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Fussball

Am liebsten gegen die Großen

Von Andreas Allmaier
Thomas Doll, Borussia Dortmund, Roman Weidenfeller
© Getty

München - In den vergangenen Tagen und Wochen wurde derart hart auf Borussia Dortmund eingeprügelt, dass sich Thomas Doll mit einer ungewöhnlichen Rechnung zu wehren versuchte.

"Wir sind momentan auf Augenhöhe mit Berlin, Wolfsburg und Hannover, aber noch nicht mit den Top 6 der Liga", erklärte der Coach der "Sport Bild". Zu diesen Top 6 zählt Doll Bayern, Stuttgart, Bremen, Leverkusen, Schalke und Hamburg. "Statistisch gesehen spielen wir an jedem dritten Spieltag gegen eine Hammermannschaft. Da rappelt es, das ist normal."

Gegen die Großen gibt's für den BVB also nichts zu holen außer jede Menge Haue, so die These.

8 von 18 Punkten gegen die Top-6-Teams

Das recht beeindruckende 2:1 beim VfB Stuttgart strafte Doll Lügen - mal wieder. Denn ein Blick auf die Ergebnisse zeigt: Die großen Teams sind in dieser Saison nicht das Problem des BVB!

Gegen Top-6-Team Bremen gewann Dortmund 3:0, gegen Top-6-Team Bayern München holte Dortmund ebenso ein Remis wie gegen Top-6-Team Leverkusen und jetzt gab's gegen das Top-6-Team Stuttgart den ersten Dreier seit acht Wochen. 8 der 18 Punkte kamen so zustande.

Die drei Zähler in Stuttgart verdiente sich Dortmund mit einer überraschend couragierten, aggressiven und spielstarken Darbietung. Die schwarz-gelb gewandeten Spieler rackerten und rannten als wären sie, und nicht etwa der VfB, an diesem Tag der Gastgeber. Der stärkere Wille und höhere Einsatz in der Schlussphase wurde mit dem Siegtreffer durch Petric belohnt und provozierte die Frage, wo der BVB dieses Potential so häufig so erfolgreich versteckt.

Rennen für Doll

Wo liegen die Gründe der Leistungsexplosion im Vergleich zum kläglichen Auftritt in Nürnberg (0:2) am vergangenen Sonntag?

"Wir haben auch für den Trainer gespielt", sagte Sebastian Kehl. "Es war wichtig, dass wir als Mannschaft aufgetreten sind."

Bei der Jahreshauptversammlung von Borussia Dortmund vergangenen Montag wurde genau diese Mannschaft noch mit Pfiffen und Buhrufen bedacht.

"Wir haben zu viel in die Fresse bekommen von den Medien", meinte Stürmer Nelson Valdez.

"Fast wäre das in Schlägereien ausgeartet"

Auch deshalb versammelte sich die Mannschaft am Freitagabend ohne Doll, mit dem Ziel, der Krise Herr zu werden. Was ist da genau passiert?  "Es ging darum, dass jeder weiß, wie der andere  tickt, dass jeder weiß, was für die jeweilige Position wichtig ist. Ich denke, dass wir das heute gut umgesetzt haben," sagte Florian Kringe bei Premiere. Sollte solchen Gesprächen immer ein Auftritt wie jener im Daimlerstadion folgen, kann man den BVB-Profis nur raten, sich ab sofort jede Woche ohne Bosse zum kritischen Gedankenaustausch zu treffen.

Valdez hob freilich auch die Bedeutung der letzten Trainingseinheiten hervor, bei denen es offenbar wie bei den Bremern beinahe zu Faustkämpfen gekommen wäre: "Wir haben dort viele Zweikämpfe geübt und waren aggressiv. Fast wäre das in Schlägereien ausgeartet."

"Ruhe kommt in Dortmund nie auf"

Beim Schlusspfiff lagen sich jene martialisch auf Kampf gedrillten Männer aber wieder in den Armen. "Die Art und Weise, wie wir gewonnen haben, sorgt für Erleichterung", kleidete Sportdirektor Michael Zorc die Grundstimmung in Worte.

Doch ausgerechnet Doll wollte nicht so recht in die Euphorie miteinstimmen: "Das waren drei wichtige Punkte, aber Ruhe kommt in Dortmund nie auf." Möglicherweise hatte er da schon das nächste Wochenende im Sinn.

Am Freitag spielt Dortmund zu Hause gegen Bielefeld - und die Arminia ist nun wirklich kein Top-6-Team. Könnte also schwer werden für den BVB.

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