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Fussball

Denn das Gute liegt so nah

Von Stefan Rommel
© Imago

München - Uli Hoeneß wirkte sehr aufgeräumt und entspannt. Dabei hatte er doch gerade das heikle Treffen mit den Bayern-Fanklubs hinter sich, darunter auch die widerspenstige Schickeria und der Club Nr. 12.

"Wir haben uns ausgesprochen. Alles wunderbar", nahm Hoeneß die Luft aus der Diskussion. Thema abgehakt, das nächste bitte. Wie günstig, dass zufällig gerade Lothar Matthäus im Premiere-Studio weilte.

Hoeneß und sein ehemaliger Intimfeind. Das konnte ja was werden. Und es wurde auch was: Das reinste Honiggesäusel. Sie haben sich wieder ganz doll lieb, die beiden Alphatierchen. War da mal was mit großem Zoff...?

Und nicht wenige Bayern-Fans träumten wohl schon davon, den Uli und den Lothar Seite an Seite zu sehen, wie sie ihren Verein wieder dorthin bringen, wo er gefälligst zu sein hat: Ganz nach oben.

Raum für Spekulationen

Vielleicht hat es Hoeneß nicht ganz ernst gemeint, als er frank und frei zugab, sich mit dem Trainer Matthäus beschäftigen zu wollen, sobald dieser den dazu nötigen Schein hat. Aber etwas Wahres war auf jeden Fall dran.

Raum für Spekulationen bietet sich allemal. Da ist Ottmar Hitzfeld, der mittlerweile ausgebrannt wirkt und erschöpft und dessen vormals sicher geglaubte Vertragsverlängerung im Winter nun plötzlich gar nicht mehr als sicher gilt.

Erste Namen wurden schon gehandelt und von den Bayern als Nonsens abgestempelt. Dennoch bleibt festzuhalten: Die Münchener müssen jetzt schon hinter den Kulissen nach einer Alternative für Hitzfeld suchen - entgegen aller Beteuerungen, dass man sich mit der Thematik erst im Winter beschäftigen will. Alles andere wäre unprofessionell und blauäugig.

Benitez? Mourinho? Matthäus!

Rafa Benitez hat mächtig Ärger beim FC Liverpool, Jose Mourinho ist eh immer irgendwie ein Thema für einen europäischen Topklub. Aber warum das Risiko mit einem ausländischen Trainer eingehen, der Sprache und Liga nicht kennt? Eben.

Und jetzt kommt Lothar Matthäus ins Spiel. Der hat jede Menge Zeit und spätestens in sechs Monaten auch die offizielle Gebrauchsanleitung für Fußballmannschaften in Form eines Zertifikats der Sporthochschule Köln in der Tasche.

Die nötigen Formalien wären dann geklärt, aber passt Matthäus überhaupt zum FC Bayern? Er hat viele unglückliche Dinge gemacht in der Vergangenheit, allen voran sein spektakuläres Engagement bei Paranaense in Brasilien.

Paranaense und Borussia Banana

Zu Matthäus' Ehren spielten seine Schützlinge sogar in Schwarz-Rot-Gold vor, nach ein paar Wochen war aber trotzdem alles vorbei. Oder sein legendär peinliches Engagement in der Reihe "Borussia Banana" beim Akademiker-Sender "RTL2".

Alles längst vergessen. Matthäus wirkt gereift, seine Analysen zum deutschen und internationalen Fußball bestechen durch Fachwissen und Weitblick. In der breiten Öffentlichkeit herrscht noch immer das dumpfe Klischee des fränkelnden Loddar vor.

In Fachkreisen genießt Matthäus dagegen jenes Ansehen, das er sich verdient hat. Sein Ruf im Ausland ist glänzend - ein wichtiger Gesichtspunkt wenn es um Transfers geht und darum, einen Spieler von den sportlichen Vorzügen des FC Bayern zu überzeugen.

Aura des Kosmopoliten

Seine vielen Trainerstationen in Österreich, Serbien, Ungarn oder Brasilien mögen zwar Sprunghaftigkeit suggerieren - in Wirklichkeit umgibt ihn deshalb und dank der Spielerstationen München, Mailand und New York die Aura des Kosmopoliten. Selbst sein lustiger Akzent und sein verbesserungswürdiges Englisch können daran nichts ändern.

Mit Michael A. Roth vom 1. FC Nürnberg war er sich vor anderthalb Jahren schon mal so gut wie einig. Dann regte sich der Widerstand der Fans und Hans Meyer übernahm den darbenden Club. Auch in Frankfurt erzeugte der Name Matthäus bei den Anhängern Gänsehaut.

Ein für München völlig undenkbares Szenario. Dort pflegt Matthäus ein sehr gutes Verhältnis zu Aufsichtsratschef Franz Beckenbauer und sein formidables Standing bei den Fans. Ein solches müsste er auch bei Karl-Heinz Rummenigge haben. "Ein 4:1 ist mir immer lieber als ein 1:0", hat Matthäus seine angestrebte Spielphilosophie einst lapidar umschrieben.

Spektakel statt Langeweile

Ins Löw-Deutsch übersetzt heißt das dann: Aggressives Forechecking, offensive Spielweise, agieren statt reagieren. Das alles muss dem Entertainment-Beauftragten Rummenigge gefallen. Die Bayern wollen Show und Spektakel - Matthäus könnte es bieten. Anders als etwa die geborenen Zauderer Benitez oder Mourinho.

Bei seiner letzten Station an der Seite von Giovanni Trapattoni in Salzburg war er eben daran gescheitert. Fußball-Verhinderer Trap war Matthäus' ewiges Quengeln nach einer offensiveren Spielweise der Bullen am Ende überdrüssig.

Vor ein paar Jahren wäre der Bayern-Plan mit Matthäus als erstem Angestellten im Verein noch als pure Utopie durchgegangen. Mittlerweile haben sich beide Parteien aber so weit angenähert, dass es fast schon wieder unheimlich ist.

Er wäre aber nicht der erste Matthäus in der Heimstätte der Bayern. Silvia Matthäus leitet die Geschäfte der Arena Exklusiv Eventmanagement GmbH. Mit ihr war Lothar zwölf Jahre verheiratet.

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