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Fussball

Da versteh' noch einer den Magath...

Von Jochen Tittmar
Wolfsburg-Coach Felix Magath schimpft bei Siegen und ist gut gelaunt bei Niederlagen - scheinbar...
© Getty

Gewinnt der VfL Wolfsburg, sucht Trainer Felix Magath ein Haar in der Suppe. Bei einer Niederlage scheint es dagegen keinen Stimmungsabfall zu geben. Ebenso bei den drei anderen Teams, die sich dicht gedrängt im Meisterkampf befinden - einzig die Bayern bilden die Ausnahme.

Als der VfL Wolfsburg am 24. Spieltag den FC Schalke 04 mit 4:3 besiegt hatte und kurzzeitig auf Rang zwei gesprungen war, kannte die Euphorie in der Autostadt fast keine Grenzen.

Einzig Trainer Felix Magath hob warnend den Zeigefinger und lederte los: "Man hat gesehen, dass wir kein Titelkandidat sind. Wenn man 3:1 und 4:2 führt, darf man nicht mehr in Schwierigkeiten kommen. Wir haben eine sehr junge Mannschaft. Für einen Titelkampf sind wir noch zu unerfahren und zu grün", sprudelte es aus ihm heraus.

Nach der bitteren 0:2-Pleite bei den abstiegsbedrohten Cottbusern ist die Stimmung beim VfL-Übungsleiter aber offenbar blendend. So lässt sich zumindest Magaths Auftritt am Premiere-Mikrofon deuten.

Magaths simple Erklärung

Fünf Punkte Vorsprung auf Rang zwei hätten es sein können, doch Magath kam gut gelaunt mit einem "es geht um den fünften Platz und da sehen wir noch ganz gut aus" daher.

Ärger, Enttäuschung, Wut? Fehlanzeige. "Wir haben große Chancen vergeben und deshalb nicht gewonnen", lautete die simple Erklärung des 55-Jährigen.

Doch sie trifft den Nagel auf den Kopf. Es ist nun mal eine unangenehme Aufgabe, als Tabellenführer nach Cottbus zu reisen. Man kann viel verlieren, nur wenig gewinnen. Dort zeigt sich nämlich, ob man Eier hat, wie Oliver Kahn es formulieren würde.

Charaktertest nicht bestanden

"Wir müssen uns vorwerfen, dass wir den Kampf nicht angenommen haben", gab ein enttäuschter Marcel Schäfer zu Protokoll. Mit einem Sieg hätte Wolfsburg die Erfolgsserie auf elf Spiele ausbauen und einen neuen Bundesliga-Rekord ausstellen können. Doch daraus wurde nichts.

Fazit: Beim Charaktertest durchgerasselt. Hertha, Bayern, Stuttgart und Hamburg dürfen sich somit weiter gute Chancen auf den Titel einräumen.

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Der sonst so treffsicheren Angriffsmaschinerie war anzumerken, dass sie psychisch gehemmt daher kam und bei den etlichen Großchancen wohl einen Gedanken zuviel vergeudete.

Konstellation wie vor acht Jahren

"Ich denke, dass unsere Stürmer nicht den besten Tag gehabt haben und im Abschluss ungenügend waren", so Magath. Ein generelles Manko der Niedersachsen: Im groß angelegten Kader finden sich nur zwei Stürmer, die das Format haben, in einem Spitzenteam zu spielen. Zu Grafite und Dzeko fehlen die hochklassigen Alternativen.

Und so kommt es im Saisonendspurt zu einer Konstellation wie zuletzt in der Spielzeit 2000/01: Die ersten fünf Mannschaften trennen nur mickrige drei Pünktchen. Damals waren es sogar sechs Teams.

Besonders auffällig: Einzig bei den Bayern ist die Stimmung negativ, sonst scheint überall eitel Sonnenschein zu herrschen.

Die Wolfsburg-Verfolger in der Übersicht:

2. Hertha BSC Berlin (55 Punkte, 43:35 Tore):

Nach den Pleiten gegen Stuttgart, Dortmund und Hannover wurden die Hauptstädter bereits vorzeitig aus dem Meisterrennen verabschiedet, zumal auch noch Torjäger Andrej Woronin fehlt.

Doch die Berliner, die weder bei Siegen noch Niederlagen von der Zielsetzung UEFA-Cup abrücken, fanden den Weg zurück zur ureigenen Effektivität. Gegen Bremen und in Hoffenheim spielte man den Gegner mürbe und stach eiskalt zu - sechs Punkte.

Von Vorteil könnte der "VfB-Effekt" sein, der die Schwaben 2007 bis zum Meistertitel trug: Die Hertha wird weiterhin nicht wirklich ernst genommen und gilt insgeheim als erster Kandidat, der sich aus dem Titelrennen verabschiedet. Zum Restprogramm

3. FC Bayern München (54 Punkte, 59:37 Tore):

Die Stimmung beim Rekordmeister ist vor allem seit der Blamage von Barcelona im Keller. Das bajuwarische Volk will den Trainer nicht, Jürgen Klinsmann muss mit meist gleichlautenden Worthülsen notorisch dagegen ankämpfen.

Dies scheint auch die Bayern-Spieler zu lähmen, die spielerisch kaum mehr zu überzeugen wissen und im Gegensatz zur Vorrunde in kritischen Situationen nicht in der Lage sind, eine Schippe draufzulegen.

Dass sich dies in den letzten fünf Partien bessern wird, ist angesichts der festgefahrenen Negativsituation nicht besonders wahrscheinlich. Für die Bayern scheint derzeit nur das vermeintlich leichte Restprogramm zu sprechen.

4. VfB Stuttgart (52:37 Tore, 54 Punkte):

Unter Seriensieger Markus Babbel erlebt der VfB die spielerische Renaissance aus dem Meisterjahr. Hinzu kommt ein Qualitätsschub: Sobald die Schwaben in Führung gehen - was bei zehn von elf Siegen unter Babbel der Fall war - spielen sie beeindruckend locker ihr Programm herunter, ohne ernsthaft in Gefahr zu kommen.

In der Vorrunde formschwache Spieler wie Ludovic Magnin oder Roberto Hilbert sieht man nun den nötigen Biss und die Konsequenz in ihren Aktionen an, die gegen Gegner wie Bochum, Köln oder Frankfurt erforderlich sind.

Gelingt dies auch am kommenden Wochenende in Bielefeld, ist der VfB ganz dick im Geschäft, der zudem noch auf Wolfsburg und Bayern trifft und selbst zum Zünglein an der Meisterwaage werden kann.

Allerdings hat der VfB eine Gemeinsamkeit mit dem FC Bayern: "Natürlich wollen wir jetzt in die Champions League", sagte Manager Horst Heldt nach dem Sieg in Köln. Gelingt dies nicht, wird man am Neckar trotz der sensationellen Siegesserie die Enttäuschung darüber nicht verbergen können. Zum Restprogramm

Hamburger SV (42:40 Tore, 54 Punkte):

Der HSV muss aufpassen, nicht das zweite "Vizekusen" zu werden. Der Tanz auf drei Hochzeiten setzt dem Bundesliga-Dino momentan deutlich zu, die Luft wird allmählich dünner.

Trainer Martin Jol bemängelte zuletzt fehlenden Killerinstinkt, der für ein Team mit Titelambitionen unabdingbar ist. Mit Stürmer Mladen Petric fällt nun ausgerechnet der Mann aus, der diesen Instinkt noch am ehesten verkörpert.

Lobenswert allerdings die realistische Einschätzung Jols, der sich bewusst ist, dass eine titellose Saison trotz jeweils guten Ausgangspositionen durchaus möglich ist und dies im Fall der Fälle nicht als grobe Enttäuschung verstanden wissen will. Zum Restprogramm

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