Die Elf der Vergessenen

Von Daniel Börlein
Zusammen bringt es die Elf der Vergessenen in dieser Saison auf 41 Minuten Einsatzzeit
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Florian Kringe (Borussia Dortmund): Auf der Jahreshauptversammlung 2007 war es aus Sicht der BVB-Fans die mit Abstand beste Nachricht: Obwohl die Borussia sportlich wie wirtschaftlich schwach daher kam, erklärte Florian Kringe unter tosendem Applaus, seinen Vertrag in Dortmund vorzeitig zu verlängern. Der 29-Jährige war damals im Mittelfeld gesetzt und bei den Fans zu einer echten Identifikationsfigur geworden. Vier Jahre, zwei Mittelfußbrüche und ein Ausleihgeschäft später hat sich Kringes Situation drastisch verändert. Dank seiner Vertragsunterzeichnung von damals ist er zwar noch immer einer der Besser-Verdiener beim BVB, von Trainer Jürgen Klopp wie von den Fans wird er allerdings überhaupt nicht mehr wahrgenommen. Fünf Spiele absolvierte er in den letzten zwei Spielzeiten für die 2. Mannschaft, bei den Profis kam er seit Mai 2009 gar nicht mehr zum Einsatz. Ende der Saison läuft sein Vertrag aus. Der gefeierte Held von 2007 wird den Verein dann verlassen. Mehr als eine Randnotiz wird diese Nachricht dann allerdings nicht mehr sein.

Romeo Castelen (Hamburger SV): Man mag es kaum glauben, aber Romeo Castelen ist mittlerweile in seiner fünften Saison als HSV-Profi. Der Niederländer kam 2007 von Feyenoord Rotterdam und mit der Empfehlung einer der besten Flügelspieler der Eredivisie gewesen zu sein. In Hamburg wartet man auf die Bestätigung noch heute. Nur 17 Bundesliga-Spiele bestritt der 28-Jährige bislang nur, weil sein Körper nicht mitspielte, wie er sollte. Immer wieder warfen ihn Knieprobleme zurück. Immerhin stand Castelen Ende September/Anfang Oktober zweimal auf dem Platz. Zuletzt musste Coach Thorsten Fink allerdings verkünden, was schon viele HSV-Trainer vor ihm verkündet hatten: "Sein Knie macht Probleme, deshalb kann er nicht voll trainieren." Vier Knie-Operationen hatte Castelen in gut vier Jahren Hamburg bereits. Eine Bilanz zum Vergessen.

Johan Audel (VfB Stuttgart): An seine Zeit in Valenciennes denkt Johan Audel gerne zurück. In seinem ersten Spiel für die Nordfranzosen gelang ihm gleich mal ein Hattrick, und in insgesamt drei Spielzeiten traf der 27-Jährige 23 Mal. Im Sommer 2010 wechselte der Franzose dann für eine durchaus üppige Ablösesumme (kolportierte 2,5 Mio.) zum VfB - und hat seitdem das Pech an den Stiefeln kleben. Nur zwei Wochen nach seinem Wechsel musste er sich einer Knöchel-OP unterziehen. Wieder genesen warf ihn eine Sprunggelenksverletzung zurück. Und als er diese auskuriert hatte, riss er sich im Dezember 2010 das Kreuzband. Mit den Folgen hat Audel noch heute zu kämpfen. Zur Rückrunde will der Linksaußen wieder angreifen - um endlich auch in Stuttgart Dinge zu erleben, an die er später gerne zurück denkt.

Thomas Kahlenberg (VfL Wolfsburg): Im Mai dieses Jahres, genauer am letzten Spieltag der vergangenen Saison, genoss Thomas Kahlenberg noch das volle Vertrauen von Felix Magath. Wolfsburgs Coach stellte den Dänen beim Spiel in Hoffenheim, in dem es für die Wölfe um den Klassenerhalt ging, in die Startelf. Kahlenberg setzte zwar keine Glanzpunkte, leistete aber dennoch seinen Beitrag zum 3:1-Erfolg und dem damit verbundenen Nichtabstieg. Nur ein paar Wochen später hatte Kahlenberg seinen Kredit bei Magath verspielt. Wolfsburgs Boss wollte den Mittelfeldspieler los werden - und der die Niedersachsen auch möglichst schnell verlassen. Weil sich das Interesse von Klubs aus England, Frankreich und der Türkei allerdings nicht konkretisierte, musste der 28-Jährige bleiben - und wurde zwischenzeitlich sogar in die 2. Mannschaft verbannt. Momentan ist Kahlenberg verletzt. Die Chancen auf Besserung seiner Situation stehen allerdings auch nach seiner Rückkehr schlecht. Wobei es bei Magath ja auch mal schnell gehen kann.

Alexandru Ionita (1. FC Köln): Seit der FC Lukas Podolski für viel Geld vom FC Bayern zurückholte, schnallt man den Gürtel in Köln ein bisschen enger. Im Sommer 2010 griffen die Rheinländer allerdings für ihre Verhältnisse mal wieder tief in die Tasche. Für 1,5 Millionen Euro verpflichtete man Alexandru Ionita, der in der Saison zuvor zehn Treffer für Rapid Bukarest erzielt hatte und als eines der größten rumänischen Offensiv-Talente galt. Gezeigt hat der 22-Jährige davon in Köln allerdings noch nichts. In seiner ersten Saison kam der Rumäne auf insgesamt 89 Bundesliga-Minuten, in dieser Spielzeit wartet er noch auf seinen ersten Einsatz. Den wird's so schnell wohl aber nicht geben. "Ionita hat derzeit im Training kein Bundesliga-Niveau", sagte Coach Stale Solbakken vor kurzem. Obwohl beim FC wegen Milivoje Novakovics Verletzung Bedarf im Sturm wäre, stand Ionita zuletzt nicht mal im Kader. Im Winter soll er nun ausgeliehen werden. "Natürlich würde ich gehen", sagt er selbst.

Kisho Yano (SC Freiburg): In Freiburg weiß man, dass Papiss Demba Cisse den Klub irgendwann verlassen wird. Und deshalb fahndet man schon seit langem nach einem geeigneten Nachfolger. Kisho Yano galt auch mal als Kandidat. Doch daran, dass der Japaner beim SC noch groß raus kommt, glaubt inzwischen niemand mehr. In der letzten Saison, seiner ersten in Deutschland, kam der Angreifer unter Robin Dutt noch zu beachtlichen 15 Einsätzen. Bei Marcus Sorg spielt Yano allerdings überhaupt keine Rolle mehr und wartet noch immer auf seine erste Chance. Doch meist stand der 27-Jährige noch nicht mal im Kader. Im Sommer läuft Yanos Vertrag aus. Spätestens dann wird das Kapitel Freiburg für ihn beendet sein. Und die SC-Suche nach dem Cisse-Nachfolger geht weiter...

Teil 1: Sippel bis Boenisch

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