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Fussball

"Habt Ihr Bier dabei?"

Von Stefan Moser
Geht neuerdings mit Rudi-Carell-Parodien auf Tour: Bayern-Trainer Louis van Gaal
© Getty

Kuranyi erzielt das hässlichste Tor der Welt, Schiri Brych wechselt Dede aus, Hotte Heldt kann diese gequirlte Scheiße nicht mehr hören - und für all das ist kein Platz mehr in der Alternativen Liste des 11. Spieltags? Klingt komisch, ist aber so.

1. Image-Kampagne: Babys und Tiere sind extrem beliebt beim Publikum, weil sie so dumm und lustig sind. Darüber hinaus haben Tiere den Vorteil, dass sie auch ohne Umstände in makaberen Flachwitzen die Hauptrolle übernehmen: "Was macht man mit einem Hund ohne Beine? Um die Häuser ziehen." Zum Beispiel. Kannste mit Babys nicht machen. Ergo: Tiere sind die besseren Babys, wer ohne Risiko charmant sein will, muss von Vierbeinern erzählen. Am besten noch mit niederländischem Akzent. Diese dramaturgischen Grundregeln kennt auch König Louis von Bayern - und nutzte sie in seiner Imagekampagne für mehr Volksnähe. Nach dem Scheitern von Dreiecken und Flachpässen erklärte der Göttliche die neue Bayern-Taktik nämlich so: "Eine Katze in einer Kiste macht seltsame Sprünge". Ob die Metapher nun auf Mario Gomez oder den VfB Stuttgart zielte, spielt im Nachhinein gar keine Rolle, denn beide sprangen sie nicht unerwartet hoch: Null Tore Gomez, null Tore Stuttgart, van Gaal hatte gelogen...

2. Und trotzdem: Angeheizt von soviel Weisheit startete auch Heiko Herrlich seinen Debütantenball in Bochum mit einer hübschen Tiergeschichte: "Fußball ist wie in der Natur. Die großen Tiere gewinnen gegen die kleinen Tiere", erklärte der neue VfL-Trainer allen Ernstes gleich bei seiner ersten Pressekonferenz. Das war ohne holländisches Halskratzen nicht besonders lustig und ging zudem komplett nach hinten los. Denn nun wusste ja auch Frankfurts Trainer Michael Skibbe von dem Geheimnis. Und prompt coachte er Herrlich gnadenlos aus - indem er, Achtung!, Ochs gegen Fuchs spielen ließ. Aber das nur am Rande. So apropos Flachwitz...

3. Amor fati: Wer hätte das gedacht: Maik Franz ist missverstanden! Der Mann, dem Schmusekater Gomez einst leicht arschlöchrige Verhaltensmuster attestierte, ist in Wahrheit gar kein prolliger Krawallo, sondern eine feinsinnige Drama-Queen.

Denn was hatte Iron Maik doch für eine bühnenreife Woche! Im Pokal von Bayern-Bubi Müller noch am Nasenring durch die Commerzbank-Arena geführt - vor eigenem Publikum erniedrigt, gedemütigt, geschlagen. Gegen Bochum dann ein Eigentor! Fassungslos sank der Gefallene auf die Knie - die Augen fragend zum Himmel erhoben. Und siehe da: Die Götter schickten Antwort! Eine Ecke von der rechten Seite nämlich. Und Franz schloss die Augen, warf sich ins Getümmel, köpfte das Siegtor - und schlug sich atemlos vor Glück die Hände vors Gesicht. Hätte er beim Mixed-Zone-Interview hernach doch nur noch eine Träne kullern lassen...

4. Apropos dramatisch: Mit Jürgen Klinsmann und Sylvia Neid wurden schon die Megastars der Szene in Stuttgart gehandelt und kurzfristig nahm sich auch noch Peter Neururer Zeit - doch Trainer beim VfB: blieb Markus Babbel. Und der ging das Spiel gegen die Bayern gleich mit einer Kampfansage an, die sich brutal gewaschen hatte: Mit seinem Konterfei als Hintergrund ließen die Verantwortlichen vor Anpfiff nämlich ein unglaubliches Zitat auf der Videowand erscheinen. "'Wir wollen gewinnen!' (Markus Babbel)", stand da in ganz großen Lettern. Wow, Stuggi-Town!! Provokante These, wirklich! Aber was kommt als nächstes? "'Die Erde ist rund!' (Sepp Herberger)"? Oder: "'Der Mensch stammt vom Affen ab!' (Ioannis Amanatidis)"? Oder wie wär's mit: "'Der Club ist ja wirklich ein Depp!' (Werder Bremen)"?

5. Und noch mal apropos. Der Höhepunkt des langweiligen Gekickes war natürlich der Fernseh-Kommentar von Fritz von Thurn und Taxis. Der Grabscher der Nation bewies nämlich wieder einmal, dass er zwar von altem Adel, jedoch nicht von dieser Welt ist, indem er Sachen sagte wie "Billet", oder "a la longue", Vokabeln die schon lange vor der Jahrtausendwende ausgestorben sind. Am schönsten jedoch war sein Halbzeit-Fazit: Mit seinem typisch lang gezogenen "Jaaaa!", warf er sich zunächst in die Brust, um dann zu resümieren: "Die Zuschauer sind begeistert! Keine Tore!"

6. Zur Aufmunterung: Nach so vielen verbalen Blutgrätschen tut es mal ganz gut, Franz Beckenbauer zuzuhören. Denn der Kaiser ist und bleibt der einzig wahre Fußballphilosoph, nur er bringt Sachen wirklich auf den Punkt. Zum Beispiel das Traumtor von Leverkusens Toni Kroos gegen Schalke. O-Ton Lichtgestalt: "Das kannst du nur, wenn du es kannst." Darüber kann man lange nachdenken. Oder es auch lassen.

7. O tempore: Dass Gladbach in Hamburg gewonnen hat, nennt der Sportreporter: eine Sensation. Dass die Fohlen dabei mit One-Touch-Football brillierten, nennt der Sprachwissenschaftler: ein Oxymoron. So wie: "der stumme Schrei" oder: "der schwarze Schimmel" oder eben: "die Gunners vom Rhein". Was sich nach dem Spiel freilich ereignete, das nannte Gladbachs Ex-Torhüter Jörg Stiel schlicht: ein Unding. Der heutige Dauergrinser und Kult-Übersetzer der Borussia schlenderte durch den Spielerbereich. Als er vor dem Mannschafts-Bus ankam und die Kollegen Marx, Reus und Brouwers sah, fragte er heimlich: "Psst. Habt ihr Bier dabei?" Der süße Thorben hob daraufhin ganz kleinlaut eine blaue Sportler-Dose hoch und antwortete: "Das ist alles!" Und Stiehl zog kopfschüttelnd von dannen: "Gibt's nicht! Da gewinnst du in Hamburg und kein Bier. Früher habe ich mich darum gekümmert..."

8. Apropos Hamburg: Als mit Marcell Jansen der Galopper des Jahres 2006/07 an der Seitenlinie mit den Hufen scharte und sich auf den Einsatz vorbereitete, dachten 57.000 Augenzeugen im Stadion: Endlich ist es vorbei, der völlig ramponierte Boateng darf runter. Doch von wegen! Der kerngesunde Piotr Trochowski ging vom Feld, Boateng dagegen musste auf den Gnadenschuss warten: Gladbachs Rob Friend nahm sich der Sache an - er traf zum 3:2-Sieg für die Fohlen. HSV-Coach Bruno Labbadia rechtfertigte sich hinterher: "Ich kann ja nicht in den Spieler hineinschauen." Dass Boateng aber kaum aufrecht gehen konnte und eigentlich in Gips gehörte, sah man freilich auch von außen...

9. Doppel-Apropos Hamburg: Wo kam mitten im Altweiber-Sommer eigentlich so plötzlich diese ganze Weihnachtsstimmung her. Es duftete beinah nach Weihrauch und der Himmel hing voll fetter Putten, als Gladbachs Trainer Michael Frontzeck, von der Boateng-Passion ganz offenbar beseelt, zu philosophieren anfing: "Manchmal gibt es auch noch einen Gott, der das Glück auf die richtige Seite fallen lässt. Ich wünsche Hamburg gegen Celtic alles Gute. Und frohe Weihnachten!" Das hat er wirklich so gesagt...

10. Weihnachten, reloaded: Und dann noch dieser leicht servile ZDF-Reporter, der sich von Uli Hoeneß' gut durchbluteter Kopfhaut einschüchtern ließ und dem Bayern-Boss erst umständlich den Kratzfuß machte, ehe er die Fragen stellte: "Sie sind doch ein Meister der Prognosen..." Milde lächelnd leckt sich Hoeneß den Honig vom Maul. Der Reporter schöpft Mut: " ...dann sagen sie uns doch mal, wann der FC Bayern wieder auf Platz eins steht!" Und Hoeneß triumphierend, alles überblickend, fast väterlich, doch aber arrogant: "Bis Weihnachten!" Und ein riesiges, geblicktes Ausrufezeichen hinterher...

11. By the way: Kölns Ergebnisse der letzten fünf Bundesligaspiele lauten übrigens: 0100100001. Wer Augen im Kopf hat, sieht: ein binärer Code, so ein Computer-Dingens eben, wahrscheinlich sogar eine verschlüsselte Nachricht. Und in der Tat! Die SPOX-Techniker haben die Botschaft entschlüsselt, sie lautet: ikslodop sakul mu edahcs. Klingt nachvollziehbar, oder? Man muss die Platte halt nur rückwärts laufen lassen.

Der 11. Spieltag im Überblick

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