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Fussball

Dompteur der starken Worte

Von Interview: Florian Bogner / Thomas Gaber
franz beckenbauer
© Getty

München - Zuerst die große Einkaufstour, dann ein bisschen Zirkus Sarrasani. Zuletzt solide Leistungen, aber auch nur zwei Punkte gegen Hamburg und Schalke. Der FC Bayern ist das Maß der Dinge in der Bundesliga und jetzt wird der Uefa-Cup angegriffen. Was sagt eigentlich der Kaiser dazu?

Nach dem schmeichelhaften Pokal-Erfolg in Burghausen war nicht zu spaßen mit ihm.

"Das Spiel gefällt mir nicht, das ist Zirkus Sarrasani oder Krone. So kommen wir nicht weiter, wenn wir im Strafraum nur immer hin und her spielen", schimpfte Franz Beckenbauer.

Des Kaisers Sprüche und ihre Wirkung

Die Worte des Bayern-Präsidenten verfehlten ihre Wirkung nicht - zum Bundesliga-Start wurden Rostock, Bremen und Hannover mit 3:0, 4:0 und 3:0 sauber und ohne viel Gefummel rund gemacht.

Was Beckenbauer sagt, hinterlässt Wirkung und verfehlt nur selten das Ziel. Klar, dass wir von SPOX.com da mehr hören wollten.

SPOX: Herr Beckenbauer, nach dem Pokalspiel in Burghausen haben Sie den FC Bayern mit dem Zirkus Sarrasani verglichen. Gehen Sie mittlerweile gerne in den Zirkus?

Franz Beckenbauer: Die Mannschaft hat nach dem Pokalspiel bewiesen, dass sie auch anders kann. Vor allem beim 4:0 in Bremen hat das Team gezeigt, welche Klasse es hat. Ich selbst war bisher nur beim 3:0 gegen Rostock im Stadion - da hat mir der Zirkus aber gefallen!

SPOX: Nach drei Siegen zum Start gab es gegen Schalke jetzt das zweite Remis in Folge. Woran lag es?

Beckenbauer: Es war schwierig für Bayern, weil viele Nationalspieler lange unterwegs waren. So war es ein ausgeglichenes Spiel. Wenn der Rakitic das 2:0 macht, hätte es für Bayern wahrscheinlich nicht mal mehr zum Ausgleich gereicht.

SPOX: Bis auf Stuttgart haben die Bayern jetzt alle "Großen" hinter sich. Wird es jetzt noch leichter?

Beckenbauer: Nein. Die Tabellensituation zeigt doch, dass es momentan einfacher ist, gegen die Favoriten zu spielen, als gegen die Underdogs.

SPOX: An der Münchner Theatinerkirche gab es unlängst ein Werbeplakat, das Franck Ribery als "neuen König von Bayern" auswies. Duldet der Kaiser einen König neben sich?

Beckenbauer: Wenn er weiterhin so spielt, sehr gerne! Aber im Ernst: Frank Ribery ist ein außergewöhnlicher Spieler, keine Frage. Die Mannschaft ist aber auch generell stärker geworden. Da tut sich auch ein Ribery leicht.

SPOX: Der Verein hat viel investiert. Wenn sich dieses Modell mit Titeln bezahlt macht - wird es in Zukunft häufiger passieren, dass die Bayern vor der Saison 70 Millionen Euro locker machen?

Beckenbauer: Ich denke nicht, dass das so schnell wieder passieren wird. Dies ist und bleibt eine Ausnahmesituation, da wir aufgrund der letzten schwachen Saison investieren mussten.

SPOX: Wie sehen Sie die Diskussion um die groben Foulspiele gegen Bayern-Stars? Gab es zu ihrer aktiven Zeit so etwas wie "Artenschutz"?

Beckenbauer: Nein, die Spieler waren damals wesentlich ungeschützter als heute. Was ein Gerd Müller alles einstecken musste - dafür hätten die Gegenspieler heute schon dreimal Rot gesehen.

SPOX: Erleben wir eigentlich gerade den spielerisch besten FC Bayern seit den glorreichen 70er Jahren?

Beckenbauer: Ich weiß nicht, ob man das vergleichen kann. Die Mannschaft macht bisher einen guten Eindruck, aber da gilt es natürlich noch einiges zu beweisen. Wir haben damals immerhin dreimal in Folge den Landesmeisterpokal geholt.

SPOX: Wie sehr ärgert Sie es, dass Bayern dieses Jahr nicht in der Champions League mitmischen darf?

Beckenbauer: Es ist sehr, sehr schade, dass wir ausgerechnet mit dieser Mannschaft nicht an der Champions League teilnehmen. Sie hätte in dieser Besetzung sicherlich ein Wörtchen mitreden können. Wie es jetzt im Uefa-Cup laufen wird, kann man nicht vorhersagen. Das hängt auch davon ab, wer nach der Gruppenphase aus der Champions League noch dazu stößt.

SPOX: Wie schätzen Sie die Chancen von Stuttgart, Schalke und Bremen in der Champions League ein?

Beckenbauer: Der VfB Stuttgart hat sicherlich die schwerste Gruppe erwischt, die auf der anderen Seite aber auch die attraktivste ist. Es wird für alle drei deutschen Teams schwer, aber die Chancen fürs Weiterkommen sind da.

SPOX: Nach dem Sieg in Wembley haben Sie gesagt: Im Moment sehe ich in Europa kein besseres Nationalteam als das deutsche. Warum ist das so und wie hoch würden Sie die Chancen auf den EM-Titel bezeichnen?

Beckenbauer: Die Mannschaft hat mich zuletzt beeindruckt, vor allem dass sie die Ausfälle von Ballack oder Frings so leicht weggesteckt hat. Deutschland ist in dieser Form einer der Favoriten für die EM. Die Mannschaft hat es unter Jogi Löw geschafft, das Niveau der WM zu halten, wenn nicht sogar zu verbessern. Das hat kein anderes Team geschafft.

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