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Fussball

Der Löwe, der Heißsporn oder der Chirurg?

Von Thomas Gaber / René Scheufen
Mit 25 Jahren hat Carlos Kameni bereits 150 Primera-Division-Spiele bestritten
© Getty

Nach der Degradierung von Michael Rensing ist die Torhüterposition beim FC Bayern aller Voraussicht nach vakant. Es gilt als unwahrscheinlich, dass er in der kommenden Saison zwischen die Pfosten des deutschen Rekordmeisters zurückkehrt. SPOX stellt die möglichen Kandidaten für das Bayern-Tor vor.

Beim 1:1 des FC Bayern München gegen den FC Barcelona im Viertelfinal-Rückspiel der Champions League blieb Michael Rensing erneut nur die Zuschauerrolle.

Zum dritten Mal in Folge wurde Bayerns etatmäßige Nummer eins von Jürgen Klinsmann auf die Ersatzbank verbannt. Womit bei der Premiere in Barcelona und drei Tage später gegen Frankfurt noch niemand rechnete, ist Normalität geworden.

Rensings Weggang wahrscheinlich

Butt hat Rensing verdrängt. Klinsmann betont gebetsmühlenartig Rensings großes Potential und sagt ihm eine erfolgreiche Zukunft im Bayern-Trikot voraus. Wirklich überzeugt war er vom 24-jährigen Torhüter jedoch nie. Klinsmann wollte Jens Lehmann mit nach München bringen, scheiterte mit seinem Vorhaben aber am Veto des Aufsichtsrats.

Rensings Zukunft in München hängt maßgeblich von Klinsmann ab. Darf der Coach über die Saison hinaus bleiben, ist ein Weggang wahrscheinlich. Rensing hat geduldig das Ende der Kahn-Ära abgewartet und mehrere Angebote von anderen Vereinen ausgeschlagen, um endlich die Nummer eins zu werden. Umso heftiger trifft ihn die Degradierung zum Ersatzkeeper.

Klinsmann fordert "zwei, drei hochkarätige Spieler"

Unabhängig vom Ausgang der Saison und der Zukunft von Jürgen Klinsmann sehen die Bayern-Bosse in der Torhüterfrage Handlungsbedarf. Klinsmann fordert gar "zwei, drei hochkarätige Spieler". Allem Anschein nach wird einer der drei Neuen ein Keeper sein. Erste Kandidaten wurden bereits beobachtet, erste Kontakte geknüpft. Welche Torhüter stehen zur Auswahl und wer passt überhaupt in Klinsmanns Anforderungsprofil des modernen Keepers? Eine Auswahl.   

Robert Enke (31/Hannover 96, Vertrag bis 2010)

Deutschlands aktuelle Nummer eins hat seine Nibelungentreue zu 96 gelockert und mehrfach öffentlich seinen Wechselwunsch kundgetan. Klubchef Martin Kind signalisierte über die Osterfeiertage Gesprächsbereitschaft, sollte es eine Anfrage für Enke geben.

Trainer Dieter Hecking hält nichts davon, "unseren besten Spieler ins Schaufenster zu stellen" und glaubt nicht, dass es für Enkes Karriere entscheidend sei, ob dieser mit seinem Klub international oder in der Bundesliga für Hannover spiele. Aber Enkes Ende bei 96 steht unmittelbar bevor. Doch der Nationalkeeper hat auch seinen Preis. Auf die Frage, ob eine Summe von fünf bis acht Millionen Euro als Ablöse realistisch seien, sagt Hannovers-Boss Martin Kind: "Das ist mir zu wenig." Das Feilschen um den 96-Schlussmann könnte also bei rund zehn Millionen Euro losgehen.

Über Enkes Klasse ist jeder Zweifel erhaben. Zudem träfe er in München einen guten Bekannten: Mit Bayern-Torwarttrainer Walter Junghans arbeitete Enke bei Benfica Lissabon zusammen.

DFB-Torwarttrainer Andreas Köpke hält große Stücke auf Enke und könnte seinem Kumpel Klinsmann den Nationaltorhüter schmackhaft machen.

Carlos Kameni (25/Espanyol Barcelona, Vertrag läuft aus)

Der Kameruner gilt als größtes Torwarttalent des afrikanischen Kontinents, unterliegt aber extremen Schwankungen. Kameni wurde in der letzten Saison zum besten Torhüter der Primera Division gewählt, im November 2008 dann zum schwächsten Keeper des Monats.

Laut "Sport-Bild" haben die Bayern Kameni mehrmals beobachten lassen. Bayerns Ex-Torwarttrainer Sepp Maier sagte, dass Kameni bereits vor der Saison in München im Gespräch war. Der 25-Jährige ist einem Wechsel nicht abgeneigt. "Bayern ist ein Klub mit großer Tradition dank Spielern wie Franz Beckenbauer, Sepp Maier oder Lothar Matthäus. So eine Topmannschaft ist auf jeden Fall ein Thema für mich", sagte Kameni der "Sport-Bild".

Für Kameni spricht sein auslaufender Vertrag, gegen ihn seine Defizite in der Strafraumbeherrschung und sein aufbrausendes Gemüt. Im Januar würgte Kameni einen Fan, weil dieser ihn nach einem Fehler gegen Bilbao aufgefordert hatte, seinen Vertrag nicht zu verlängern. "Was willst du? Willst du sterben?", schrie Kameni, bevor Mitspieler den Zwist beendeten.

Sebastien Frey (29/AC Florenz, Vertrag bis 2013)

Der Franzose wird seit Jahren immer wieder mit dem FC Bayern in Verbindung gebracht. Landsmann Franck Ribery machte eifrig Werbung für seinen Landsmann. Die Zeitung "El Mundo Deportivo" berichtete, dass sich Freys Berater Giovanni Branchini während des Bayern-Gastspiels in Barcelona im Mannschaftshotel der Münchner aufhielt.

Frey ist ein guter Fußballer und stark im Abfangen von Flanken. Damit kann man bei Klinsmann punkten. Auf der Linie gibt es aber sicher bessere Torhüter. Zudem wäre Frey teuer, sein Marktwert liegt bei über zehn Millionen Euro.

 

Rene Adler (24/Bayer Leverkusen, Vertrag bis 2012)

Der Nationalkeeper hat eine Ausstiegsklausel im Vertrag. Für angeblich 20 Millionen Euro darf Adler Bayer Leverkusen verlassen - zu viel für die Bayern.

Adler kann mit beiden Füßen chirurgisch genaue Pässe schlagen und beteiligt sich bei Bayer mitunter am Aufbauspiel. Seine Nerven hat der 24-Jährige aber nicht immer im Griff.

 

 

 

Gianluigi Buffon (31/Juventus Turin, Vertrag bis 2013)

Für viele ehemalige und aktuelle Torhüterkollegen der derzeit beste Keeper weltweit. Die italienische Zeitung "Tuttosport" will erfahren haben, dass Juventus Turin erwägt, den Bayern Buffon im Tausch gegen Franck Ribery anzubieten.

Turins Präsident Giovanni Cobolli Gigli erklärte zudem, über einen Verkauf des Weltmeisters bei entsprechenden Angeboten nachzudenken. Um Buffon zu bekommen, dürften allerdings 25 Millionen Euro kaum reichen.

 

 

Guillermo Ochoa (23/CF America/Mexiko, Vertrag bis 2010)

Der Unbekannte, zumindest in Europa. Ochoa ist aber immerhin mexikanischer Nationaltorhüter und verfügt mit seinen 23 Jahren bereits über jede Menge Erfahrung. Im Alter von 18 Jahren wurde Ochoa die Nummer eins bei CF America. Er ist ein mitspielender Torhüter, steht oft weit vor seinem Tor und fängt so lange Bälle der Gegner ab. Zudem hat Ochoa eine für seine verhältnismäßig kleine Körpergröße (1,83 m) überragende Sprungkraft und ist in Mexiko für seine spektakulären Paraden bekannt.

Bei Bayern würde Ochoa einem Landsmann begegnen. Co-Trainer Martin Vasquez hat neben dem amerikanischen auch den mexikanischen Pass. Ochoas Marktwert liegt bei fünf Millionen Euro.

Samir Handanovic (24/Udinese Calcio, Vertrag bis 2012)

Der Slowene gilt als eines der größten Keeper-Talente der Serie A. Nachdem Handanovic 2004 von NK Domzale zu seinem jetzigen Klub Udinese Calcio wechselte, wurde er an mehrere Vereine ausgeliehen, damit er Erfahrungen sammeln konnte.

Nahm in den vergangenen Jahren eine stetige Entwicklung und wurde auch bereits bei Juve als Buffon-Nachfolger gehandelt. Ist mit seinen 1,93 m ein Hüne und verfügt über großartige Reflexe auf der Linie. Ist auch einer der Garanten dafür, dass Slowenien in der WM-Qualifikation noch im Rennen ist.

 

Artur Boruc (29/Celtic Glasgow, Vertrag bis 2011)

Der Pole verfügt mit seinen 29 Jahren über viel Erfahrung. Spielte mit der WM 2006 und der EM 2008 bereits zwei große Turniere. Sein Talent ist unumstritten.

Bei der WM in Deutschland zeigte er gegen die deutsche Nationalmannschaft etliche Glanzparaden und hielt sein Team im Spiel. Doch Boruc leistet sich auch unverzeihliche Aussetzer. So zum Beispiel beim WM-Qualifikationsspiel gegen Nordirland, als er unbedrängt über den Ball trat.

Sein Marktwert liegt bei geschätzten zehn Millionen Euro. Zudem war nach englischen Medienberichten der FC Bayern schon im Sommer 2008 an dem Celtic-Keeper dran.

Volkan Demirel (27/ Fenerbahce Istanbul, Vertrag läuft aus)

Der türkische Nationalspieler gilt als Heißsporn, bringt einen großen Erfahrungsschatz mit und zeigt sowohl bei seinem Klub als auch in der Nationalmannschaft seine Klasse.

Wäre am Ende der Saison ablösefrei zu haben, da sein Vertrag am Ende der Saison ausläuft. Fraglich ist jedoch, ob die Bayern-Bosse ihm das Vertrauen schenken, da Demirel als überaus temperamentvoll gilt und sich bereits die ein oder andere Rote Karte eingehandelt hat.

 

 

Der Kader des FC Bayern im Überblick

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