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Fussball

Affären, Skandale, Tragödien

Von SPOX
DFB-Präsident Dr. Theo Zwanziger (r.) und Generalsekretär Wolfgang Niersbach
© Getty


September 2011: Hannover-Torhüter Markus Miller ist schwer erkrankt. "Wegen meiner mentalen Erschöpfung werde ich mich ab sofort stationär behandeln lassen", sagt er Anfang September. Unweigerlich weckt die Entwicklung um Miller Erinnerungen an die Enke-Tragödie.

Drei Wochen später brennt im Münchener Vorort Grünwald die Villa von Bayern-Spieler Breno aus. Die Staatsanwaltschaft München I nimmt wenige Tage danach Ermittlungen gegen den brasilianischen Abwehrspieler wegen schwerer Brandstiftung auf.

Breno kommt in Untersuchungshaft, Uli Hoeneß wettert. "So, wie sich die Münchner Staatsanwaltschaft aufführt, das ist Wahnsinn. Das ist ein Ding der Unmöglichkeit, den Jungen ins Gefängnis zu stecken. Wir sind vollkommen vor den Kopf gestoßen. So etwas Unglaubliches habe ich schon lange nicht mehr gehört. Gute Nacht, Deutschland, wenn das unser Land ist."

Anfang Oktober wird Breno gegen strenge Auflagen und Hinterlegung einer Kaution nach zwölf Tagen entlassen.

Ralf Rangnick tritt am 22. September als Schalke-Trainer zurück. Der Grund: Vegetatives Erschöpfungssyndrom. "Nach langer und reiflicher Überlegung bin ich zum Entschluss gekommen, dass ich eine Pause brauche. Die Entscheidung so zu treffen, ist mir unheimlich schwer gefallen. Doch mein derzeitiger Energielevel reicht nicht aus, um erfolgreich zu sein und insbesondere die Mannschaft und den Verein in ihrer sportlichen Entwicklung voranzubringen", lässt Rangnick erklären.

Rangnicks Rücktritt ist ein Novum in der Bundesligageschichte. "Ich habe alle Hochachtung vor Ralf Rangnick. Wir werden das schweren Herzens akzeptieren und an seiner Seite bleiben. Und alles das tun, was wir tun können", sagt Sportdirektor Horst Heldt.

Oktober 2011: Martin Fenin wird schwer verletzt auf dem Vordach eines Hotels gefunden. Der Tscheche leidet unter Depressionen, erklärt danach: "Das Gefühl der Resignation, der Einsamkeit mit Depressionsschüben begleitet mich schon seit mehreren Monaten. Die vorübergehende Flucht in Medikamente und Suchtmittel verschlimmerten diesen Zustand."

Auch Offenbach-Manager Michael Sternkopf gibt wenige Tage später zu: "Ich bin nicht mehr in der Lage, meinen Job auszuüben." Der 41-Jährige leidet am Burnout-Syndrom.

Wegen des Verdachts der Steuerhinterziehung von 20 Schiedsrichtern durchsucht die Polizei die DFB-Geschäftsräume, die Behörden gehen dabei Hinweisen von Manfred Amerell nach. "Es gibt keinerlei Vorwürfe gegen den DFB", wird Generalsekretär Niersbach zitiert. "Wir werden die Steuerbeamten bei den Ermittlungen selbstverständlich mit all unseren Möglichkeiten unterstützen."

Der DFB befragt Anfang November 49 Unparteiische der ersten und zweiten Liga. 42 davon hätten angegeben, nichts mit den Anschuldigungen der Steuerhinterziehung zu tun zu haben. "Die korrekte Versteuerung seiner Einnahmen obliegt jedem Schiedsrichter selbst", nimmt sich der DFB schnell aus der Verantwortung.

Zwanziger rudert nach den Gesprächen mit den Schiedsrichtern etwas zurück. "Ganz privat ist das nicht." Eine Krise beim DFB sieht der Präsident nicht. "Wir werden nächstes Jahr Europameister. Ich mache mir doch keine Sorgen um den Verband."

Im Gegenteil, den Hinweis Amerells nehme der DFB gerne auf. "Ich bin da überhaupt nicht böse. Wenn er uns hilft, die Dinge in zu Ordnung bringen, dann klären wir das auf. Ich bin nicht der Feind von Herrn Amerell, ich verfolge ihn auch nicht."

Wenige Tage zuvor hatte Zwanziger den Machtkampf gegen Rainer Koch gewonnen. Der hatte sich im Fall Amerell zu einem Alleingang entschlossen, sich mit Amerell zu einem Gespräch getroffen - ohne Zwanziger davon in Kenntnis zu setzen.

Zwanziger bestellte seinen Vizepräsidenten daraufhin zum Rapport. Ergebnis: Der gelernte Jurist Koch muss seine Zuständigkeit für "Rechts- und Satzungsfragen" an Rolf Hocke abgeben. Koch übernimmt dafür dessen Aufgabenbereich "Prävention, Integration, Freizeit- und Breitensport".

"Mit Blick auf den zeitlichen Zusammenhang der Durchsuchungsmaßnahmen der Steuerfahndung und seinem Zusammentreffen mit Manfred Amerell bedauert Rainer Koch, dass er den DFB-Präsidenten nicht unmittelbar und noch am gleichen Tag über dieses Gespräch informiert hat", heißt es in der DFB-Mitteilung. "Er entschuldigt sich für dieses Versäumnis."

Bei den DFB-Pokalspielen Dortmund gegen Dresden und Frankfurt gegen Kaiserslautern kommt es zu teilweise schweren Ausschreitungen.

In Dortmund verursachen Dynamo-Fans beinahe einen Spielabbruch und einen Schaden von 100.000 Euro. "Wir haben uns unser Image deutschlandweit versaut, das muss man so sagen", sagt Präsident Andreas Ritter.

In Frankfurt kommt es außerhalb und im Stadion zu Ausschreitungen, bei denen mehrere Polizisten und Ordner verletzt werden. Der DFB greift durch und fordert einen Ausschluss von Dynamo Dresden am Pokalwettbewerb 2012/13.

Beim Sicherheitsgipfel Mitte November gründen DFB, DFL und das Bundesinnenministerium die "Task Force Sicherheit".

In Magdeburg bekommt FCM-Kapitän Daniel Bauer von den eigenen Fans Morddrohungen. Zehn vermummte Männer klingeln an Bauers Wohnungstür. "Wir wissen jetzt wo du wohnst, wenn ihr auch am Sonntag gegen Halle nicht gewinnt, kommen wir und packen dich", soll die Drohung lauten.

Bauer taucht in Koblenz unter, bittet dann Anfang November um die Auflösung seines Vertrags in Magdeburg.

November 2011: Der Hamburger Paolo Guerrero ist der nächste, der (frühere) Depressionen publik macht.

Der Peruaner fiel nach eigenen Angaben nach einer Kreuzbandverletzung 2009 in ein Loch, konnte wochenlang nicht mehr aus einem Heimaturlaub aus Peru nach Hamburg zurückkehren. Der HSV sprach damals immer von Flugangst.

Am 19. November begeht Bundesliga-Schiedsrichter Babak Rafati in einem Kölner Hotel einen Selbstmordversuch. Die Motive sind unklar, es werden "Notizen" gefunden, wie DFB-Präsident Zwanziger auf einer Pressekonferenz sagt. "Es ist erschreckend, dass ein Mensch in der Mitte seines Lebens so ausweglos denkt", so Zwanziger weiter.

"Der Druck auf die Schiedsrichter, überhaupt im Leistungssport, ist aus unterschiedlichen Gründen unheimlich hoch. Und wir schaffen es einfach nicht, dies in eine richtige Balance zu bringen. Man darf sich nicht in eine Sache so stark hineinbewegen, dass man am Schluss in eine ausweglose Situation gerät."

Die Tabelle der Bundesliga

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