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Fussball

Robbenschlachten und Affenliebe

Von Oliver Wittenburg
Joe Cocker, Arjen Robben, Wiesn-Bier, Milla Jovovich und Katy Perry (v.l.)
© Imago

Das beherrschende Thema der letzten Woche? Wiedervereinigungsjubiläum. Ja klar. Mainz. Ja. Ein bisschen Bayern, Werder, Schalke, VfB. Jaja. Die Hammernachricht kam aber ganz klar aus Indien. In Neu Delhi bei den Commonwealth Games sollen Spezialaffen dafür sorgen, dass Normalaffen draußen bleiben. Was das mit der Bundesliga zu tun hat, steht weiter unten.

1. Geht's raus! Saufen! Wer sich noch mit der Hoffnung selbst in die Tasche log, um den FC Bayern stünde es gar nicht so schlimm, der fiel Sonntagabend sicher vom Glauben ab. Und das nicht wegen Dortmund. Die Bayern sagten den für Montag geplanten Oktoberfest-Besuch ab. Dabei war die Wiesn doch extra um einen Tag verlängert worden, weil die DFL dem Meister dieses saublöde Sonntagabendspiel aufgehalst hatte. "In dieser Situation macht es keinen Sinn, auf die Wiesn zu gehen", sagte Christian Nerlinger. Bitte? Das ist doch genau der richtige Gemütszustand dafür. Verzweifelt, erloschen, schlaff und irgendwie erektionsgestört, aber wütend, so unglaublich wütend...

2. Scheiße mit der Scheiße: Dazu passt, dass Kalle Rummenigge den beinah-täglichen Pressetalk im Bayern-HQ zur Chefsache erklärte, um den Ausnahmezustand auszurufen: "Jetzt stecken wir in der Scheiße, jetzt müssen wir zusehen, dass wir aus der Scheiße wieder rauskommen." Ab auf die Wiesn, Ihr Bayern. Ihr müsst Euch dringend mal ein paar Bier ins Gesicht stellen.

3. Robbenschlachten: Ganz schön in der Scheiße steckte am Wochenende auch Arjen Robben. Wenn man billigen Tand promoten oder Christine Neubauer kennenlernen will, mag "Wetten dass...?" ja ganz hilfreich sein. Aber sonst? Jedenfalls lieferte Robben das Vorspiel zur Bayern-Verunglimpfung, indem er sich ohne eigenes Zutun auf Gottschalks Couch zum Horst machen ließ.

Er stand Pate für eine Wette zweier Spaßdübel aus dem Allgäuischen. Und die ging so. Allgäu 1 hat die Augen verbunden. Allgäu 2 interpretiert Auszüge aus einem Comic-Heft durch ungehemmtes Herumprökeln in allen nur vorstellbaren Körperkuhlen und -nischen. Allgäu 1 destilliert den Inhalt der gemeinten Textstelle aus der reichlich unaparten Kakophonie. Das Beste daran: Die Scheiße hat funktioniert und Robben, der alte Zauderling, verlor die Wette, weil er vorher meinte: Comics furzen, das geht nimmer. So saß er schließlich wie ein Häufchen Elend im Deutschland-Trikot (der Wetteinsatz) zwischen Joe Cocker und Milla Jovovich auf des Gecken Couch und griff zum Maßkrug (siehe Bild).

4. Ost rockt: Die deutsche Wiedervereinigung feierte am Sonntag ihr 20-Jähriges. Aus diesem Grund sei an die Klubs erinnert, die damals den Sprung von der DDR-Oberliga in den gesamtdeutschen Bezahlfußball fanden.

Die Ergebnisse vom Wochenende:

Dynamo Dresden - VfR Aalen 1:0

Carl-Zeiss Jena - Hansa Rostock 1:3

Heidenheim 1846 - Rot-Weiß Erfurt 1:1 (alle 3. Liga)

Chemnitzer FC - Eintracht Braunschweig II 1:0 (Regionalliga Nord)

Hallescher FC - Hannover 96 II 1:0 (Regionalliga Nord)

Germania Halberstadt - 1. FC Lokomotive Leipzig 2:2 (Oberliga Nordost)

FC Stahl Brandenburg* - SG Blaugelb-Laubsdorf 2:2 (Brandenburgliga)

*2:2 Alexander Tarnow (Stahl), Fallrückzieher (89.)

5. Die alte Leier: Seit Jahren passiert beim VfB immer das Gleiche. 2006: Veh kommt im Winter für Trap. Frühjahr 2007: Meister. Herbst 2008: Scheibenkleister. Babbel kommt. Frühjahr 2008: Champions League. Herbst 2008: Platz 16. Gross kommt. Frühjahr 2009: Europacup. Herbst 2009: Abstiegsplatz. Was nun? Erstmal gibt's den super-duper Keller-Krisen-Katastrophen-Clash gegen Schalke in 14 Tagen und dann setz' ich schon mal 100 Kröten auf den VfB als Meister 2012. Unter Christoph Daum.

6. Sexy Ebbers: Wesentlich unterhaltsamer als der öde VfB ist freilich der FC St. Pauli. Der Kiezklub aus dem Freudenhaus der Liga, dieser rundum erfrischend-alternative Gegenentwurf zum furztrockenen Establishment, bereichert mit seiner offenen Art die Republik. So debattierten am Freitagabend nach dem 1:0 in Hannover Blondie Asamoah und Commander Ebbers herrlich unverkopft über den Tanzstil des Letzteren. Zum Liebhaben.

Asamoah: "Marius muss da noch viel lernen. Der hat angefangen zu tanzen und das ging gar nicht."

Ebbers: "Das muss ich kurz erklären: Ich musste mit Max Kruse zusammen tanzen. Er sollte der Mann sein und ich die Frau."

Asamoah: "Aber das muss man sagen: Er hat seinen Arsch gut bewegt."

7. Intolerabel: Noch mal zurück zu "Wetten dass...?". Vor dem Nordderby in Hannover spielte sich in etwa das ab. Mike Hanke zu Gerald Asamoah: "Wir hauen Euch weg! Wetten?" Gerald Asamoah zu Maik Hanke: "Wetten, dass nicht!" Der Ausgang ist bekannt. Asamoah gewann. Und Hanke? Der suchte nach dem Schlusspfiff das Weite. Streitwert 100 Euro.

8. Schalke-Rekord: Weil Schalke keinen Kuranyi mehr hat, die Bayern keinen Lell und The Artist formerly known as "Dieses Arschloch!", also Maik Franz, ein ganz normaler Bundesliga-Spieler geworden zu sein scheint, fehlt der AL irgendwie eine neue Ikone. Frank Rosts Blutdruck kann man ja auch nicht jedes Mal bringen. Deshalb dieser staubige Fakt vom Buli-Speicher: Schalke ist dank Jones jetzt die fouligste Mannschaft aller Zeiten. 77 Platzverweise hat sonst keiner.

9. Affenliebe: Wie im Vorspann erwähnt, will man bei den Commonwealth Games in Neu Delhi mit Affen im Security-Stab operieren. Das Ziel sei, mit so genannten Super-Affen andere Affen von den Wettkampfstätten fernzuhalten. Lediglich um ein Gerücht handelt es sich vermutlich bei der Meldung, wonach Werder Bremen ein paar Scouts nach Indien geschickt haben soll. Vermutlich gefaked ist der O-Ton Thomas Schaafs: "Bringt mir Affen, irgendwelche Affen."

10. Nur der BVB: Jetzt haben also die Mainzer den Bundesliga-Rekord der Bayern und Lauterer eingestellt. 1995 lagen die Bayern sieben Punkte vor Dortmund nach sieben Spielen, 2001 der FCK gleich acht. Meister wurde aber jeweils der BVB. Damit ist die ganze Kiste ja dann wohl entschieden.

11. Dramolett: Als Rausschmeißer dieser Ausgabe ein kleiner Blick hinter die Kulissen des HSV, wo für den Erfolg ganz schön geackert wird.

Der Vorhang teilt sich und gibt den Blick auf eine karge Bühne frei. Im Hintergrund ein 2 Mal 1 Meter großes Poster von der Stuttgarter Meisterschaft 2007. Im Vordergrund: Ein einfacher Holztisch mit zwei Stühlen. Ein grauer Steinkrug steht auf der Tischplatte. Auf einem Stuhl sitzt Armin Veh, den Kopf in die rechte Hand gestützt, mit der Linken Sammelkarten mit den Konterfeits von HSV-Spielern arrangierend. Von Zeit zu Zeit verwirft er kopfschüttelnd seine Anordnung und sortiert die Kärtchen neu. Aus dem Off ist ein monotoner Brummton zu hören. Plötzlich hält Veh inne, betrachtet eins der Kärtchen eingehend und schüttelt den Kopf.

Veh: Michi, hör mal. Michi!

Stimme aus dem Off: Kann grad nicht. Ich mach mir das Bärtchen.

Veh: Was?

Stimme: Ich - mach - mir - das - Bäähäärtchen.

Veh: Der Vierundvierziger. Sagt der Dir was. Kann der was? Was kann denn der?

Stimme aus dem Off: Was? Ich versteh kein Wort. (Brummton hört auf. Michael Oenning betritt die Bühne) Was willst Du denn?

Veh: (mehr zu sich selbst) Ich frag mich, ob der was kann.

Oenning: Wer?

Veh: Der Vierundvierziger...

Oenning: Ich mag zwar den Grimme-Preis gewonnen und mir etliche Meriten als moderner Fußballlehrer in Nürnberg erworben haben - deshalb kann ich aber noch lange nicht Gedanken lesen. Um was geht's eigentlich, Armin?

Veh: (zeigt ihm das Kärtchen) Hier, den meine ich.

Oenning: Nie gesehen.

Veh: 44. Ich frag mich, ob der was kann.

Oenning: Stell ihn halt auf, Armin.

Veh: Du, Michi, ich glaub, das mach ich.

Der 7. Spieltag im Überblick

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