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Fussball

Ein Wolf gegen den Virus

Von Stefan Rommel
Sebastian Freis vergab gegen den VfL Bochum mehrere gute Chancen
© Imago

Der 18. Spieltag der Bundesliga beweist: Die Bayern sind nicht unschlagbar, Robert Enke ist zurück, Schalke hat ein Problem mit der Realität, Schlusslicht Mönchengladbach kann plötzlich richtig gut verteidigen und der Karlsruher SC tut endlich was gegen seine offensichtlichen Probleme. Das Liga-Zapping zum 18. Spieltag.

VfL Bochum - Karlsruher SC 2:0: Neues Jahr, altes Problem: Der Karlsruher SC spielte im Abstiegsduell gegen den VfL Bochum durchaus ansehnlich und zeigte für einen Abstiegskampf auch feine Kombinationen, doch wie schon in der Vorrunde war im Strafraum Schluss mit der Herrlichkeit. Ede Becker hatte zwar auf die noch torlosen Joshua Kennedy und Edmond Kapllani verzichtet, doch der Top-Torschütze der Badener, Sebastian Freis, hat sich über den Winter wohl mit dem Torlos-Virus der beiden infiziert und versemmelte wie schon im DFB-Pokal beste Chancen.

Nun soll der Regionalliga-Torschützenkönig der Saison 2007/08 Abhilfe schaffen. Mahir Saglik wurde bis zum Saisonende vom VfL Wolfsburg ausgeliehen. Dort hat er in acht Spielen immerhin schon einmal getroffen. Allerdings hat Saglik bei seinen letzten sechs Einsätzen auch nicht getroffen. Zur SPOX-Analyse

Werder Bremen - Arminia Bielefeld 1:2: Endlich, endlich, endlich ist der 11. August 2007 nicht mehr das bestimmende Thema, wenn die Arminia aus Bielefeld auf Auswärtsfahrten geht. An diesem Tag schaffte Bielefeld den letzten Auswärtssieg (3:1 in Wolfsburg) - bis zum jetzigen Auftritt in Bremen. Dort, wo es in der letzten Saison noch eine 8:1-Packung gab und für die Arminia in ihrer Bundesligageschichte überhaupt noch keinen Sieg gegeben hatte.

Besonders erleichtert war Trainer Michael Frontzeck, der sichtlich genervt war von den ständigen Berichten über die Negativserie. "Wir haben sicherlich auswärts schon besser gespielt, aber nicht gewonnen. Heute ist das Ergebnis fantastisch, damit endlich mal diese leidige Diskussion aufhört, dass wir 63 Auswärtsspiele nicht mehr gewonnen haben!" Zur SPOX-Analyse

Borussia Dortmund - Bayer Leverkusen 1:1: Wie oft Bruno Labbadia diesen einen Satz wohl schon gesagt hat? "Am meisten ärgert es mich für die Mannschaft, dass sie sich nicht belohnt hat." Das 1:1 von Dortmund war einmal mehr ein Paradebeispiel dafür, dass Labbadias Mannschaft immer noch eine Sache elementar fehlt: der Killerinstinkt.

Chance um Chance erspielte sich Bayer in der zweiten Halbzeit beim BVB, mehr als der Ausgleich von Patrick Helmes wollte aber nicht mehr rausspringen. Immerhin besiegte die Werkself nach einer zünftigen Ansprache Labbadias in der Pause ihr leidiges Phlegma und zeigte, wozu sie spielerisch im Stande ist. Dortmund, das wie schon im Pokal gegen Bremen in der zweiten Halbzeit deutlich abbaute, war nur noch stiller Beobachter und bekam seine Grenzen deutlich aufgezeigt. Nur das Ergebnis spiegelte die Kräfteverhältnisse nicht wider. Zur SPOX-Analyse

Hannover 96 - Schalke 04 1:0: Zarte 27 Punkte hat der FC Schalke 04 nach 18 Spieltagen auf dem Konto, gerade 0:1 beim Krisenklub Hannover vergeigt - und trotzdem waren Manager und Trainer guter Dinge. Andreas Müller und Fred Rutten wollten der Niederlage nicht zu große Bedeutung beimessen, schließlich spielte ihre Elf fast 90 Minuten auf ein Tor und nur Pech, ein ganzer Batzen Unvermögen und ein exzellenter Keeper Robert Enke - unter den Augen von Bundestorwarttrainer Andy Köpke - verhinderten einen klaren Erfolg. So weit alles stimmig.

"Und außerdem haben wir ja noch neun Heimspiele und alle unsere Konkurrenten müssen noch zu uns", parlierte Müller trotzig. Wo genau jetzt aber der Zusammenhang zwischen vermeintlich tollem Restprogramm und drei sorglos weggeworfenen Punkten sein sollte, konnten weder Müller noch Rutten erklären. Die Vermutung liegt nahe, dass es sich nur ums obligatorische Pfeifen im Walde handelt. Ach ja: Kevin Kuranyi, mit sechs Toren Schalkes erfolgreichster Stürmer, schmorte über eine Halbzeit lang auf der Bank. Zum Spielbericht

Hertha BSC - Eintracht Frankfurt 2:1: Da war sie wieder, die mysteriöse Hertha. Marko Pantelic feiert unter der Woche bis in die Puppen, spricht vor dem Spiel zum gefühlten 1000. Mal vom Abschied und schießt die ersatzgeschwächte Hertha dann mit aller Selbstverständlichkeit dieser Welt zum Sieg. Wirklich perfekt ins bizarre Bild hätte gepasst, hätte der Serbe auch noch den Foulelfmeter in der ersten Halbzeit ge-, oder besser: verschossen.

Da sich aber Cicero dieser Aufgabe annahm und selbstredend kläglich scheiterte, hielten zumindest noch zwei kleine Serien: Die Berliner sind die Elfer-Trottel der Liga und Frankfurts Torhüter Markus Pröll so etwas wie der Elfer-Killer der Liga. Den vierten der letzten sieben Elfmeter hielt Pröll. Nur zu dumm, dass er nach knapp einer Stunde verletzt vom Feld musste. Jan Zimmermann, sonst Fänger in Eintrachts Amateurteam in der Regionalliga Süd, kam zu seinem vierten Bundesligaeinsatz und hielt seinen Kasten sauber. Zum Spielbericht

1899 Hoffenheim - Energie Cottbus 2:0: Und weil's so schön ist, gleich noch einer: Timo Hildebrand verließ die Bundesliga einst als deutscher Meister. Jetzt kehrte er in Hoffenheim auf die Bühne zurück und will was werden? Deutscher Meister. Doch gleich im ersten Spiel gab's einen herben Rückschlag: 221-mal stand Hilde von Beginn an für den VfB Stuttgart im Tor. 221-mal spielte er die Partie bis zum Schlusspfiff zu Ende. Doch gleich bei seiner Premiere in Hoffenheim gab's eine Premiere für Hildebrand: Aus nach 60 Minuten wegen einer schmerzhaften Becken- oder Schambeinprellung.

Immerhin machte der zweite Zugang Boubacar Sanogo nur drei Minuten später mit dem 2:0 den Sack zu. Gegen einen Gegner wie Energie reicht ein Zwei-Tore-Vorsprung auch eine halbe Stunde vor Spielende fast schon zum sicheren Sieg. Schließlich scheint sich die Vokabel "Offensivspiel" noch nicht so ganz ihren Weg bis in die Lausitz gebahnt zu haben. Ein wenig mehr Abenteuer stünde auch einem Abstiegskandidaten beim Tabellenführer gut zu Gesicht. Läppische zwölf erzielte Tore nach 18 Spielen kommen nun mal nicht von ungefähr... Zur SPOX-Analyse

1.FC Köln - VfL Wolfsburg 1:1: Spiel eins nach der Poldi-Manie. Oder, um es kölsch zu sagen: Noch 16 Spiele bis zum neuen Messias. Das Remis gegen Wolfsburg geht aus zwei Gründen absolut in Ordnung: Erstens entspricht es voll und ganz dem - und Köln wird das gerne hören - gefühlten Mittelmaß des FC. Übrigens dank eines Treffers des Ex-Wolfsburgers Sergiu Radu.

Und zweitens hat die Liga damit neben den Elfer-Trotteln auch weiterhin einen seiner Auswärts-Trottel. Neben Bochum, Hannover und Bielefeld wartet nämlich auch der sehr ambitionierte VfL immer noch auf den ersten Sieg in fremden Stadien. Zehn Spiele lang schon.

Hier gilt das selbe wie für Energie Cottbus, nur leicht abgewandelt: Im Kampf um die internationalen Plätze darf man getrost auch mal auswärts gewinnen. Zum Spielbericht

VfB Stuttgart - Borussia Mönchengladbach 2:0: Das 0:1 der Bayern beim HSV ließ auch die Stuttgarter "Leistung" unter der Woche im DFB-Pokal gegen eben jene Bayern in einem noch finsteren Licht erscheinen. Also war man gespannt auf den Auftritt gegen Schlusslicht Mönchengladbach - und wurde abermals enttäuscht. Das einzig Positive war aus Stuttgarter Sicht das Ergebnis. Ansonsten bleiben weiter viele Fragen.

Gemessen am Leistungsvermögen war nämlich Gladbach die bessere Mannschaft. Trainer Hans Meyer integrierte einen Teil seiner Zugänge ins neue, defensivere System und erreichte etwas für Gladbacher Verhältnisse völlig Verrücktes: Stabilität und eine vernünftige Grundordnung. "Die haben ein System gespielt, das habe ich zuletzt vor 60 Jahren gesehen", motzte auch Stuttgarts Mario Gomez - fast schon ein Kompliment. Dass es trotzdem nicht für mehr reichte, war einem dummen Aussetzer und der Tatsache geschuldet, dass die Borussia die deutlich sichtbare Stuttgarter Verunsicherung nicht zielstrebiger ausnutzte. Zur SPOX-Analyse

Hamburger SV - Bayern München 1:0: Und wieder mal der HSV. Diesmal allerdings der aus Hamburg. Im September hielt Hannover 96, der "kleine" HSV, die Null gegen die Bayern. Vier Monate und 17 Spiele ohne Niederlage später schaffte der "große" HSV selbiges. Ein Garant - neben Bayerns Schludrigkeit im Abschluss: Torhüter Frank Rost.

Der Routinier hielt formidabel und heimste sich nach dem Spiel sogar ein dickes Kompliment von beinahe allerhöchster Stelle, zumindest aber von Querkopf zu Querkopf ein.

"Ich habe den Torhüter Rost immer gemocht und ich verstehe auch nicht, warum der nicht ein einziges Länderspiel gemacht hat", erzählte Mehmet Scholl dem ARD-Mikrophon.

Weniger gütlich dürfte Scholls Urteil über seinen Ex-Kollegen Michael Rensing ausgefallen sein. Der sah bei Mladen Petric' Gegentreffer und auch davor bei Piotr Trochowskis Pfostenschuss nämlich nicht besonders gut aus. Zur SPOX-Analyse

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