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Fussball

Bundesliga-Ruf lockt die Serie-A-Stars

Von Christian Bernhard
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© Getty

München - Luca Toni hat beim FC Bayern wie eine Bombe eingeschlagen. Der smarte Italien-Export erfüllte bisher mit neun Bundesligatoren alle Erwartungen. 

Der 30-Jährige ist der erste Serie-A-Spieler seit langer Zeit, der den Sprung Richtung Norden gewagt hat. Doch bald schon könnten weitere seinem Beispiel folgen.

Alessandro Beltrami, Spielerberater von Valon Behrami (Lazio Rom), bestätigte gegenüber SPOX.com, dass es "indirekt" bereits Kontakt zu den Bayern gegeben habe. "Ein gewisses Interesse der Bayern an Valon war durchaus zu spüren. Die Münchner sind aber nicht die einzigen: Auch der HSV, Stuttgart und Dortmund haben bereits Interesse gezeigt", so Beltrami.

Spielerberater schwärmen von der Bundesliga

Der 22-jährige Schweizer ist aber nicht der einzige Serie-A-Spieler, der das Interesse von verschiedenen Bundesligisten auf sich gezogen hat. Mit Adriano und Gennaro Gattuso waren in letzter Zeit auch immer häufiger große Namen bei deutschen Vereinen im Gespräch. Angeblich stehen zudem die beiden Roma-Spieler Daniele de Rossi und Amantino Mancini auf dem Wunschzettel der Bayern. Beltrami bestätigte, dass auch Goran Pandew und Gaby Mudingayi (beide Lazio Rom) von deutschen Mannschaften beobachtet wurden. Ein Zufall?

Wohl nicht. SPOX.com hat sich bei italienischen Spielerberatern umgehört und bekam dabei durch die Bank Lobeshymnen auf die Bundesliga zu hören.

"Die Bundesliga genießt einen fantastischen Ruf", sagt Stefano Antonelli, Geschäftsführer beim FC Turin. Antonelli ist ein Kenner der Szene, bis vor wenigen Monaten hatte er als Spielerberater die Weltmeister Fabio Grosso, Andrea Barzagli und Marco Amelia unter seinen Fittichen. "Die Bundesliga steht für qualitativ hochwertigen Fußball und für den Sport in seiner reinsten Form. Zudem ist das Profi-Umfeld in Deutschland bei weitem nicht so stressig wie in Italien. Ideale Bedingungen also."

WM 2006 als Zugpferd

Silvano Martina, Berater von Juve-Torhüter Gianluigi Buffon und Nemanja Vidic (Manchester United), schlägt in die gleiche Kerbe: "Der deutsche Fußball bewegt sich auf höchstem Level. Ich persönlich finde die Bundesliga sogar attraktiver als die Premier League, da in Deutschland taktisch besser gespielt wird als in England." Eine Empfehlung nach der anderen aus dem Land des Weltmeisters.

Ein Hauptgrund für den Aufschwung der Bundesliga ist in den Augen der italienischen Berater die Weltmeisterschaft 2006. "Die WM hat der Bundesliga zu ungeahnten Höhen verholfen", meint Giuseppe Bozzo, der Simone Perrotta (AS Rom) und Antonio Cassano (Sampdoria Genua) betreut. "Die Weltmeisterschaft hat viele italienische Spieler auf die Bundesliga aufmerksam gemacht, da die deutschen Stadien ein Traum für jeden Fußballer sind."

Cassano hatte Angebote aus Deutschland

Anscheinend auch für große Namen. Bozzo verriet nämlich, dass im Sommer "deutsche" Angebote für Antonio Cassano bei ihm eingegangen waren: "Einige Bundesligavereine haben Interesse bekundet. Antonio wollte aber in Italien bleiben, deshalb wurden die Verhandlungen nicht vertieft."

Der zweite Hauptgrund für den Bundesliga-Aufschwung in Italien hört auf den Namen Luca Toni. (Toni über Spieler aus der Serie A in der Bundesliga - als Video bei SPOX.TV)

Antonelli und Beltrami sind sich einig, dass der Erfolg des Bayern-Torjägers einen großen Einfluss auf die vermehrten Aktivitäten zwischen Italien und Deutschland hat. "Der Erfolg von Toni hat die Kontakte zwischen Deutschland und Italien um ein Vielfaches erhöht, da nun viele deutsche Mannschaften Interesse an italienischen Spielern zeigen."

Toni selbst sagte der "AZ": "Es gibt einige Spieler aus der Squadra Azzurra, die sich immer wieder bei mir über den FC Bayern erkundigen. Dieser Klub hat seinen Reiz und ist weltweit eine bekannte Größe".

Bundesliga hat finanziell aufgeholt

WM hin und Luca Toni her, am Ende spielt bei Spielerwechseln aber immer noch der finanzielle Aspekt die Hauptrolle.

Und auch da hat der deutsche Fußball anscheindend mächtig aufgeholt. "Die Bundesliga hat uns mittlerweile von der Kaufkraft her überholt", sagt Oscar Damiani, unter anderem Berater von Lilian Thuram (Barcelona), Christian Panucci (AS Rom) und Mickael Silvestre (Manchester United). "In Italien gibt es inzwischen keine Mittelschichtenklubs mehr. Die Schere zwischen reichen und 'armen' Vereinen wird immer größer."

Martina sieht das genau so: "Vereine wie Inter und Milan können finanziell alles stemmen. Für die kleinen Klubs gilt das aber nicht. Zudem sind die Steuern auf die Spielergehälter nirgendwo so hoch wie in Italien. Für die Spieler ein Grund mehr, ins Ausland zu wechseln".

Gewaltszenen machen Spieler nachdenklich

Die Szenen der Gewalt rund um Italiens Stadien könnten ein weiterer Grund für solch einen Schritt sein. In diesem Punkt gehen die Meinungen aber auseinander.

Während Bozzo und Damiani sich keine größeren Sorgen machen ("Das spielt bei den Entscheidungen der Spieler keine Rolle"), sehen Beltrami und Claudio Pasqualin, der Superstars wie Alessandro Del Piero, Gennaro Gattuso und Filippo Inzaghi vertritt, durchaus Probleme auf die Serie A zukommen.

"Bei einem vergleichbaren Angebot aus Spanien und Italien entscheidet sich ein Spieler heute aufgrund der chaotischen Verhältnisse in Italien für die Primera Divison", sagt Pasqualin.

"Deutsche Vereine dürfen sich gerne bei mir melden"

Beltrami meint dazu, dass sein Schützling Behrami "irgendwann ins Ausland wechseln möchte, da ihn die negativen Ereignisse um den Fußball nachdenklich stimmen. Valon liebt die Bundesliga und die Premier League."

Es dürfte also nur noch eine Frage der Zeit sein, bis die Bundesliga den nächsten Serie-A-Star begrüßen kann. Buffon-Berater Martina sagt: "Ich glaube, dass heute nur mehr wenige Serie-A-Spieler einen Wechsel nach Deutschland ablehnen würden", und fügt lächelnd hinzu: "Die deutschen Vereine dürfen sich gerne bei mir melden."

Bundesliga-Manager, bitte übernehmen Sie!

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