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Fussball

Der Musterschüler

Von Jochen Tittmar
Sven Bender hat Jürgen Klopp (r.) von seinen Qualitäten überzeugt
© Imago

Sven Bender hat nur wenige Bundesligaeinsätze gebraucht, um sich bei Borussia Dortmund zum unumstrittenen Stammspieler zu machen. Dabei hatte der Neuzugang von 1860 München anfangs mit Problemen zu kämpfen - und landete zwischendurch sogar in der 3. Liga.

Im Grunde hat Patrick Owomoyela einen recht lässigen Job. Der Dortmunder hat bisher alle Saisonspiele über die volle Distanz absolviert. Auch weil ihm kein echter Konkurrent im Nacken sitzt, der ihm gefährlich werden könnte.

Die Alternativen, die in der vergangenen Spielzeit noch Young-Pyo Lee, Florian Kringe und Antonio Rukavina hießen, hat der Verein allesamt verkauft. So entstand ein (vorhersehbarer) Engpass auf der rechten Außenverteidigerposition, den die Borussia dem Vernehmen nach im Winter korrigieren will.

Ein Gutes hat diese Situation aber für den BVB: Durch den Verkauf von Rukavina angelte man sich im Gegenzug Sven Bender. Der kickt zwar nicht auf derselben Position, hat jedoch nach nur sechs Einsätzen seinen enormen Wert für den BVB klammheimlich unter Beweis gestellt.

Noch kein Spiel verloren

Auch wenn der Neuzugang von 1860 München nach seinen ersten Einsätzen sagte, dass er sich nicht als Stammspieler sieht, ist Bender mittlerweile genau dies: Stammspieler.

Der verletzungsbedingte Ausfall von Sebastian Kehl spülte ihn am 6. Spieltag in Hannover erstmals in die Dortmunder Anfangself. Auch deshalb, weil die zuvor erprobten Kehl-Ersatzmänner Nuri Sahin, Tinga und Mats Hummels nicht gänzlich auf der für die Ausgewogenheit des Dortmunder Spiels extrem wichtigen Sechserposition überzeugen konnten.

Jürgen Klopps Versuch mit Bender gelang. Die neue Doppelsechs mit ihm und dem etwas offensiveren Sahin hat dem BVB jene defensive Kompaktheit zurück gebracht, dank der Dortmund in der Vorsaison die zweitwenigsten Gegentore schluckte. Spielt Bender, verliert die Borussia nicht: 14 von 18 möglichen Punkten lautet die aktuelle Zwischenbilanz.

Blessuren in der Vorbereitung

"Ich habe mich an das direktere und temporeichere Spiel gewöhnt. Ruhe und Cleverness fehlen mir aber noch ein bisschen", sagt Bender nüchtern über seine Anfangszeit in der höchsten deutschen Spielklasse.

Dass er so schnell den Sprung in die Elf schaffte, hängt bei allem fußballerischen Talent auch mit dem wohl offensichtlichsten Charakterzug des Musterschülers zusammen: seinem unbändigen Ehrgeiz.

Die Ankunft in seiner neuen Heimat stand nicht unbedingt unter dem besten Stern. Kaum zum neuen Team gestoßen, plagten den 20-Jährigen in der Vorbereitung mehrere leichte Blessuren, die Benders Rückstände immer größer werden ließen.

Harte Schule des Vaters

Zudem galt für ihn wie für jeden anderen Dortmunder Einkauf: die Mannschaft hatte eine hervorragende Saison hinter sich, wirkt gefestigt und ist eingespielt. Ohne Murren nahm er daher Klopps Rat an, sich über das Amateurteam in der 3. Liga die nötigen Komponenten Rhythmus und Spielpraxis zu verschaffen.

"Wenn es um die Sache geht, bin ich absolut motiviert und will alles geben", sagt Bender und verweist auf die harte Schule seines Vaters, der ihn und Bruder Lars von klein auf eingetrichtert hat, immer das Maximale aus sich heraus zu holen.

Dies zahlte sich am 19. September aus, obwohl er zugibt, dass ihn die Nominierung zu seinem sehr ordentlichen Bundesligadebüt "zunächst ein bisschen überrascht" hat.

Neue private Situation

Auf dem Platz agiert Bender erstaunlich reif und professionell. Zuletzt legte er Hoffenheims Spielgestalter Carlos Eduardo an die Kette. Seine natürliche Aggressivität in den Zweikämpfen, die Ruhe und Übersicht am Ball und das Zulaufen der freien Räume war Dortmunds Faustpfand für den unerwarteten Auswärtssieg.

Doch auch abseits des Feldes meisterte der gebürtige Rosenheimer eine für ihn ganz neue Konstellation: die räumliche Trennung von Familie und Bruder Lars, der in seiner bisherigen Karriere immer an seiner Seite stand.

Es wäre demnach allzu verständlich gewesen, wenn ein 20-Jähriger, der sein gewohntes Umfeld verlässt, Probleme damit hätte, beim neuen Arbeitgeber Fuß zu fassen.

Bender-Zwillinge noch ungeschlagen

Es ist Benders Persönlichkeit geschuldet, dass er aus den neuen Begebenheiten das Positive herausfiltert. "Mein Wechsel war privat der richtige Schritt. Wenn du im Privatleben an deiner Persönlichkeit arbeitest, machst du das auf dem Platz automatisch auch", sagt er.

Eine solche Berufsauffassung kommt im Ruhrgebiet natürlich hervorragend an. Da verzeiht man Bender dann auch Rückschläge und schwächere Leistungen, die sicherlich noch auf ihn zukommen werden. Doch geht es so weiter, wird man darauf noch warten müssen: Die Bender-Zwillinge sind in der Bundesliga noch nie als Verlierer vom Platz gegangen.

Sven Bender im Steckbrief

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