr und stieg nach einer katastrophalen Rückrunde in die zweite Liga ab. Fans eskalierten und kürten sich zum "Randalemeister 2011". Die SGE drohte den Anschluss zu verlieren und dauerhaft in der Bedeutungslosigkeit der zweiten Liga zu versinken, wenn sich nichts drastisch ändern würde. Vorstandsvorsitzender Heribert Bruchhagen reagierte und holte Hübner, der sein Wunschkandidat als neuer Sportdirektor war.

In Frankfurt hatte Hübner zu Beginn keinen leichten Stand. Der Klub war frisch abgestiegen, befand sich in einer tiefen Krise und wollte einen Sparkurs einschlagen, um den finanziellen Schaden des Abstiegs möglichst gering zu halten. Doch Hübner, der sich schon in Duisburg mit massiven Finanzproblemen des Klubs rumschlagen musste, lenkte ein. Der Verein sollte und musste investieren. Er verdeutlichte klar: Es darf nicht gespart, sondern es muss investiert werden. Nur so könne der Verein den Wiederaufstieg packen und sich langfristig in der Bundesliga etablieren.

Der (nahezu) unbekannte Bruno H.

Auch wenn Hübner gern große Ziele vor Augen hat, gehört er nicht unbedingt zu der Sorte Manager, die sich dauerhaft in den Vordergrund spielen. Frank Arnesen, Fredi Bobic oder Thomas Eichin - sie alle standen in der vergangenen Saison gewollt oder ungewollt mehr im Rampenlicht als Hübner. Trotzdem platzierte sich Eintracht Frankfurt weit vor Stuttgart oder Bremen. Hübner macht seine Arbeit still, aber erfolgreich.

Er hievte Wehen in die zweite Liga, machte Duisburg zum Pokalfinalisten und Frankfurt zum Europa-League-Teilnehmer. Hübner drehte an den richtigen Schrauben, um Frankfurt den Weg zum Erfolg zu ebnen: Der Eintracht-Kader ist zugleich jung (Rode, Jung, Stendera) und hat mit Alex Meier oder Pirmin Schwegler einige erfahrene Akteure in den Reihen - die perfekte Mischung.

Trotz des schnellen Erfolgs in Frankfurt ist Bruno Hübner nicht nur unter den Managern jemand vom leisen Format, auch in den eigenen Reihen steht er medial meist im Schatten von Bruchhagen oder Trainer Armin Veh. "Das stört mich nicht. Ich weiß, was ich geleistet habe", entgegnet Hübner darauf und hat somit das große Glück, Transfergeschäfte ruhig und ohne größere Störfeuer abwickeln zu können.

Viele Spieler - viel Erfolg

"Unsere Philosophie ist es, junge ambitionierte Spieler zu holen, die ihre Ziele noch vor sich haben und extrem heiß auf Erfolg sind", sagt Hübner über mögliche Neuverpflichtungen. Der Satz, der so wahrscheinlich aus jedem Manager oder Sportdirektor der Bundesliga herausgesprudelt wäre, wurde aber von ihm konsequent umgesetzt.

In den letzten zwei Jahren gab es in Frankfurt eine sehr hohe Spielerfluktuation: 71 Zu- oder Abgänge verbuchte man allein zwischen der Sommer-Transferperiode 2011 und der im Winter 2013. Ähnlich fluide Zustände sind sonst nur bei Felix Magath bekannt, doch im Unterschied dazu schlugen fast alle Sommer-Neuzugänge 2012 in Frankfurt ein.

Bruno Hübner im SPOX-Interview: "Ich bin ein Überzeugungskünstler"

Kevin Trapp absolvierte bis zu seinem Handbruch bei einem DFB-Werbedreh eine phänomenale Saison, Bastian Oczipka und Stefan Aigner spielten sich unter Armin Veh schnell in die Stammelf. Auch der Japaner Takashi Inui, der aus Bochum kam, schlug in der Bundesliga ein. Carlos Zambrano, auf Schalke gescheitert, ist in Frankfurt ein wichtiger Teil der Defensive und wurde ebenso von Hübner nach "Mainhattan" gelockt. Spieler aus der eigenen Jugend wie Marc Stendera, die Hübners Philosophie entsprechen, verstärkten den Eintracht-Kader ebenfalls.

Vom Aufsteiger Richtung Europa

2012 wurde wie in Fürth und Düsseldorf auch in Frankfurt euphorisch der Aufstieg in die Bundesliga gefeiert. Ein Jahr später gehen zwei der drei Vereine zurück ins Fußball-Unterhaus, während sich einer im Europapokal in seinem aktuellen Erfolg sonnen kann. Hier zeigt sich deutlich, wie Hübners Konzepte in Frankfurt greifen. Der Unterschied zu Fürth und Düsseldorf ist nicht mehr marginal, er ist inzwischen gewaltig.

"Ich denke, dass wir frühzeitig erkannt haben, dass wir trotz der vorhandenen Qualität die Mannschaft verstärken müssen. Hier ist es natürlich wichtig gewesen, dass wir bei der Personalpolitik ein glückliches Händchen hatten", sagt Bruno Hüber über den Unterschied zwischen Frankfurt und den beiden anderen Aufsteigern von 2012.

Was vor zwei Jahren bei Hübners Beginn in Frankfurt schier undenkbar war, ist heute die logische Folge einer akribischen Arbeit von Hübner, der mit offensiven Forderungen und klugen Neuverpflichtungen nahezu alles aus der Mannschaft und dem verfügbaren Kontingent herausgeholt hat. "Ich kann Spieler gut überzeugen, da ich beide Seiten kenne", meint Hübner.

Hübners Prüfstein: Europa League

Natürlich ist auch ihm klar, dass es trotz der tollen Platzierung in der kommenden Saison wieder um den Klassenerhalt geht. Nicht nur deshalb betont er auch, dass er auch ohne Europa League die selben Spieler holen würde. Es ist ihm wichtig, dass gerade bei Mannschaften wie Eintracht Frankfurt, die manchmal jeden Cent zwei Mal umdrehen müssen, das Gehaltsgefüge intakt ist und nicht jegliche Rahmenbedingungen sprengt.

Will die Eintracht auf europäischer Ebene ein gutes Bild abgeben, muss Hübner nur seinem Weg folgen und wieder an den richtigen Stellschrauben drehen. Die jetzige Aufgabe ist, den Eintracht-Kader in der Breite zu verstärken. Natürlich nur nach Hübners Philosophie. Von Ligakonkurrent und Europa-League-Teilnehmer SC Freiburg wurden bereits Johannes Flum und Jan Rosenthal verpflichtet. Spieler, die eben typisch Hübner sind: talentiert, günstig, hungrig nach Erfolg.

Dass die Eintracht nun in der Europa League gelandet ist, damit hätte auch Bruno Hübner, der seinen Vertrag bei den Hessen bis 2014 verlängert hat, eher nicht gerechnet. Doch die Mehrarbeit nimmt er gerne an. So rückt er eine Spur mehr in den Fokus, der ihn auch in absehbarer Zeit zu einem größeren Klub katapultieren könnte. Vorausgesetzt, er dreht weiter an den richtigen Schrauben.

Bruno Hübner im Steckbrief

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