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Fussball

Sammer will Ausbildung für Trainer reformieren

SID

Frankfurt/Main - Mit Hilfe eines Numerus clausus, prominenten Ratgebern wie Handball-Weltmeister Heiner Brand, einem Verhaltenskodex und einer speziellen Persönlichkeitsschulung will DFB-Sportdirektor Matthias Sammer das Ausbildungssystem der deutschen Fußballlehrer reformieren. 

Die Planungen des 40 Jahre alten Ex-Nationalspielers sind bereits weit fortgeschritten. "Die Komplexität des Fußballs muss erlernt werden", sagte Sammer und brachte seine Forderungen im Interview mit dem "kicker" auf den Punkt.

Ein gesteigerter Umfang der Trainerausbildung auf ein Spieljahr sowie scharfe Zulassungskriterien sollen zu einer Qualitätssteigerung bei den Absolventen führen. "Zwischen C-, B-, A-Lizenz und der Ausbildung zum Fußballlehrer muss jeweils ein praktisches Jahr absolviert werden. Für die Teilnahme am Fußballlehrer-Lehrgang wird es ein erhöhtes Anforderungsprofil geben", kündigte Sammer die Verbesserung der "komplexen Ausbildung" an.

Heiner Brand soll helfen

Der Europameister von 1996 macht keinen Hehl daraus, dass er die Inhalte der Lehrgänge selbst vorgeben und dabei auch Hilfe aus dem Ausland und anderen Sportarten in Anspruch nehmen will. Sammer: "Heiner Brand war als Spieler und Trainer Weltmeister, seine Gedanken sollten wir schon bei den U-Trainern einbauen. Bernhard Peters, unser Berater, kann uns über Willensbildung unterrichten."

Die angestrebte Öffnung zu anderen Sportarten begründet der DFB-Sportdirektor mit der fehlenden Siegermentalität auf ganz hohem Level. Sammer: "Ich vermisse dieses gnadenlose Engagement, Ergebnisse zu erzielen."

Wenger für die Offensive - Benitez für die Defensive 

Den beim FC Arsenal in der englischen Premier League tätigen Teammanager Arsene Wenger würde Sammer gerne "für das Offensivspiel" gewinnen. "Gegen den Ball sehe ich unter anderem Rafael Benitez, der ein phantastisches Abwehrverhalten lehrt", lobte der frühere Bundesligaprofi den spanischen Coach des FC Liverpool.

Sammer ist allerdings aufgrund seiner eigenen Erfahrungen gegen den sofortigen Übergang vom Spitzenspieler zum Trainer eines Topteams. "Ein gewisser Abstand ist nötig. Verdienstvolle Spieler müssen wir für den Trainerberuf begeistern, weil sie Vorbilder sind. Aber es darf nicht gelten, dass es schnell, schnell, schnell gehen muss", erklärte der Ex-Nationalspieler, der nach seinem Karriereende wegen einer Knieverletzung Borussia Dortmund und den VfB Stuttgart trainierte.

Kodex wird eingeführt   

Mit Hilfe eines Kodex, in dem Ziele, Werte und Verhaltensweisen formuliert werden, sollen nach Vorstellung von Sammer künftig Spieler-"Persönlichkeiten" geformt werden. Als Vorbilder dienen dabei Fritz Walter, Uwe Seeler, Franz Beckenbauer und Lothar Matthäus. "Sie sprachen die Dinge kritisch, konstruktiv an und brachten den Erfolg. Individualität und Professionalität sind wichtige Bestandteile in unserem Verhaltenskatalog."

Man brauche eine gewisse Streitkultur, sagte Sammer, der auch an einem besseren Bild des Trainers in der Öffentlichkeit arbeiten will. "In England heißt der Trainer Boss. In Italien ist es der Mister, in Brasilien der Professor - in Deutschland teilweise der Buhmann. Das müssen wir ändern", betonte Sammer und forderte, dass der Trainer als "absolute Respektsperson" gesehen wird.

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