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Fussball

Brüste

Von Stefan Moser
Vom DSF lernen, heißt siegen lernen: Weil die AL auch schon mal besser war, probieren wir's halt so
© Imago

Weil auch unser Heiland einst als Torhüter von Barfuss Bethlehem von einer Jux-Reise aus Amerika zurückkam und dann hinterrücks mit einem Messer ermordet wurde, verglich sich Faryd Mondragon mal eben kurz mit Jesus. Ungestraft durfte der Kölner so was sagen! Während wir hier rigoros zensiert werden! Aber sehen Sie selbst: Die Alternative Liste des 9. Spieltags.

1. Ja, wat denn nu?! Um 10 Uhr musste der arme Zvonimir Soldo noch öffentlich das Training leiten, um 12.30 Uhr sogar im "Doppelpass" palavern, um 14.30 Uhr war er dann zum ersten Mal gefeuert, um 14.50 Uhr aber plötzlich doch nicht, bis um 16.30 Uhr endlich weißer Rauch überm Geißbockheim aufstieg und Monsignore Overath zum Pöbel sprach: Habemus Vertragsauflösung! Weil der Effzeh also noch nicht mal seine Entlassung mit ein wenig Restwürde über die Bühne bekam, ist Soldo nun der erste Bundesligatrainer, der immerhin von einer echten Nahtoderfahrung berichten kann: Wie er von sanfter, schwerer Dunkelheit umfangen durch einen Tunnel schwebte, vorbei an tausend schönen Blumen, deren Namen er nicht kannte, hin zu einem hellen Licht voll Glück und Wahrheit, wo am Ende der Erlöser auf ihn wartete: Faryd Mondragon, in Torwarthandschuhen und Badelatschen. Boah! Und dafür zahlen wir Kirchensteuer?

2. Apropos Mondragon: Kleiner Tipp: Wenn dem FC-Keeper das nächste Mal die Dornenkrone ins Hirn piekt, sollte ihm das besser nicht in Bayern passieren. Dort hielt man wirre Jesus-Vergleiche lange Zeit für überaus blasphemisch - und verlangte drakonische Strafen!

Als die Menschen im Freistaat noch an den Teufel glaubten, an der Pest starben und ihren Zehnten an die Bischöfe abdrücken mussten, damals, im Jahr 2007, da forderte Edmund Stoiber nämlich allen Ernstes: Drei Jahre Knast für Gotteslästerung! Denn: "Es darf nicht alles mit Füßen getreten werden, was anderen heilig ist." Recht so, Ede!

Aber keine Sorge, Mondy: In Köln ist ohnehin schon lange nichts mehr heilig, also darf man seine Wundmale auch weiterhin ins Fernsehen halten. Einfach durch die Tür hinaus, zur linken Reihe, jeder nur ein Kreuz...

3. Apropos Stoiber: Kommentar von SPOX gelöscht!

4. Also zurück nach Köln: Haben Sie gelesen? Kurz bevor Soldo exkommuniziert wurde, war zufällig Lothar Matthäus in der Nähe: Den Klassenerhalt der Kölner halte er für "sehr realistisch", formulierte er auch prompt Ergebenheitsadressen; und er müsse es ja wissen, schließlich schaue er "genau hin beim 1. FC Köln: Ich bin Köln-Fan und besonders Anhänger von Lukas Podolski." Natürlich glaubte ihm das keiner. Von Anbiederung und kalkulierter Schmeichelei war gleich die Rede, der unstete Kollege sei doch nur scharf auf Soldos Job. Doch so ein Unsinn! Ein Lothar Matthäus hat keine schmutzigen Hintergedanken! Wer ihn kennt, der weiß: Er ist einfach und spontan, unschuldig und gerade - Lothar Matthäus: Ein Mann wie eine Morgenlatte!

5. Pfui, Teufel: St. Pauli-Stürmer Marius Ebbers hatte sich die Niederlage gegen Stuttgart mittlerweile schön getrunken, und so sprach er in ein Mikrofon hinein: "Ich sehe es so, dass wir über 90 Minuten die bessere Mannschaft waren. Aber vielleicht habe ich auch nur eine braune Brille auf." Gott bewahre, Ebbers! Braune Bille? Doch nicht etwa die vom Bahnhofsklo?!

6. Ein wahrer Gentleman: Was ist eigentlich mit Maik Franz los? Spielweise und Mundwerk des Frankfurters ließen bisher weder humanistische Bildung noch Adel erahnen, doch gegen Schalke war alles irgendwie ganz anders. Fromm wie Mondy Opferlamm spielte er in Anzug und Krawatte - die Statistik sagt: null Fouls! Die Lippenleser sagen: auch kein einziger verbaler Amoklauf! The artist formerly known as dieses Arschloch weiß eben doch, was sich gehört: Weltstars wie Raul und Huntelaar gebührt Respekt!

7. Apropos Weltstar: Weil Hamburgs Paolo Guerrero vor dem Bayern-Spiel noch extra beim Frisör war, fand er's dann halt schon ein bisschen doof, dass er bereits nach einer Stunde ausgewechselt wurde. Also lief er schnurstracks schmollend durch in die Kabine, sollen die anderen ihren Scheißdreck doch alleine machen.

"Das geht nicht!", schimpfte Armin Veh danach, ließ es damit aber auch schon wieder gut sein. Immerhin hat sich Guerrero schon entschuldigt, und der Trainer darf zum Ausgleich eine Runde im neuen Porsche fahren. Doch eigentlich war das alles sowieso nur ein ganz blödes Missverständnis. Guerrero war gar nicht beleidigt, er hatte es einfach nur wahnsinnig eilig und musste ganz schnell weg. Den Grund dafür haben wir in der "Mopo" gefunden: Klickst Du hier!

8. Wahre Größe: Dass Thomas Tuchel der beste Trainer ist, wo gibt, erkennt man an seinem goldenen Händchen. Nicht was Sie jetzt denken! Den Schürrle einwechseln kann jeder, und Leverkusen schlagen ja wohl auch. Wirklich Hilfe aber brauchte Felix Zwayer. Beim Schiedsrichter lief nämlich einfach nichts zusammen, kein Elfmeter, keine groben Fouls und keine hübsche Rudelbildung. Und wenn dann einer schon mal hinlangte, hatte Zwayer gerade eine braune Brille vorm Kopf. Die Folge: Bis zur 87. Minute gab es keine einzige Verwarnung! Also guckte Tuchel seiner Glücksgöttin halt nochmal unters Röckchen und fand dort, merkwürdig genug: Miroslav Karhan. Noch ein paar Anweisungen am Spielfeldrand, ein Klaps auf den Pöppes - und ab mit ihm aufs Spielfeld. Und siehe da: Es dauerte keine 90 Sekunden, bis Karhan die Gelbe Karte wirklich hatte.

9. Machtmenschen: Da saß Felix Magath im "Sportstudio" und musste Kathrin Frau Müller-Hohenstein erklären, warum er in 14 Spielen schon elf verschiedene Viererketten auflaufen ließ. Also erzählte der Schalke-Coach von Verletzungen und späten Einkäufen und schloss den Vortrag mit dem Satz: "Außerdem ist es mir noch nicht gelungen, die Herren beim DFB davon zu überzeugen, dass ich gelb-rot-gesperrte Spieler trotzdem einsetzten darf." Und weil das nette Fräulein nur ein bisschen spielen wollte, kicherte sie kurz und nickte heftig, um zu zeigen, dass auch sie den Witz kapiert hat. Dabei verrieten Magaths Augen doch eindeutig: Das war kein Witz! Er arbeitet wirklich daran!

10. Droste sagt: Bei einem Kneipenphilosophen ist es wie bei "Eins, zwei, oder drei...?": Wenn die Lampe an ist, hat er immer Recht! Was manchmal auch sehr unschön enden kann. Das weiß offenbar inzwischen auch das DSF  - und setzt deshalb Udo Lattek mittlerweile sehr geschickt ins Bild. Wenn er jetzt, im Halbprofil gefilmt, den live zugeschalteten Soldo demütigt, indem er Sätze sagt wie: "Er weiß nicht, was er tut", dann kriegt das ohnehin keiner mehr so richtig mit. Weil alle nur, vorbei an Latteks roter Nase, den Hintergrund anstarren - und an der Frage verzweifeln: Was macht die hübsche junge Frau da um Himmels Willen bloß im "Doppelpass"?! Kein schlechter Move, DSF, bei uns hätte es beinah geklappt.

11. Grußonkel: Weil Tim Wiese seit dem letzten 80er-Revival in Bremen als vermisst gemeldet wurde, steht jetzt Sebastian Mielitz in der Werder-Hütte. In Gladbach hielt er auch gleich überragend, doch eines muss der 21-Jährige noch lernen: Man grüßt keine Verwandten übers Fernsehen. "Mama, Papa, hi!" Aufhören! Das darf nur Thomas Müller! "Und meine Freundin möchte ich noch grüßen!" Schluss jetzt, Mielitz, sonst geht's ohne Nachtisch ins Bett! "Und meine Omma!" Jetzt winkt der auch noch in die Kamera...

Der 9. Spieltag im Überblick

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