Fussball

Daniel Frahn - Proteste bei Rückkehr: "Im Abstiegskampf ist jedes Mittel rechts"

SID
Frahn läuft für Babelsberg auf.
© imago images

Der Wechsel von Daniel Frahn nach dem Nazi-Skandal in Chemnitz zum politisch eher links ausgerichteten SV Babelsberg hat hohe Wellen geschlagen.

Als der erste Auftritt im Trikot des SV Babelsberg geschafft war, atmete Daniel Frahn tief durch. "Es war eine sehr, sehr große Vorfreude da. Aber auch Anspannung, da ich nicht genau wusste, was mich erwartet", verriet der umstrittene Stürmer nach dem 1:0-Sieg in der Regionalliga gegen Chemie Leipzig dem Tagesspiegel.

Überraschend war der 32-Jährige am Freitagabend - kurz vor Schließung des Transferfensters - noch zum SV Babelsberg gewechselt. Bei seinem vorherigen Klub Chemnitzer FC war Frahn wegen angeblich zu großer Nähe zur rechtsextremistischen Szene gekündigt worden. Der Spieler selbst beteuerte stets, dass er kein Nazi sei.

Babelsberg-Fans reagieren mit Unverständnis auf Frahn-Transfer

Die Babelsberger Fan-Szene reagierte bei Frahns Einwechselung zurückhaltend, hier und da gab es Applaus. In den Sozialen Netzwerken war die Aufregung größer. "Was ist los mit euch? Schämt euch! Nazis raus", war dort unter anderem zu lesen, einige Mitglieder drohten sogar mit Austritt.

Noch deutlicher wurden die Fans der Gäste von Chemie Leipzig, die politisch ebenfalls eher links zu Hause sind und sich im Kampf gegen rechte Gesinnung schon mehrfach mit Babelsberg verbrüdert hatten. "Im Abstiegskampf ist jedes Mittel rechts" oder "Daniel Frahn - Heim ins Reich", stand auf ihren Spruchbändern geschrieben.

Der Spieler selbst wusste offenbar, was ihn erwartete. Frahn kennt Babelsberg gut, ist gebürtiger Potsdamer und hat für die 03-er bereits von 2007 bis 2010 gespielt. "Ich weiß, dass es viele Kritiker gibt - auch zu Recht", sagte der Regionalliga-Torschützenkönig der vergangenen Saison, "ich hoffe aber, dass diese Leute mir die Chance geben zu beweisen, wer Daniel Frahn wirklich ist."

Sein neuer Klub hat sich nach eigenen Angaben in seinen Gremien intensiv mit der Personalie beschäftigt und im Anschluss für eine Verpflichtung gestimmt. "Nach den Gesprächen mit Daniel Frahn bin ich überzeugt, dass er keine Nähe zu rechtem Gedankengut hat. Aber es besteht auch kein Zweifel daran, dass sein Agieren in Chemnitz kritisch zu hinterfragen war", sagte Babelsbergs Präsident Archibald Horlitz.

Frahn leistete sich mehrere Skandale

Fußballerisch galt Frahn als großes Talent. Nach Ausbildungsjahren bei Turbine Potsdam und Energie Cottbus war er 2010 von Babelsberg zu RB Leipzig gewechselt. Bis 2015 schoss er den heutigen Champions-League-Teilnehmer in die 2. Liga. Gegen Spieler wie Yussuf Poulsen und Emil Forsberg konnte er sich aber nicht mehr durchsetzen, landete über Heidenheim beim Chemnitzer FC.

Dort wurde ihm am 5. August des Vorjahres gekündigt, nachdem er sich beim Auswärtsspiel in Halle im Gästeblock mit rechtsextremistischen Gruppierungen aufgehalten hatte. Schon beim Skandalspiel im März gegen VSG Altglienicke, das wegen Trauerbekundungen für einen verstorbenen und mutmaßlich rechtsradikalen Chemnitz-Fan in die Schlagzeilen geraten war, hatte Frahn für Wirbel gesorgt. Nach einem Treffer hielt er ein schwarzes T-Shirt mit der weißen Aufschrift "Support your local Hools" ("Unterstütze deine lokalen Hooligans") hoch.

Nun also ein Neuanfang in der Heimat, und man darf gespannt sein, wie sich die Lage in den nächsten Wochen entwickelt. Für Frahn jedenfalls war der Anfang geglückt: "Ich freue mich, dass ich wieder da bin und im Karli kicken kann."

 

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