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Fussball

"Habe von Wenger und Benitez abgeschaut"

Von Interview: Daniel Börlein
Lucien Favre und sein Torjäger Andrej Woronin beim 2:1-Sieg über die Bayern Mitte Februar
© Getty

Nach zuletzt zwei Niederlagen in Folge trifft Hertha BSC Berlin am Wochenende auf Hannover 96 (Sa., 15.15 Uhr im LIVE-TICKER und bei Premiere). Trotz zweier Niederlagen zuletzt ist die Hertha immer noch mittendrin im Titelrennen. Der Erfolg der Berliner ist untrennbar mit dem Namen Lucien Favre verbunden.

Im Sommer 2007 wechselte der Schweizer Lucien Favre vom FC Zürich zur Hertha nach Berlin. Seither geht es mit der Mannschaft aus der Hauptstadt, die sich in den letzten Jahren eher im Niemandsland der Tabelle herumdümpelte, stetig bergauf.

Nach fünf Spieltagen auf Platz eins sind die Berliner nach Niederlagen in Stuttgart und zu Hause gegen Dortmund zwar auf den dritten Rang zurückgerutscht, doch angesichts von nur zwei Punkten Rückstand auf Tabellenführer Wolfsburg und Verfolger HSV hat die Hertha immer noch alle Chancen.

Bei SPOX spricht der 51-jährige Favre über die Meisterschaftschancen seiner Mannschaft, seinen Arbeitsethos, die notwendige Disziplin und seine Tanzkünste.

SPOX: Herr Favre, seit Sie in Berlin sind, haben Sie der Hertha Ihren Stempel aufgedrückt. Ihre Spieler brauchen im Schnitt nur 1,1 Sekunden für Ballannahme und Abspiel - Bestwert in der Bundesliga. Wird dieses Spiel im Training speziell forciert?

Favre: Natürlich werden schnelle Ballannahme und schnelles Abspiel regelmäßig trainiert. Es geht im Training darum, viele Dinge zu automatisieren. In dem Fall muss der Spieler schon vor der Ballannahme wissen, wohin er den Ball weiterspielen will und es müssen mehrere Optionen für ihn da sein.

SPOX: Man sagt, ein Trainer hat immer mindestens einen Spieler als verlängerten Arm auf dem Platz. Wer sind Ihre Schlüsselspieler?

Favre: Das ist richtig. In meinem Fall sind es natürlich Kapitän Arne Friedrich und Joe Simunic, aber auch unser Torhüter Jaroslav Drobny, der das gesamte Spielfeld vor sich hat.

SPOX: Sie siezen alle Ihre Spieler. Ist Ihnen eine gewisse Distanz zu Ihren Profis wichtig?

Favre: Ich bin es so gewohnt, dass ich die Spieler sieze. Das hat weniger mit Distanz, sondern mehr mit gegenseitigem Respekt zu tun.

SPOX: Auf der anderen Seite sind Sie den Spielern gegenüber auch tolerant. Ihre Profis dürfen durchaus mal eine Zigarette rauchen. Ist diese Mischung aus Distanz und Menschlichkeit ein Markenzeichen von Lucien Favre?

Favre: Da müssen Sie etwas falsch verstanden haben. Das klingt so, als würde ich die Spieler zum Rauchen animieren. Meine Spieler sind Vorbild für die Jugend, stehen in der Öffentlichkeit und da verträgt es sich nicht, wenn sie als Leistungssportler rauchen. Mir ist aber auch bewusst, dass ich den Spielern kein Rauchverbot erteilen kann.

SPOX: Trotz zweier Niederlagen zuletzt mischt die Hertha immer noch ganz oben mit. Sie loben Ihre Spieler dafür. Doch für den Erfolg der Mannschaft ist immer auch der Trainer verantwortlich. Viele Beobachter sagen sogar: Lucien Favre ist der Schlüssel des Erfolgs.

Favre: Es ist ein Zusammenspiel zwischen sportlicher Leitung, dem Trainerteam und der Mannschaft, das für den Erfolg verantwortlich ist. Jeder ist wichtig und muss funktionieren. Und jeder muss sich in seinem Bereich täglich verbessern. Alleine kann kein Trainer der Welt erfolgreich sein.

SPOX: Sie sind ein akribischer Arbeiter, der ständig an der Taktik tüftelt, Szenen auf Video analysiert und Tag und Nacht für den Erfolg arbeitet. Woher kommt diese Einstellung?

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Favre: Ich bin der festen Überzeugung, dass jeder Trainer so arbeiten muss, um erfolgreich zu sein. Am Ende kommt es auf jedes Detail an, das über Sieg oder Niederlage entscheidet. Wenn ich alles für den Verein gebe, kann ich das auch ruhigen Gewissens von meinen Spielern verlangen.

SPOX: Sie sind auf einem Bauernhof in der französischen Schweiz aufgewachsen, haben so früh gelernt, was harte, ehrliche Arbeit ist. Hat Sie das geprägt und wirkt sich das nun auch auf den Fußball aus?

Favre: Natürlich ist es auch immer eine Erziehungssache, wie man eine Arbeit angeht und ausführt. Fußball spielt in meinem Leben seit meiner Jugend eine zentrale Rolle und dem unterwerfe ich alles andere.

SPOX: Sie kommunizieren mit Arsene Wenger und Rafael Benitez, bei denen Sie sich auch weitergebildet haben. Was haben Sie von beiden gelernt?

Favre: Es ist richtig, dass ich mir ein paar Dinge von beiden Trainern abgeschaut habe. Beide sind sehr erfolgreich in dem, was sie tun und sie vertreten eine Fußball-Philosophie, die meiner Auffassung von Fußball sehr nahe kommt. Es macht großen Spaß, sich mit beiden Trainern über Fußball zu unterhalten.

SPOX: Sie arbeiten quasi rund um die Uhr für den Klub. Wie schaffen Sie es da, selbst so fit zu bleiben? Es heißt, Sie haben kein Gramm zu viel auf den Rippen.

Favre: Wenn es meine Zeit zulässt, versuche ich selber ein bisschen Sport zu treiben. Und ich achte ein wenig auf meine Ernährung. Mein damaliges Kampfgewicht habe ich aber nicht mehr.

SPOX: Gehen Sie Ihrer Frau eigentlich manchmal auf die Nerven? Schließlich muss sie für Sie Fußballspiele auf DVD aufnehmen, noch dazu sind Sie laut eigener Aussage ein katastrophaler Tänzer.

Favre: Nein, ich glaube nicht, dass ich ihr auf die Nerven gehe (lacht). Sie unterstützt mich in meiner Arbeit sehr gut. Wir sind ein eingespieltes Team. Aus Zeitgründen gehen wir nicht tanzen und das ist besser für alle Beteiligten.

SPOX: Zuletzt hat auch Manager Dieter Hoeneß seine Tanzkünste gezeigt. Wo müsste die Hertha landen, was müsste passieren, damit Trainer und Manager am Saisonende durchs Olympiastadion tanzen?

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Favre: Soweit denken wir nicht und beide Tanzeinlagen sind auch eher spontan entstanden. Wir konzentrieren uns aufs nächste Spiel und halten an unseren Zielen fest.

SPOX: Sie betonen immer wieder, dass Ihre Mannschaft noch nicht Meister werden kann. Warum eigentlich nicht?  Felix Magath nannte die Hertha immerhin neben Bayern München als Meisterschaftsfavoriten.

Favre: Wie wir zuletzt gesehen haben, sind wir leider noch zu unbeständig. Die Saison ist noch sehr lang und es gibt noch 24 Punkte zu vergeben. An der Tabellenspitze liegen fünf Mannschaften sehr eng zusammen. Das wird noch bis zum Schluss sehr spannend.

SPOX: Wer wird denn Ihrer Meinung nach Meister?

Favre: Bislang hat sich keine Mannschaft soweit abgesetzt, um alleiniger Favorit zu sein, aber die größte Qualität im Kader hat Bayern München.

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