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Formel 1

Wie Homer Simpson im Atomkraftwerk

Homer Simpson in der Formel 1? Lewis Hamilton ließ in Baku eine Parallele erkennen
© getty

Platz 6, Kimi Räikkönen: Mit höheren Temperaturen war der Iceman in der Lage, mehr aus seinem Ferrari rauszuholen als bei der unterirdischen Vorstellung vor einer Woche. Drei Zehntel fehlten im Qualifying, Standard. Nach dem frühen Reifenwechsel musste Räikkönen am Sonntag extrem auf die Reifen aufpassen. Das schaffte er. Zudem bewies der 36 Jahre alte Routinier seine Teamplayer-Qualitäten als er den schnelleren Vettel im zweiten Stint vorbei ließ.

Allerdings muss es einen kleinen Abzug für die Fünf-Sekunden-Strafe geben, die der Finne sich selbst einbrockte. Räikkönen überfuhr bei der Boxeneinfahrt die weiße Linie. Zwar gab er im Nachhinein an, das habe ihm keinen Zeitvorteil gebracht. Das ändert aber nichts daran, dass er dadurch Platz 3 abhaken musste. Was Räikkönen noch verbessern muss: seine Pace auf den Supersofts zu Beginn des Rennens. Die war schwach. Fünf Sekunden nahm Vettel seinem Teamkollegen ab, bis der an die Box fuhr. Zu viel.

Platz 7, Daniil Kvyat: Erholt sich der Russe nach seiner Strafversetzung zu Toro Rosso? Nachdem ihn Carlos Sainz jr. im Toro-Rosso-internen Duell beim Qualifying in Kanada noch mit einer famosen Aufholjagd in den Schatten gestellt hatte, drehte der Russe den Spieß in Baku entschieden um.

Die Eingewöhnungsphase scheint abgeschlossen. Die Zusammenarbeit mit den Ingenieuren passte in Aserbaidschan. Kvyat fühlte sich wohl im Auto und holte Startplatz 6 raus - obwohl Baku Pferdestärken fordert wie kaum eine andere Strecke und im Toro Rosso ein Vorjahresferrari steckt. Dass beide Fahrer mit Aufhängungsschäden ihre Autos abstellen mussten, dürfte dem Team aus Faenza zu denken geben.

Platz 8, Fernando Alonso: Banzai! Der selbsternannte Formel-1-Samurai startete das Rennen mit einem Hochrisikomanöver auf der Außenbahn: Er torpedierte sich an Lewis Hamilton vorbei, wurde dann aber von Max Verstappen aufgehalten und musste sich hinter dem Weltmeister wieder einordnen. Und sonst? Bestätigte Alonso einmal mehr, dass er der schnellere McLaren-Fahrer ist. Bis zu seinem Ausfall fuhr er direkt vor Jenson Button. Im Qualifying schaffte er es über Q1 hinaus.

Platz 9, Romain Grosjean: Die Geraden und die Wärme halfen Haas, ihr Auto wieder auf Betriebstemperatur zu bekommen. Der VF16 lief wesentlich besser als zuletzt, Grosjean fand sein Vertrauen auf der Bremse wieder und nutzte es direkt.

Grosjean verpasste die Top 10 am Samstag um ein Zehntel und nahm Esteban Gutierrez dabei eine halbe Sekunde ab. Am Sonntag hielt der Franzose Hülkenberg hinter sich, nur musste er unverschuldet einen zusätzlichen Stopp einlegen. Irgendetwas hatte seine Kühlung verstopft.

Platz 10, Daniel Ricciardo: Der Australier ist wohl der Liebling des Driver-Ranking. Ricciardo liefert kontinuierlich seine Leistung ab, er ist ein herausragender Qualifyer. Trotzdem kam er in Baku nicht komplett an seine gewohnte Performance heran. Ricciardo hatte mit dem Red Bull im Rennen Probleme. Das Team hatte das Monza-Kit ans Auto geschraubt. Kaum Abtrieb auf der Hinterachse sollte den Topspeed-Nachteil auf der Geraden ausgleichen.

Der Plan funktionierte zwar halbwegs, es bedeutete aber, dass Ricciardo wie Teamkollege Max Verstappen auf der übrigen Strecke extrem auf die Hinterreifen aufpassen musste. Das wirkte sich nachteilig aus: Red Bull musste mit beiden Autos zweimal an die Box, erst mit dem Medium ging es im letzten Stint ordentlich voran. Da war das Rennen schon gelaufen.

Härtefall, Lewis Hamilton: Der Weltmeister war in Aserbaidschan der schnellste Mann. Die vielen engen Kurveneinfahrten kommen seinem Können auf der Bremse entgegen. Nur: Purer Speed macht einen nicht zum Champion. Ein Formel-1-Fahrer braucht seit jeher mehr. Neben der Schnelligkeit braucht er Erfahrung, Instinkt und muss die Technik im Griff haben. All das bekam Hamilton in Baku nicht hin. Er überzog im Qualifying maßlos. Verbremser, Bremsplatte, Ausritte und schließlich der Kontakt mit der Mauer.

Dann das Rennen und die Probleme mit Mercedes' Motorensteuerung: Rosberg fand mit dem richtigen Gefühl und etwas Glück binnen einer halben Runde die richtige Einstellung, Hamilton brauchte 15 Runden dafür. Der Brite verlor so Zeit. Er sprach von einer Sekunde pro Runde, seine Ingenieure von zwei Zehnteln. Die zweite Berechnung entspricht der Realität eher. Hamilton wirkte wie Homer Simpson bei der Bedienung des Atomkraftwerks, als er vorschlug, wahllos alle Einstellungen am Lenkrad zu ändern.

Es kommt vor, dass ein Fahrer etwas länger braucht, um den richtigen Modus zu finden. Wer sich allerdings noch unter der Woche selbstbewusst rühmt, er bräuchte die technischen Leitfäden im Gegensatz zu seinem Teamkollegen nicht und die Simulatoren der gesamten Formel 1 seien wie Playstations, der muss liefern. Hamiltons Instinkt hat ihm nicht weitergeholfen. Der Weltmeister muss mit ein wenig Spott leben. Rosbergs Vorbereitung scheint professioneller.

Randbemerkung, Europa-GP: Falls sich jemand fragt, warum er hier nirgends die Formulierung "Europa-GP" liest: Aserbaidschan liegt in Vorderasien, das ändert auch die Namensgebung des Formel-1-Managements nicht. Dass die Königsklasse hier ein Rennen fährt, ist dagegen vollkommen richtig: Die Region Baku ist die Heimat der Erdölförderung und damit sehr wohl Motorsportrelevant. Zur Einordnung: Hitler-Deutschland versuchte nach dem Steckenbleiben im Russland-Feldzug mit dem Fall Blau irgendwie noch nach Baku vorzudringen.

Zu viel Geschichte, zu viel Politik für ein Driver-Ranking. Hermann Tilke hat seine Kritiker Lügen gestraft und eine spektakuläre Strecke in die Straßen am Kaspischen Meer gezeichnet. Auf der haben sich sämtliche Fahrer am Sonntag ein Sternchen verdient: Nach dem G2-Chaos am Samstag, als die Hälfte des Feldes ausfiel, und dem GP2-Chaos am Sonntag, als Honda-Förderfahrer Nobuharu Matsushita mit fragwürdigen Restarts für Kollisionen und eine Rennsperre sorgte, war auch beim Hauptevent Durcheinander zu erwarten. Das blieb aus. Weil die F1-Piloten ihre Erfahrung ausspielten.

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