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Fussball

Wettskandal: Deutschland wohl stärker betroffen

SID
Ante Sapina (l.) gilt als einer der Drahtzieher im größten Wettskandal der Fußball-Geschichte
© Getty

Laut eines "ARD"-Berichts soll Deutschland stärker vom Wettskandal betroffen sein, als zunächst angenommen. Über 60 Spiele sollen manipuliert worden sein.

Der größte Wettskandal in der europäischen Fußball-Geschichte soll Deutschland offenbar stärker betreffen als bislang angenommen. Nach einem Bericht des "ARD"-Magazins "Fakt" sollen seit dem Hoyzer-Skandal im Jahr 2005 von der 2. Bundesliga abwärts mehr als 60 Fußballspiele manipuliert worden sein.

"Das waren fünf Zweitligaspiele und dann ging es abwärts bis zur Oberliga. Zu circa 80 Prozent waren die Manipulationen erfolgreich, es ist so eingetroffen, wie wir es auch haben wollten", sagte ein Insider aus dem illegalen Wettgeschäft.

Der Hamburger serbischer Herkunft war nach eigener Aussage jahrelang ein Gehilfe des vor einer Woche verhafteten Drahtziehers Ante Sapina. Auch er selbst habe Spieler zu Manipulationen überredet.

Wohl auch ein Absteiger betroffen

Besonders geschadet haben die Machenschaften der Wettmafia angeblich einem namentlich nicht genannten Absteiger aus der 2. Bundesliga im Jahre 2007.

"Ein Verein ist dadurch abgestiegen, weil zwei Spiele hintereinander manipuliert worden sind, das sind minus sechs Punkte und das war kurz vor Schluss, also kurz vor Ende der Saison und dadurch ist der Verein abgestiegen", sagte der Informant.

"Die sind kriminell"

Unterdessen wollen die Spieler des vom Wettskandal direkt betroffenen Regionalligisten SSV Ulm wegen entgangener Prämien offenbar eine Zivilklage gegen die gekündigten Davor Kraljevic, Marijo Marinovic und Dinko Radojevic anstrengen.

"Die sind kriminell. Wenn ich ihnen jetzt begegnen würde, wüsste ich nicht, was ich machen würde", sagte Ulm-Keeper Holger Betz, der am Wochenende persönlich die Spinde der drei Ex-Mitspieler ausgeräumt und die Sachen an den Zeugwart übergeben hatte.

Die drei offenbar in den Wettskandal verwickelten Ex-Ulmer Kraljevic, Marinovic und Radojevic sollen einen direkten Draht zu dem inhaftierten Berliner Ante Sapina, einem der Hauptdrahtzieher des Skandals, gehabt haben. Auf fünf bislang bekannten Konten von Sapina sollen Ermittler laut Informationen des Nachrichtenmagazins "Spiegel" 3,5 Millionen Euro gefunden haben.

Drei Ulmer Spiele aus dieser Saison betroffen

"Sapina hat bei Live-Wetten auf Auswärtsspiele des SSV Ulm 1846 sehr hohe Summen gesetzt - und getroffen", sagte Ulms Präsident Rene Mick der "Südwest Presse". Betroffen sollen auch drei Spiele der aktuellen Saison sein.

Demnach soll es beim 1:3 am 14. August beim SSV Reutlingen, beim 1:3 am 2. Oktober beim SV Darmstadt 98 und beim 1:3 am 18. Oktober beim SC Freiburg II zu wettbewerbswidrigem Verhalten gekommen sein.

Verdächtig sind zudem die letzten vier Spiele der vergangenen Saison, insbesondere das 0:3 vom 13. Mai bei Hessen Kassel. "Ich möchte nicht wissen, was sonst noch alles passiert ist und wann das Ganze angefangen hat. Es ist wie ein Stich ins Herz. Aber wir haben das Problem an der Wurzel gepackt und alles Mögliche getan, um die Sache aufzuklären", so Mick.

Ulm drohen keine harten Konsequenzen

Gravierende Konsequenzen müssen die Ulmer offenbar aber nicht befürchten. Eine Aberkennung von Punkten oder eine Versetzung in eine tiefere Spielklasse käme laut DFB-Statuten wohl nur infrage, wenn der Verein aktiv durch das Präsidium oder andere führende Vereinsmitglieder in die Manipulationen verstrickt wäre.

Dies ist aber nicht der Fall, ermittelt wird nur gegen die gefeuerten Spieler. Sollten die Spieler der Manipulation überführt werden, drohen für aktive oder passive Bestechung Sperren von drei Monaten bis zu zwei Jahren.

Ex-Osnabrücker Schuon sagt aus

Unterdessen sagte am Sonntag der ehemalige Osnabrücker Marcel Schuon (SV Sandhausen) bei der Bochumer Staatsanwaltschaft aus.

Dort räumte Schuon ein, dass in der vergangenen Saison beim Spiel Osnabrück gegen Augsburg "die Abrede zur Spielmanipulation erfolgt ist, eine Manipulation aber nicht stattgefunden hat", wie Schuons Rechtsanwalt Siegfried Kauder dem "kicker" bestätigte.

Nach Angaben des Anwalts wurden Schuon dafür frühere Wettschulden erlassen. Zu einer Hauptverhandlung gegen den Spieler soll es aber offenbar nicht kommen.

550.000 Euro Bestechungsgelder

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