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Formel 1

Romain Grosjean: Vom Crashkid zum Favoriten

Von Alexander Maack
Nach seiner Kollision in Spa 2012 wurde Romain Grosjean gesperrt. In Ungarn kämpft er um den Sieg
© getty

Lewis Hamilton hat sich beim Qualifying zum Großen Preis von Ungarn (So. 14 Uhr im LIVE-TICKER) nicht an das Drehbuch gehalten. Die siebte Pole-Position im zehnten Rennen der Saison 2013 hat selbst das Mercedes-Team überrascht. Formel-1-Weltmeister Sebastian Vettel und sein Dauerrivale Fernando Alonso rechnen damit, die Silberpfeile im heißesten Rennen des Jahres schnell zu überholen. Doch auch Lotus-Pilot Romain Grosjean ist zum Mitfavoriten aufgestiegen.

Auf die Ingenieure sämtlicher Teams kommen in den 70 Runden auf dem Hungaroring eine Reihe neuer Herausforderungen zu. Die extreme Hitze belastet Fahrer und Material besonders. "Das Rennen morgen wird sehr lang und heiß. Ich bin gespannt, wie wir abschneiden", sagte Romain Grosjean, der als Dritter startet: "Meine Longruns gestern waren gut. Mit dem weichen Reifen dürfte es aber schwierig werden, viele Runden zu fahren."

Der Franzose darf sich berechtigte Hoffnungen auf seinen ersten Grand-Prix-Sieg machen. Beim letzten Rennen am Nürburgring verhinderte lediglich die Safety-Car-Phase, dass die beiden Lotus-Piloten Sebastian Vettel ernsthaft gefährdet hätten. Damals waren die Temperaturen ähnlich wie an diesem Wochenende in Budapest.

Am Sonntag sollen sie nochmals ansteigen. 37 Grad Celsius prognostizieren die Meteorologen aktuell, eigentlich das perfekte Wetter für den Iceman. Doch obwohl Kimi Räikkönen zuletzt immer wieder Plätze gewann, ist er wegen seines sechsten Startplatzes nicht wirklich optimistisch, in den Kampf um den Sieg einzugreifen.

Räikkönen hadert mit Reifen

"Der Startplatz ist nicht ideal", sagte der Finne, der seine Probleme auf die neuen Slicks zurückführte: "Speziell die Vorderreifen - sie ähneln denen aus dem Vorjahr. Das ist nicht ideal für mich." Dass das Auto gut mit der nun eingemotteten Konstruktion harmonierte, konnte Räikkönen besser nutzen als sein Teamkollege. Pirelli hat nach den Reifenschäden in Silverstone aber die Konstruktion aus dem Vorjahr mit den Gummimischungen der Saison 2013 verbunden.

Die Änderung kommt dem aggressiveren Fahrstil von Grsojean entgegen, der in der letzten Saison wegen zahlreicher Unfälle nach dem Start noch als Crash-Kid verspottet wurde. Im Gegensatz zum Finnen hat Grosjean mit dem nun Auftretenden Untersteuern keine Probleme. Dabei ist Räikkönen nicht der einzige Pilot, der mit dem neuen Pneu unzufrieden ist.

Sutil bezichtigt Pirelli der Lüge

"Es ist schon witzig: 50 Grad Streckentemperatur und wir haben Schwierigkeiten, die Reifen aufzuwärmen", erklärte Adrian Sutil vor seinem 100. Formel-1-Rennen und warf Pirelli vor, nicht die Wahrheit gesagt zu haben: "Es fühlt sich auch so an, als ob die Reifenmischung geändert wurde. Glauben kannst du dem Haufen hier sowieso nicht." Sutil vermutet, dass der Reifenfabrikant dem Druck von Red Bull und Mercedes nachgegeben hat: "Es ist ganz klar ein Reifen für die Top-Teams, deswegen sind die jetzt wieder vorne."

Vor der Qualifikation hätten zumindest die Silberpfeile der Einschätzung nicht zugestimmt. "Mit der Pole-Position haben wir heute nichts zu tun", orakelte Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff. Doch es kam anders: Nicht nur der spätere Polesetter Hamilton, auch Nico Rosberg fuhr dauerhaft an die Spitze des Zeitentableaus, bis ihn ein Bremsproblem auf Platz vier zurückwarf. "Es liegt an den Upgrades am Auto. Unsere Jungs haben phänomenal gearbeitet", freute sich Hamilton über seine Pole.

Der vermeintliche Nachteil, die neuen Pirelli-Reifen nicht wie die übrigen Teams beim Young Driver Test in Silverstone ausprobiert zu haben, weil das FIA-Tribunal Mercedes nach den illegalen Tests im Mai ausgeschlossen hatte, kam zumindest am Samstag nicht zum Tragen. Trotz Hamiltons hervorragender Ausgangsposition traut die Konkurrenz dem Briten allerdings keinen Sieg zu.

Sebastian Vettel lobt eigene Pace

"Mercedes hat eine sehr starke Pace im Qualifying", sagte Vettel und verschwieg die Bewertung der Rennperformance. Dass er den eigenen Red Bull wesentlich stärker einschätzt, verheimlichte der Dreifachweltmeister aber nicht: "Wir haben auch für das Rennen ein gutes Auto und eine gute Pace."

Dem stimmte auch der Polesetter zu. "Sie werden unglaublich schnell sein. Vor ihnen zu bleiben, oder mit ihnen mitzuhalten, wird die Herausforderung sein", erklärte Hamilton.

Ähnlich wie Vettel denkt auch dessen Dauerrivale Fernando Alonso. Der Vizeweltmeister in Ferrari-Diensten will von Startplatz fünf aus den viertplatzierten Nico Rosberg schnell hinter sich lassen. Anschließend ist sein Ziel, den Heppenheimer zu attackieren, obwohl die Red Bull bei den Longrun-Tests am Freitag deutlich schneller waren.

Fernando Alonso: "Wir haben nur das viertbeste Auto"

"Wir haben im Moment nur das viertbeste Auto", räumte Alonso ein, gab sich aber dennoch zuversichtlich: "Mit einem guten Start und einer guten Strategie sollte etwas möglich sein." Ein Blick in die Statistik könnte ihm Aufwind geben: Als der Spanier zuletzt vom fünften Platz startete, sprang am Ende ein dominanter Sieg heraus: Es war sein Heimrennen in Barcelona.

Die Silberpfeile sind derweil verhalten optimistisch, die Konkurrenz hinter sich zu halten. "Grundsätzlich sollten uns die Reifen entgegenkommen - mehr als die letzten", sagte Motorsportdirektor Wolff. Obwohl Mercedes 2012 mit der nun wiedereingeführten Konstruktion große Probleme, rechnet das Team aus Brackley nicht mehr damit, durchgereicht zu werden.

Die fehlenden Erkenntnisse aus Silverstone wirken sich bisher nicht aus. "Die Informationen vom letzten Jahr waren wichtiger und besser zu gebrauchen", erklärte Toto Wolff. Mercedes hatte die Reifenprobleme der Vorsaison bei der Konstruktion des aktuellen Wagens als Hauptaufgabe auserkoren. Dennoch will Teamchef Ross Brawn keine Versprechen für das Rennen machen: "Wir müssen uns herantasten und sehen, wie es läuft."

Der Stand in der Fahrer- und Konstrukteurs-WM

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