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Fussball

Wundertüte mit Masterplan

Von Daniel Börlein
Felix Magath ist als Geschäftsführer, Manager und Trainer der mächtige Mann auf Schalke
© Getty

Schalke-Coach Felix Magath probiert derzeit viel aus und überraschte vor dem Spiel gegen den VfL Wolfsburg (20.15 Uhr im LIVE-TICKER und auf Sky) fast jede Woche mit einer neuen Aufstellung. Was aussieht wie die verzweifelte Suche nach dem richtigen Weg, ist von Magath ganz bewusst so gewählt.

Eigentlich müsste Felix Magath ja eine Frau sein. Zwar ist nicht überliefert, ob der 56-Jährige in einem Moment telefonieren, fernsehen und nebenher noch etwas schreiben kann, doch Multi-Tasking, die dem weiblichen Geschlecht zugeschriebene Fähigkeit, mehrere Dinge gleichzeitig zu erledigen, beherrscht Magath perfekt.

Den Beweis dafür liefert Magath derzeit auf Schalke. Dort nämlich ist der sechsfache Familienvater im Moment als Trainer, Manager und Geschäftsführer gefordert - und damit vollauf beschäftigt.

Als Geschäftsführer muss sich Magath um Schalkes Millionen-Lücke kümmern, zugleich als Manager den abwanderungswilligen Rafinha vom Bleiben überzeugen und außerdem als Trainer den sportlichen Erfolg nach Gelsenkirchen zurückbringen.

Platz drei nach fünf Spielen

Ob es Magath gelingt, die finanziellen Schwierigkeiten zu beheben, ist derzeit noch völlig offen. Ebenso, ob Rafinha oder ein anderer Leistungsträger im Winter nicht doch den Verein verlassen wird. Fest steht bis jetzt nur: Sportlich läuft es schon ziemlich gut.

Zehn Punkte und Rang drei stehen nach fünf Spieltagen für Schalke zu Buche - dabei hat Magath seine Ideen noch gar nicht umsetzen können.

"Uns fehlt eine klare Philosophie", sagt er und meint damit neben dem Auftreten des Klubs auch das der Mannschaft. Magath ist nicht zufrieden.

Fünfmal veränderte Startelf

Beispiele gefällig? Fünf Partien haben die Königsblauen in der Liga bisher absolviert, kein einziges Mal begann Magath mit der Startelf der Vorwoche. Vielmehr wechselt der Schalke-Coach regelmäßig munter durch.

Mal steht ein Lewan Kobiaschwili gar nicht im Kader und quasi zum Verkauf, mal darf der Georgier von Beginn an ran und überzeugt dabei als Antreiber und Torschütze, wie zuletzt gegen Köln.

Ähnlich variiert Magath bei der Wahl seiner Taktik. Gegen Köln baute er die Viererkette zu einer Dreierreihe um, in die sich bei FC-Angriffen die beiden Außen aus dem Mittelfeld zurückfallen ließen, womit dann fünf Mann auf einer Linie verteidigten.

"Diese taktische Ausrichtung bringt uns aktuell weiter", sagte Magath im "Kicker". Eine Ausrichtung, für die in der vergangenen Saison Gladbachs damaliger Coach Hans Meyer heftig kritisiert wurde.

Kein Platz für Rakitic und Holtby

Auch Magath weiß, dass er damit die Fans nicht von den Sitzen reißt. Doch was wie die verzweifelte Suche nach der richtigen Taktik aussieht, ist eher eine Stufe in Magaths Masterplan.

Schalkes Trainer will den zweiten Schritt nicht vor dem ersten tun. Und zuallererst müssen bei Magath die Basics stimmen. Heißt: Seine Spieler müssen erstmal fit sein, jeder einzelne muss auch im Training Gas geben und die Mannschaft zunächst hinten sicher stehen. Erst dann denkt Magath an attraktiven Fußball.

Darum ist derzeit auch kein Platz für einen technisch starken Spieler wie Ivan Rakitic. "Er ist ein Typ, der alles spielerisch lösen will. Doch dafür fehlt ihm in der Mannschaft zurzeit das Umfeld", erklärt Magath. Ähnlich ergeht es im Moment Lewis Holtby und Halil Altintop.

Asamoah statt Kuranyi

Gerald Asamoah dagegen hat sich wieder ins Team zurückgekämpft. "Er hat nicht rumgequatscht, sondern durch starke Trainingsleistungen gezeigt, wohin er will", sagt Magath.

Zwar hofft Kevin Kuranyi, nach seinem Infekt gegen Wolfsburg wieder in der Startelf zu stehen, doch Magath sieht keinen Grund, Asamoah aus der Mannschaft zu nehmen: "Wer sich so einsetzt wie er in Köln, verdient auch im Heimspiel eine Chance - sofern er unter der Woche erneut gut arbeitet."

 

 

 

Wann kommt die nächste Stufe?

Die Mannschaft scheint langsam zu verstehen, worauf es Magath ankommt. Wenn sie es verinnerlicht hat, wird der Schalke-Trainer die nächste Stufe seines Masterplans angehen.

Erst dann wird Magath versuchen, aktiv, offensiv und attraktiv spielen zu lassen. Erst dann wird es bei den Königsblauen keine Fünfer-Abwehrkette mehr geben und erst dann werden Rakitic, Holtby oder Altintop regelmäßig in der Startelf stehen.

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