Fussball

BFV will Nachahmer von Cenk Tosun nach umstrittenen Jubel bestrafen

SID
Cenk Tosun und einige Nationalmannschaftskollegen salutierten beim Torjubel vor den Fans.

Null Toleranz dem Militärgruß, "empfindliche Strafen" für Nachahmer: Amateur-Fußballern in Deutschland drohen bei einem politisch motivierten und provozierenden Torjubel am kommenden Wochenende harte Sanktionen.

"Beleidigungen und Provokationen haben auf und neben dem Spielfeld keinen Platz und werden nicht toleriert", sagte Günter Distelrath, Präsident des Norddeutschen Fußball-Verbandes (NFV), dem SID. Der Bayerische Fußball-Verband (BFV) wies in einer Mitteilung "ausdrücklich" darauf hin, dass "jeder einzelne Fall zur Anzeige vor dem Sportgericht gebracht wird."

Zuletzt hatten Spieler der türkischen Nationalmannschaft mit einem Torjubel für Wirbel gesorgt. Nach dem Ausgleich zum 1:1 im EM-Qualifikationsspiel in Paris gegen Frankreich und nach Schlusspfiff erhoben zahlreiche Spieler vor den feiernden Fans den rechten Arm zum militärischen Gruß.

Das Salutieren wird als Bezug auf die umstrittene Offensive türkischer Streitkräfte in Nordsyrien gewertet und könnte für den türkischen Verband Konsequenzen haben, denn es ist ein Wiederholungsfall. Bereits drei Tage zuvor hatten türkische Nationalspieler um Cenk Tosun gegen Albanien (1:0) beim Torjubel salutiert und damit weltweit für Aufsehen gesorgt.

Im Bereich des BFV hatten bereits am vergangenen Wochenende Spieler bei mindestens zwei Partien nach Toren in Richtung der Zuschauer salutiert. Der Verband werde "ein solches provozierendes Verhalten nicht" tolerieren, teilte er nun mit und stellte klar: "Spieler, die den Fußball für politisch motivierte Provokationen missbrauchen, können sich der Diskriminierung gemäß Paragraf 47 a der Rechts- und Verfahrensordnung schuldig machen und müssen mit empfindlichen Strafen rechnen."

Auch der NFV stellt sich "entschieden gegen jede Form von diskriminierenden oder menschenverachtenden Einstellungen und Verhaltensweisen", sagte Distelrath: "Jedwede Vorkommnisse, auch im Zusammenhang mit nachahmenden Torjubel und Provokationen, die in Verbindung mit den Ereignissen rund um die Länderspiele der Türkei gegen Albanien und Frankreich stehen, werden vom NFV-Sportgericht sanktioniert. Dies werden wir gegenüber unseren Vereinen auch noch einmal mit aller Deutlichkeit ausdrücken."

BFV: Null-Toleranz-Politik, Sport darf nicht missbraucht werden

Verbandsspielleiter Josef Janker machte deutlich, dass der BFV es nicht dulden werde, "dass jemand unseren Sport für Diskriminierungen, Provokationen und Beleidigungen missbraucht". Fußball stehe für "Fairplay, Respekt, Gewaltfreiheit, Toleranz und Anerkennung", deshalb werde der BFV "von unserer Linie der Null-Toleranz-Politik bei gewalttätigen oder diskriminierenden Vorfällen auch keinen Millimeter abweichen".

Darüber hinaus behält sich auch der Nordostdeutsche Fußball-Verband (NOFV) Maßnahmen gegen mögliche Nachahmer vor. Wie Geschäftsführer Holger Fuchs am Dienstag dem SID sagte, sei es "durchaus denkbar", dass der Verband aktiv werde, falls Fälle in die Richtung publik würden. Derweil teilte Fuchs auch mit, dass am vergangenen Wochenende in seinem Regionalverband weniger Spiele als sonst ausgetragen worden und ihm Vorfälle wie in Bayern nicht bekannt seien.

In der aktuellen politischen Situation könne "dieses Salutieren nur als Unterstützung für das türkische Militär und die Offensive in Syrien verstanden werden", sagte Frank Thumm, Hauptgeschäftsführer des Württembergischen Fußball-Verbandes (WFV) bei SWR Sport: "Dass solche öffentlichen Sympathiebekundungen für kriegerische Handlungen in Fußballstadien und auf Fußballplätzen nichts zu suchen haben, dürfte klar sein. Wir werden deshalb mit den Vereinen auch den Kontakt suchen und sie auffordern, das künftig zu unterlassen."

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