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Fussball

Jarolim: "Bei uns brennt der Baum"

Von Für SPOX in der Allianz Arena: Stefan Moser
David Jarolim (l.) und Michael Oenning: Frust nach der 0:5-Niederlage des Hamburger SV in München
© Getty

Sein erstes Saisonspiel von Anfang an hatte sich David Jarolim sicher anders vorgestellt. Doch der 32-Jährige ging am Samstag mit dem Hamburger SV mit 0:5 bei Bayern München unter. Nach der Partie sprach Jarolim über unerklärliche Ängste, fehlende Disziplin und den drohenden Abstiegskampf.

Frage: David Jarolim, die Münchener Kurve hat während des Spiels gesungen: 'Gegen Bayern kann man mal verlieren.' Die Art und Weise aber war erschreckend...

David Jarolim: Nach so einem Spiel ist es schwer, überhaupt etwas zu sagen. Wir haben völlig verdient verloren und können noch froh sein, dass wir nur fünf Tore bekommen haben. Natürlich kann man in Dortmund und München verlieren, aber nicht auf diese Art und Weise. Wir müssen anders Fußball spielen. So geht es nicht.

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Frage: Haben Sie eine Erklärung für die Leistung?

Jarolim: Ich hatte das Gefühl, dass wir Angst hatten. Aber ich weiß nicht, wovor: Für mich ist das unerklärlich. Vor ein, zwei Jahren hatten die Bayern auch mal Respekt vor uns, aber das ist im Moment überhaupt nicht der Fall. So wird es ganz schwer für uns.

Frage: Ernüchternd war auch, dass die Mannschaft kein erkennbares Konzept zeigte: Es war von Anfang an kein Plan, keine echte Spielidee gegen die Bayern zu sehen.

Jarolim: Wir wollten eine bestimmte Spielweise zeigen, kompakt stehen und ruhig im Spielaufbau agieren. Darauf haben wir uns vorbereitet - aber dann war davon überhaupt nichts zu sehen. Wir waren zu ängstlich, zu weit weg vom Gegner, haben auch keine Zweikämpfe gewonnen. Und dann wird es eben schwer, vor allem wenn man nach ein paar Minuten schon hinten liegt.

Frage: Warum hat die Mannschaft die Vorgaben nicht umgesetzt?

Jarolim: Wir haben während der Woche besprochen, was wir besser machen müssen. Aber das haben wir nicht gemacht. Das wichtigste ist, wie man die Dinge im Spiel umsetzt. Wie uns das in Zukunft gelingt, kann ich unmittelbar nach einem 0:5 auch nicht sagen. Fakt ist: Die Spielweise, die wir während der Woche trainiert und vorbereitet haben, haben wir überhaupt nicht gezeigt. Für mich ist es unerklärlich, warum wir hier solche Angst hatten.

Frage: War die taktische Umstellung auf eine tief stehende Viererkette im Mittelfeld im Nachhinein betrachtet zu passiv - oder eben zu ängstlich?

Jarolim: Wenn man so schlecht spielt wie wir heute, kann man mit drei, vier oder fünf Leuten im Mittelfeld auflaufen, das spielt keine Rolle mehr. Aber wir haben dieses System während der Woche eigentlich gut trainiert. Nur im Spiel haben wir uns dann versteckt und hatten keine Anspielstationen. So kann man nicht Fußball spielen - und auch niemanden schlagen. Egal mit welcher Taktik.

Frage: Haben Sie als erfahrener Spieler in der Halbzeit versucht, auf Ihre Mitspieler einzuwirken?

Jarolim: Was kann ich machen? Dafür ist der Trainer da. Wir haben in der Halbzeit auch Dinge angesprochen, aber die wurden wieder nicht umgesetzt. Wir wollten in der zweiten Halbzeit nicht verrückt nach vorne spielen, um nicht aufzumachen. Das ist trotzdem teilweise passiert und wir haben weitere Tore kassiert. Da geht es auch um Disziplin. Und die hat auf dem Platz gefehlt. Man muss die Dinge umsetzen, man kann nicht auf den Platz gehen und machen, was man will.

Frage: Trotz des denkbar schweren Auftaktprogramms: Muss sich der HSV nun erstmal auf Abstiegskampf einstellen?

Jarolim: Schwer zu sagen. Festhalten kann man, dass keines unserer drei Spiele bisher gut war. Wir hatten schwere Gegner, das wissen wir. Aber trotzdem dürfen wir mit Sicherheit nicht auf diese Art und Weise verlieren. Das war einfach zu wenig. Und wir müssen aufpassen, dass der Zug nicht ohne uns abfährt. Wir müssen jetzt Punkte holen.

Frage: Damit steigt der Druck logischerweise auch für das nächste Spiel zuhause gegen Köln...

Jarolim: Köln wird mit Sicherheit ein richtungsweisendes Spiel für uns. Bei uns brennt schon der Baum - und wir müssen alles dafür tun, dass wir zuhause gewinnen. Wenn man nach drei Spielen nur einen Punkt hat, muss man dazu nicht mehr sagen.

David Jarolim im Steckbrief

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