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Fussball

Der brillante Tiger und zwei Nervensägen

Von Für SPOX in Dubai: Thomas Gaber
Da staunt der Holländer: Tiger Gerland entpuppt sich als Houdini des Fußballs
© Getty

Am fünften Tag in Dubai entdeckt SPOX-Redakteur Thomas Gaber den wahren König der Bayern. Außerdem gibt's viel nackte Haut, Lack und Leder.

Der Ball lag da so einsam, irgendwie verloren. Ohne Nähe zu Gleichgesinnten. Die lagen viele Meter weiter links. Im Tor oder  zumindest in Reichweite. Da dachte sich der Tiger, 'schick ich die Pille doch zu seinen Freunden'. Ein Schuss, ein Tor. Und was für eins!

Tatort: Trainingsplatz SC Al Nasr, Dubai. Tatzeit: ca. 12 Uhr. Tatmotiv: Fürsorge. Hermann Gerland hatte mit den übrigen Co-Trainern und Betreuern der Bayern zwei Tore für ein anstehendes Kleinfeld-Spiel relativ eng zusammengestellt. Das linke Tor lag nun ungefähr 25 Meter von Gerland entfernt, von der Höhe der Torlinie stand der Co-Coach etwa vier Meter nach hinten versetzt.

Und dann lag da eben dieser Ball. Gerland holte aus und schnibbelte die Kugel mit einem unfassbaren Effet in Richtung Tor. Der Ball nahm eine physikalisch unmögliche Flugbahn an, drehte sich um den Pfosten und kullerte tatsächlich ins Netz. Dabei ist es schon höllisch schwer, einen Ball auf Höhe der Torlinie, beispielsweise von der Eckfahne, reinzuzwirbeln.

Der Rest war grenzenloser Jubel. Gerland klatschte Pressechef Markus Hörwick ab und trampelte wie ein kleines Kind, dem man gerade sein Lieblingsspielzeug weggenommen hat, über den Rasen. Wenn man den Tiger so sieht, wie er mit seiner schief sitzenden Kappe in der Wüstensonne schwitzt und einen Bochumer Jubeltanz aufführt, möchte man ihn am liebsten knuddeln.

Das kann man von den zwei Gestalten, die sich wenig später ein Stelldichein auf der Anlage geben, nicht behaupten. Zwei - scheinbar wichtige - figurbetont bekleidete Business-Ladys (viel nackte Haut, wenig Stoff) stochern mit ihren Plateau High Heels - die eine Lack, die andere Leder - im Rasen rum, stets auf der Suche nach der nächsten Hand, um sie zu schütteln.

Der Jean Paul Gaultier-Dampf zieht rüber bis zum Emirates Tower. Die Lack-Tussi muss den Wettkampf, wer's länger mit dem Schädel im Schminktopf aushält, gewonnen haben. Die tragen bestimmt auch Ed Hardy-Unterwäsche.

Die Ladys wollten wohl die Gelegenheit nutzen, sich bei einigen anwesenden Scheichs, die dem Gast aus Deutschland die Ehre erweisen wollten, einzuschleimen, um irgendwelche windige Geschäfte abzuwickeln.

Da sind mir die 100 Kids schon lieber, die minutenlang "Ribery, Ribery" brüllen, in der Hoffnung, der malade Franzose möge sein Fitnessprogramm in den Katakomben wenigstens für ein paar Augenblicke unterbrechen.

Als die Rufe leiser wurden, wurden die Jungs und Mädels von ihren aufgebrezelten Mamis von neuem angestachelt. Meine Fresse, waren das hübsche Damen! Gut bestückt mit edlem Schmuck an Hals und Ohren. Scheint teuer zu sein, seine Kinder in Dubai in eine internationale Schule zu stecken...

Ribery ließ sich dann doch noch blicken. Ein paar Autogramme, ein bisschen Winken und damit den Kids eine große Freude bereiten. So muss es sein, Franck! Seine Fitnesstrainer hat der Franzose dann übrigens auch noch hergespielt.

Im Eins-gegen-Eins, nur mit Söckchen gekleidet. Was auch immer passieren wird: die Bayern müssen Ribery halten. Er kann sechs Siebtel aller Profifußballer in der Telefonzelle auf dem Bierdeckel ausspielen. Der Ball gehorcht ihm genauso wie Hermann Gerland.

Tagebuch, Tag 4: So geht Fernsehen heute

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