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Fussball

Subotic: "England ist mein ultimativer Traum"

Von Interview: Jochen Tittmar
Neven Subotic wird in der kommenden Saison wieder Stammspieler in der BVB-Innenverteidigung sein
© Getty

Neven Subotic verpasst seit drei Spielzeiten fast kein Spiel beim deutschen Meister Borussia Dortmund. Der Innenverteidiger spricht im Interview über seine Wohnmobil-Reisen, die Lust am Laufen und seinen weiteren Karriereplan.

SPOX: Herr Subotic, Sie waren im Urlaub wieder mit dem Wohnmobil unterwegs. Wie weit sind die Planungen für den nächsten Trip im Winter?

Neven Subotic: Die stehen bei Null. Daran kann ich gerade keinen Gedanken verschwenden. Wir haben nun fünf Monate Fußball vor uns. Ich glaube, da darf ich nicht schon wieder an Urlaub denken.(lacht)

SPOX: Ihre bisherigen Fahrten scheinen Ihnen aber sehr gefallen zu haben.

Subotic: Total. Die drei Freunde, die bisher mitkamen, bekomme ich nur ganz selten zu Gesicht. Wir waren im Winter in Holland und Deutschland, jetzt ging es in den Süden nach Zürich, Venedig und auf die kroatische Insel Pag. Es ist richtig geil, diese Freiheit genießen zu können.

SPOX: Die Freiheit währte aber nur kurz: Nach drei Wochen Urlaub ging es schon wieder mit der Vorbereitung auf die neue Saison los. Roman Weidenfeller meinte, dass er sich ein wenig ärgert, weil die Zeit nach der Meisterschaft so schnell vorüber ging.

Subotic: Ich kann Roman verstehen, aber wir konnten in meinen Augen schon genug genießen. Wir waren ja bereits zwei Wochen vor Saisonschluss Meister. In dieser Zeit und der Woche nach dem letzten Spieltag haben wir es ordentlich krachen lassen und es extrem genossen. Aber jetzt ist es auch gut. Es ist schön, wieder ein neues Ziel vor Augen zu haben.

SPOX: In zwei Ihrer drei Urlaubswochen war bereits wieder Disziplin gefragt: Sie mussten ein individuelles Trainingsprogramm absolvieren. Woraus bestand das?

Subotic: Aus Laufen, also Intervall- und Langläufe. Bei den Intervallläufen läuft man sechs Mal drei Minuten in einem Tempo, das man selbst aussuchen kann. Die Langläufe gehen über 40, 50 Minuten. Jeder pusht sich da dann so stark, wie er es für richtig hält. Viele scheinen es wohl bis zum Limit ausgereizt zu haben, sonst hätten wir nicht alle so glänzende Laktatwerte.

SPOX: Daher gab es dann auch kein Lauftrainingslager?

Subotic: Genau. Ich denke, ich spreche im Namen der Mannschaft, wenn ich an dieser Stelle Jürgen Klopp dafür danke, dass er uns vertraut hat und wir nicht im Training die gesamte Konditionsarbeit zu erledigen hatten.

Impressionen aus dem BVB-Trainingslager - auf MANschaftsbus.de

SPOX: Welchen Trainingsschwerpunkt hat Klopp diesmal gelegt?

Subotic: Der Schwerpunkt ist im Grunde immer derselbe: Viel zu laufen ohne es zu merken. Jeder hat Bock auf den Ball. So lange du einem Fußballspieler einen Ball gibst und am besten noch ein Tor hinstellst, auf das er schießen kann, hat er Lust am Laufen. Das wird kombiniert mit den Übungen zum Pressing, das wir spielen und auch weiter verfeinern wollen. Das ist sozusagen die BVB-Taktik, daran hat sich nichts geändert.

SPOX: Denken Sie, dass sich die Gegner auf diese Taktik besser einstellen werden oder ist sie weiterhin stark genug?

Subotic: Man muss sich nur Barcelona anschauen: Die spielen auch extremes Offensiv-Pressing, da kannst du dich darauf einstellen wie du willst. Da hat man quasi fast keine Chance. Wenn es kaum möglich ist, einen Pass an den Mann zu bringen und man dazu noch bei Ballbesitz unter Druck gesetzt wird, lässt sich das beinahe nicht lösen.

SPOX: Fraglich ist derzeit noch, welches Personal diese Taktik umsetzen darf. Der Konkurrenzkampf beim BVB tobt. Wäre Jürgen Klopp aber nicht bescheuert, wenn er an dem, was zuletzt so gut funktioniert hat, vieles ändern würde?

Subotic: Das klingt zwar plausibel, ich sehe das aber letztlich viel nüchterner: Egal, was der Trainer macht - wenn er damit Erfolg hat, war es vollkommen richtig. Das stellt man natürlich erst später fest. Deshalb muss ihm jeder Spieler vertrauen. Er hat das Wissen, wir haben das Können und den Willen. Wir glauben an das, was er uns vorgibt und versuchen, es eins zu eins umzusetzen. Wer das am besten schafft, spielt. Ganz einfach.

SPOX: Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke sagt, die Borussia wäre nicht der klassische Titelverteidiger. Als Saisonziel wurde ein internationaler Platz ausgegeben. Unter welchen Umständen wären Sie mit Platz sechs, der ja nächste Saison auch dazu zählt, zufrieden?

Subotic: Wenn jeder sagen kann, dass es eine gute Saison war, weil wir größtenteils gut gespielt und immer alles gegeben haben. Einen Sonntagsschuss oder eine Fehlentscheidung des Schiedsrichters kann niemand verhindern. So etwas kann immer Punkte kosten. Mal mehr, mal weniger.

SPOX: Teilen Sie Watzkes Einschätzung überhaupt?

Subotic: Ja. Von uns hatte keiner die Meisterschaft erwartet. Warum sollte der Überraschungsmeister also im Folgejahr erneut Überraschungsmeister werden? Wir haben ja jetzt auch keine Hochkaräter auf Weltklasseniveau für 15 oder 20 Millionen Euro geholt.

SPOX: Stuttgart 2007 und Wolfsburg 2009 waren auch überraschende Titelträger, in der Saison darauf folgte jedoch der Absturz. Welche Gefahren birgt diese Meisterschaft aus Ihrer Sicht?

Subotic: Ich habe den Eindruck, dass sich noch nie jemand aus Stuttgart oder Wolfsburg dazu geäußert und plausibel erklärt hat, wo genau das Problem dort lag. Es können Kleinigkeiten gewesen sein, aus denen ein größeres Problem entstanden ist. Ich weiß es nicht. Uns ist das Schicksal dieser Teams jedenfalls absolut bewusst.

SPOX: Und?

Subotic: In unserer Mannschaft sehe ich keinen, der plötzlich ein Prozent weniger gibt. Daher gibt es aktuell keinerlei Probleme. Wenn die Liga läuft, kann sich das eventuell ändern. Der Zusammenhalt in unserem Team ist aber weiterhin so groß, dass uns nichts aus der Ruhe bringen kann. Wir wissen, dass Gefahrenherde auftreten können, das reicht erstmal (lacht). Wir suchen jetzt aber nichts, wo nichts ist.

SPOX: Dennoch rechnen viele damit, dass der BVB nicht mehr so stark spielen wird wie in der Vorsaison. Die häufigste Begründung: Die Belastung der Champions League und Nuri Sahins Abgang. Ist diese Argumentation für Sie nachvollziehbar?

Subotic: Die Zeitungen müssen halt irgendetwas schreiben, damit sich die Dinger verkaufen. Und die bessere Schlagzeile ist eben, unseren Einbruch herauf zu beschwören, anstatt davon auszugehen, dass wir weiter auf einem ähnlichen Niveau kicken werden. Das sind alles nur Meinungen. Am Ende wird immer jemand Recht behalten. Ich sehe das vollkommen entspannt.

SPOX: Sahins Wechsel wurde kontrovers diskutiert, einige pfiffen ihn bei der Verabschiedung am letzten Spieltag auch aus. Kevin Großkreutz meinte zudem erst kürzlich, dass der Profifußball ein Glaubwürdigkeitsproblem habe und es zuviel Heuchelei gebe. Wie stehen Sie dazu?

Subotic: Natürlich gibt es Heuchelei. Wenn ein Spieler zwei Tage nach seinem Wechsel gleich das Emblem seines Vereins küsst, muss er das mit sich selbst ausmachen. Jeder soll sein Ding durchziehen. Wir sind alle Arbeiter, Fußballspielen ist unser Job. Wenn jemand seinen Arbeitsplatz liebt, ist es vollkommen in Ordnung. Manche Leute nehmen das aber auch zu ernst und verbinden das gleich mit einer ewigen Treue.

SPOX: Würden Sie zum FC Schalke 04 wechseln?

Subotic: Ich mache den Spielern, die als Dortmunder in die verbotene Stadt gewechselt sind oder in Zukunft noch wechseln werden, keinen Vorwurf. Ich für mich schließe das aber aus, ich könnte das nicht.

SPOX: Was könnten Sie dann?

Subotic: Mein ultimativer Traum ist, einmal in England zu spielen. Bis es soweit ist, plane ich, beim BVB zu bleiben. Ich bin hier glücklich.

SPOX: Mats Hummels würde angeblich nachdenken, wenn ein Klub aus den europäischen Top 5 anklopft. Wann würden Sie ins Grübeln kommen?

Subotic: Keine Ahnung. Ich will das machen, wenn die Zeit dazu gekommen ist und nicht wechseln, um anderswo auf der Bank zu sitzen. Daher warte ich meine Entwicklung weiter ab, damit ich bei einem neuen, größeren Verein eine faire Chance hätte. Nuri Sahin hat das für mich daher genau richtig gemacht.

Neven Subotic im Steckbrief

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