"Es tut mir leid, aber die haben keine Ahnung"

Von Interview: Jörn Duddeck
Freute sich wohl wie kein Zweiter über die Meisterschale: Kevin Großkreutz
© Getty

Von der steilen Karriere, die Kevin Großkreutz hingelegt hat, träumen nicht wenige Dortmund-Anhänger. Vor kurzem stand er noch als Fan mit seinen Kumpels auf der Südtribüne, nun hält er selbst die Schale in den Händen. Im Interview spricht der 22-Jährige über die gigantische Dortmunder Meisterfete, die Gegner in der Champions League, Kritik an Nuri Sahins Wechsel und den Abschied seines Idols Dede.

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SPOX: Kevin Großkreutz, wie haben Sie als waschechter Dortmunder die letzten Tage erlebt? Fast eine halbe Million Menschen haben die Borussia gefeiert.

Kevin Großkreutz: Das gibt es nur einmal in Deutschland, und das ist in Dortmund. So etwas bekommt sonst keiner auf die Beine.

SPOX: Es konnten längst nicht alle Fan-Wünsche erfüllt werden. So sollte zum Beispiel noch eine große Ehrenrunde auf der Autobahn B1 stattfinden. Daraus wurde aber wegen des riesigen Andrangs nichts.

Großkreutz: Ich glaube schon, dass wir alle zufrieden stellen konnten. Die Leute identifizieren sich voll mit uns und sehen, dass wir stets für die Fans da sind, immer freundlich sind und Autogramme geben.

SPOX: Als BVB-Fan haben Sie schon die eine oder andere Meisterschaftsfeier miterlebt. Hätten Sie sich das vor zwei bis drei Jahren schon vorstellen können?

Großkreutz: Natürlich konnte man damit nicht rechnen. Vor kurzem stand ich noch selber auf der Tribüne und habe für Ahlen in der 2. und in der 3. Liga gespielt. Damals hätte ich nicht daran geglaubt, mal Deutscher Meister zu werden. Dass ich das dann noch mit meinem Verein geschafft habe, ist umso schöner.

SPOX: Kommt Ihnen die Sommerpause gelegen, oder hätten Sie gerne direkt weitergespielt?

Großkreutz: Wir benötigen die Sommerpause schon, um etwas Kraft zu tanken. Schließlich wollen wir in der Champions League und in der Meisterschaft wieder angreifen.

SPOX: Der Verein hat in der Vergangenheit stets den Druck von der Mannschaft genommen, indem vor der Saison keine konkrete Platzierung als Ziel ausgegeben wurde. Wie geht man mit der erhöhten Erwartungshaltung um, die in Zukunft herrschen wird?

Großkreutz: Druck haben wir immer. Das war auch vor der Saison so. Die Fans wissen, dass wir alles geben, und das ist auch das Wichtigste. Ich verspreche, dass wir auch in der kommenden Spielzeit wieder alles abrufen. Dann sind die Anhänger auch erst mal zufrieden.

SPOX: Nun warten in der Champions League interessante Mannschaften. Gibt es schon einen Gegner, auf den Sie sich besonders freuen?

Großkreutz: Am liebsten spiele ich immer da, wo die beste Stimmung herrscht. Daher spiele ich am liebsten in Neapel, Liverpool oder gegen Celtic Glasgow. Liverpool ist ja leider nicht qualifiziert. Deswegen freue ich mich besonders auf Manchester United.

SPOX: Wer die Europa-League-Spiele des BVB verfolgt hat, der konnte den Eindruck gewinnen, dass es auf internationaler Ebene noch ein wenig an der Cleverness fehlt. Wie will die Mannschaft das gegen Vereine wie Real oder Manchester abstellen, zumal man ja in solchen Begegnungen nicht so forsch auftreten kann wie in der Bundesliga?

Großkreutz: Was heißt "Cleverness gefehlt"? Wir haben in allen Partien dominiert und sogar Sevilla mit zehn Mann an die Wand gespielt. Leider haben wir 1:0 verloren, weil wir die Tore nicht gemacht haben. Ich glaube aber, dass das auch zurückkommt und wir eine gute Rolle spielen werden.

SPOX: In Zukunft wird Dortmund ohne Nuri Sahin auskommen müssen. Wie sehr bedauern Sie seinen Weggang zu Real Madrid?

Großkreutz: Ich verstehe ihn vollkommen. Nuri hat alles richtig gemacht. Schließlich muss er auch seine Perspektiven sehen, wenn so ein Angebot kommt. Ich kenne ihn jetzt schon acht Jahre und kann nur sagen, dass er menschlich überragend ist. Das wissen auch die Dortmund-Fans. Er wird den BVB hoffentlich würdig in Madrid vertreten und auch Stammspieler werden.

SPOX: Haben Sie dennoch ein wenig Verständnis für die Enttäuschung einiger Anhänger?

Großkreutz: Ich denke nicht, dass es viele Fans gibt, die sauer sind. Verärgert sind vielleicht User im Forum. Es tut mir leid, aber die haben keine Ahnung. Die richtigen Fans wissen, dass sie Nuri viel zu verdanken haben.

SPOX: Ihr großes Vorbild Dede wird den Verein ebenfalls verlassen. Wie sehr schmerzt Sie das?

Großkreutz: Zu Dede kann ich nicht mehr viel sagen. Menschlich ist er top. Ich werde ihn immer im Herzen haben. Wir fliegen am 9. Juni zusammen nach Brasilien und werden danach weiter in Kontakt bleiben.

SPOX: Möglicherweise spielen Sie in der kommenden Saison gegeneinander. Gerüchteweise sollen Hertha BSC und der VfL Bochum an ihm interessiert sein.

Großkreutz: Es wäre etwas traurig, wenn er in der Bundesliga mit einem anderen Trikot rumläuft. Auf der anderen Seite fände ich es geil, nochmal gegen ihn zu spielen. Wenn er zu einem anderen Verein gehen sollte, dann freue ich mich für ihn.

Kevin Großkreutz im Steckbrief