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Fussball

Realitätsverlust in Stuttgart

Von Stefan Rommel
Der Keller-Effekt ist verpufft: Der VfB Stuttgart ist Tabellen-16. der Bundesliga
© Getty

Der VfB Stuttgart hat sich im dritten Spiel unter Jens Keller schwächer denn je präsentiert. Die Wirkung des Trainerwechsels scheint verpufft zu sein. Aber auch die Vereinsführung trägt große Schuld an der Talfahrt.

KOMMENTARDer VfB Stuttgart hat gegen Wolfsburg wie ein Abstiegskandidat gespielt. Wenn man ein Lehrvideo machen wollte, wie ein zusammengewürftelter Haufen mit dem Decknamen Mannschaft nichts an seinem Schicksal ändern will: Bitteschön.

Geredet haben die Schwaben aber nicht wie ein Abstiegskandidat. Sondern wie ein Klub, der zufällig eine kleine Schwächephase durchläuft. Und Trainer Jens Keller hat geredet, als hätte er ein anderes Spiel gesehen.

Nach einer minimalen Leistungssteigerung im Anschluss an Christian Gross' Entlassung ist der Effekt des Trainerwechsels längst wieder verpufft. Im Gegenteil präsentierte sich die Mannschaft zuletzt - auch bei den beiden Siegen gegen St. Pauli und vor allem beim Viertligisten Chemnitz - in einem mitunter katastrophalen Zustand.

Keller wurde ins Amt geholfen, weil man Gross keine Lösungsansätze mehr zutraute. Im Umkehrschluss heißt das: Keller hat Lösungsansätze. Vermutlich hat er sie aber mittlerweile wieder vergessen.

Schmeichelndes Resultat

Nach dem Debakel von Wolfsburg, welches nur deshalb nicht auch in Zahlen Niederschlag fand, weil der VfL zu schlampig mit seinen Chancen umgegangen war, von einer guten ersten Halbzeit zu sprechen, war schon sehr weit entfernt von der Realität.

Nur ein paar Sekunden später erinnerte der Trainer dann aber sogar fast an den unbedarften Thomas Hörster, der sein Bayer Leverkusen vor einigen Jahren ein paar Spieltage vor Saisonschluss in völliger Hilflosigkeit als nicht mehr zu retten einstufte.

"Wir konnten nach vorne nicht so viel Druck machen, weil wir am Donnerstag ein schweres Spiel über 120 Minuten in Chemnitz zu absolvieren hatten." Man weiß nicht genau, was Keller geritten hat, so unreflektiert und naiv zu antworten.

Eigentlich hätte er aus seinem Ausrutscher bei der Eröffnungs-Pressekonferenz lernen sollen, als er markig kundtat, der alte Trainer habe nicht auf seine Ratschläge gehört, was wolle man da noch machen?

Kein Konzept vorhanden

Die verbalen Aussetzer des Cheftrainers stehen derzeit aber lediglich sinnbildlich für einen Klub, der von einer Verlegenheit in die nächste stolpert - ohne erkennbares Konzept, ohne Linie und fatalerweise offenbar auch unfähig dazu, den Ernst der Lage zu begreifen. Von der Mannschaft bis hinauf zu den Gremien.

Es steht nicht gut um den VfB. Der Stadionumbau verschlingt viel Geld, also kann nicht in die Mannschaft investiert werden. Die dilettiert aber meist nur so vor sich hin. Das Image ist schwer angekratzt, in etliche Fragmente zerbrochen liegt der Verein da.

Derzeit stellt sich wohl eher nicht die Frage: Welcher Trainer könnte den Karren aus dem Dreck ziehen? Sondern vielmehr: Wer würde überhaupt zum VfB Stuttgart wollen?

Auf allen Ebenen stehen die Führungsfiguren in der Kritik, seit einigen Tagen äußert sich aber niemand mehr zur misslichen Lage. Offenbar vertrauen alle wieder auf die schon obligatorisch starke Rückrunde - es riecht dabei aber nach einem fatalen Trugschluss. Hertha BSC sollte eigentlich warnendes Beispiel genug sein.

Jens Keller: "Wolfsburg war nicht viel besser als wir"

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