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Fussball

"Das ist Kapital schädigend"

Von Martin Hoffmann
Alle gegen die Eintracht: Schiedsrichter Stark zeigt Torhüter Pröll die Gelbe Karte
© Getty

Eintracht Frankfurt steht vor dem Spiel gegen den KSC (Sa., 15 Uhr im LIVE-TICKER und bei Premiere) am Scheideweg. Nur mit einem Sieg können sich die Hessen etwas Luft im Abstiegskampf verschaffen. Ex-FrankfurterThomas Berthold fährt bei SPOX schwere Geschütze gegen Trainer Funkel und den gesamten Verein auf.

Es war eine symptomatische Szene im Spiel der Eintracht gegen Wolfsburg. Marcel Schäfer legte sich den Ball zum Freistoß zurecht, lief an und schoss. In der Mauer sprang Frankfurts Leonard Kweuke hoch und bekam die Kugel mit voller Wucht gegen die Hand, die er schützend vor sein Gesicht gehalten hatte.

Vor einem Jahr wäre die Eintracht vielleicht nicht mit einem Elfmeter bestraft worden. Doch in dieser Saison läuft eben vieles in die falsche Richtung. Schiedsrichter Wolfgang Stark zeigte auf den Punkt und Zvjezdan Misimovic verwandelte den Strafstoß zum 2:0 für die Wölfe.

Nach nur einem Punkt aus den ersten drei Rückrundenspielen steht Frankfurt nur noch drei Zähler vor dem Relegationsplatz. Das Spiel in Karlsruhe am Samstag gerät damit unverhofft zur Weichenstellung für die nähere Zukunft der Eintracht. Und ihres Tainers.

Das sieht auch der Ex-Frankfurter Thomas Berthold so. Im Gespräch mit SPOX mahnt der Weltmeister: "Das ist purer Abstiegskampf, der am Wochenende ansteht. Da sind echte Typen gefragt. Wenn es schief geht, sitzt Funkel auf einem Pulverfass."

Zweites Schicksalsspiel gegen den KSC

Zur Erinnerung: Schon in der Hinrunde musste die Eintracht gegen den KSC unbedingt gewinnen, um den Coach zu retten. Bis zur 83. Minute lagen die Hessen mit 0:1 hinten. Dann brachten Benni Köhler und der eingewechselte Ioannis Amanatidis doch noch die Wende.

Amanatidis fehlt seitdem verletzt und ist damit nicht der einzige Stammspieler, den Funkel am Samstag ersetzen muss. Neben dem torgefährlichen Griechen kommt auch für die beiden Sommer-Neuverpflichtungen Korkmaz und Bajramovic ein Einsatz zu früh.

Keine Frage: Die Eintracht hat in dieser Saison nicht gerade das Glück gepachtet. Strittige Schiedsrichterentscheidungen und ein außergewöhnliches Verletzungspech ziehen sich wie ein roter Faden durch die Saison.

"Das ist Kapital schädigend"

Das schlechte Abschneiden der Frankfurter aber allein daran festzumachen, wäre aber falsch. "Seit einiger Zeit schafft man es nicht, aus dem Abstiegskampf rauszukommen. Man muss natürlich schon nach den Ursachen dafür fragen", so Berthold.

Vor allem an Funkels Umgang mit der 3,8-Millionen-Verpflichtung Caio erhitzten sich in der Vergangenheit die Gemüter.

Wieso der Brasilianer bei Funkel kaum zum Einsatz kommt, kann Thomas Berthold nicht nachvollziehen: "Warum wird ein Spieler geholt, den der Trainer anscheinend gar nicht wollte? Was in Frankfurt derzeit passiert, ist Kapital schädigend."

Dabei kämpft der Brasilianer nach wie vor mit Anpassungsproblemen und konnte den Nachweis seiner Bundesligatauglichkeit bislang nicht erbringen. Berthold sieht die Schuld dafür bei Funkel: "Ein Spieler wird nur fit, wenn er regelmäßig spielt. Funkel muss darüber nachdenken, ob er es sich leisten kann, Caio weiter auf der Bank zu lassen."

Viertschlechteste Abwehr der Liga

Caios Status als Hoffnungsträger liegt nicht zuletzt an den schlechten Leistungen, die Funkels lange verletzter "Lieblingsschüler" Alexander Meier in der Rückrunde bislang im Mittelfeld ablieferte.

"Bei Alex Meier ist keine Weiterentwicklung zu erkennen. Gerade an seinem Umgang mit jungen Spielern wird ein Trainer in Frankfurt sich aber messen lassen müssen", kritisiert Berthold die Arbeit des Trainers mit den Eintracht-Talenten.

Die Diskussion um die Besetzung der Spielmacher-Position täuscht allerdings nur über das eigentliche Problem der Frankfurter hinweg: Mit 35 Gegentreffern stellt die Eintracht die viertschlechteste Defensive der Liga. Der Abgang des griechischen Verteidiger-Hünen Sotirios Kyrgiakos zu Saisonbeginn hinterließ ein tiefes Loch, das weder Habib Bellaid, noch Marco Russ oder Chris adäquat füllen konnten.

In der Winterpause wollte Funkel darum eigentlich nachrüsten. Aber der Vorstand vertraute lieber darauf, dass Chris schnell wieder sein altes Leistungsniveau zurückfinden und der Innenverteidigung die erhoffte Stabilität geben würde. Doch der Brasilianer holte sich gegen Köln eine Rote Karte ab und wird Funkel darum auch am Wochenende fehlen.

Auch Bruchhagen in der Kritik

Ein weiterer Grund für die Skepsis, die Funkel und dem Vorstandsvorsitzenden Heribert Bruchhagen in Frankfurt inzwischen vielerorts entgegen schlägt, ist die trockene Art, in der das Duo seine Arbeit nach außen verkauft.

Markige Sprüche bekommt man von den beiden in der Öffentlichkeit nur selten zu hören. Bruchhagen weist lieber gebetsmühlenartig auf die finanziellen Schwächen hin, die die Eintracht im Vergleich mit anderen Bundesligisten noch hat.

"Das sportliche Ranking entspricht den Etats. Wir haben 25,5 Millionen, die Bayern haben 151 Millionen, andere haben 50, 60, 70 Millionen", klagte Bruchhagen vor einiger Zeit im SPOX-Interview.

Berthold: "Caio und Fenin waren völlig überteuert"

Thomas Berthold hält von diesen Aussagen wenig: "Wenn man sagt, man hat nur ein begrenztes Budget, dann muss ich mir die Frage stellen, warum ich so viel Geld für Caio und Fenin ausgebe, die völlig überteuert waren."

Auch vielen Anhängern stößt Bruchhagens Understatement sauer auf. Sie beklagen die Politik der kleinen Schritte und mangelnde Visionen. Keine Frage: Die Ansprüche in Frankfurt sind wieder gestiegen.

Ein Zeichen dafür waren auch die Querelen um Funkels neuen Vertrag, der erst nach längerem Streit mit dem Aufsichtsrat verlängert wurde. Thomas Berthold hat Zweifel, ob der Trainer noch das volle Vertrauen im Klub genießt. "Die Differenzen mit dem Aufsichtsrat lassen sich ja nicht von der Hand weisen. Vielleicht wollte man den eigentlichen starken Mann, Heribert Bruchhagen, nicht verstimmen und hat den Vertrag darum einfach abgenickt."

Funkel verbreitet Zweckoptimismus

Der Frankfurter Coach kämpft also gleich an mehreren Fronten und steht mit dem Rücken zur Wand. Die erhoffte Signalwirkung, die die hart erkämpfte Vertragsverlängerung eigentlich haben sollte, ist verpufft.

Das Spiel gegen Karlsruhe ist darum auch für Funkel richtungsweisend. Mit einem Sieg könnte er seine Kritiker im Umfeld vorerst mundtot machen.

Etwas anderes als Zweckoptimismus bleibt dem 55-Jährige im Moment daher nicht übrig: "Selbst wenn wir gegen den KSC verlieren sollten, ist noch nichts passiert. Sicher ist nur eins: Wir werden nicht absteigen!"

Alle Daten und Fakten zu Eintracht Frankfurt

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