Fussball

Antisemitismus-Bekämpfung zu passiv?

SID
Makkabi Deutschland-Chef Alon Meyer bei den Makkabi-Games in Berlin
© getty

Verbände sind nach Ansicht von Makkabi Deutschlands Präsident Alon Meyer beim Kampf gegen Antisemitismus im Sport zu passiv. "Die Verbände tun zu wenig Aktives. Es gibt keine Fortbildungen, keine Lehrgänge, keine Weiterbildungen über den Umgang mit Judenfeindlichkeit. Da habe ich in Deutschland nichts drüber gehört", sagte der Chef des Jüdischen Turn- und Sportverbandes in Deutschland im Interview mit dem Kölner Stadt-Anzeiger.

Inzwischen verschärfte Strafen würden nur oberflächliche Wirkungen haben, meinte Meyer. "Wir lösen das Problem nur durch Sensibilisierung. Durch Strafen ändert niemand seine Meinung, er behält sie zukünftig nur für sich."

Gerade Aufklärung jedoch hält der 43-Jährige wegen einer "Tendenz weg vom latenten hin zum aktiven Antisemitismus in unserer Gesellschaft" für bedeutsam: "Die Leute halten sich nicht mehr die Hand vor den Mund. Die AfD hat Antisemitismus wieder zurück in die Alltagsgespräche gebracht. Das merken wir auch im Sport", sagte Meyer und schilderte antijüdische Parolen von Zuschauern bei Spielen seines Heimatvereins TuS Makkabi Frankfurt.

Die Verhöhnung des bekannten Holocaust-Opfers Anne Frank zuletzt durch Fans des italienischen Erstligisten Lazio Rom und Nachahmer auch in Deutschland hingegen wertet Meyer nicht als Beleg für generelle Judenfeindlichkeit im Sport. "Ich würde nicht sagen, dass Antisemitismus sich pauschal durch die Sportwelt zieht." Ständige Probleme seien nur im Basketball, Handball "und vor allem im Fußball" festzustellen.

Meyer beobachtet dabei "bei Fans, auch im professionellen Bereich" eine Form des Antisemitismus, "der Juden generell herabsetzt". In unteren Ligen hingegen würden sich die Angriffe "gegen Juden direkt" richten.

Meyer: "Direkte Angriffe gegen Juden in unteren Ligen"

Allgemein ist der Sport nach den Beobachtungen des Hauptorganisators der Maccabi Games 2015 in Berlin zu einer Plattform für Antisemiten geworden: "Viele Leute sehen den Sportplatz oder das Stadion als Ort, ihre Aggressionen gegen Juden auszuleben. Die haben sie in sich, der Sport ist dann das Ventil. Hier lassen sie ihren Hass heraus. Dem gilt es, entschlossen entgegenzutreten."

In der aus seiner Sicht schwierigeren Gesamtsituation registriert Meyer für die Makkabi-Vereine auch konkrete Probleme: "Makkabi spielt mit dem Davidstern auf der Brust, Israel hat den auf der Fahne. Trotzdem haben wir in der Kreisklasse nichts mit der Siedlungspolitik zu tun. Wir sind multikulturell. Aber manche Eltern zögern mittlerweile, ihre Kinder bei uns anzumelden. Wenn die Leute aufhören, in den Makkabi-Vereinen Sport zu treiben, wäre das eine Niederlage für die Demokratie."

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