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Formel 1

So geht's nicht, Seb!

Von Alexander Maack
Sebastian Vettel machte nach seinem Boxenstopp unliebsame Bekanntschaft mit Jenson Button
© getty

Auch in der Formel-1-Saison 2013 bewertet SPOX-Redakteur Alexander Maack nach jedem Grand Prix die fahrerischen Leistungen der Piloten und stellt sein persönliches Driver-Ranking auf. Teil 10: Ungarn-GP.

An Lewis Hamilton führt nach diesem Wochenende im Driver-Ranking einfach kein Weg vorbei. Der Engländer zog auf seiner Lieblingsstrecke mit souveräner Leistung mit Rekordweltmeister Michael Schumacher gleich und darf sich wieder ein paar Hoffnungen machen, doch noch ein Wörtchen im WM-Kampf mitzureden. Grund dafür gibt auch Sebastian Vettel. Der Heppenheimer zeigte erstmals in dieser Saison wirklich Schwächen.

Platz 1, Lewis Hamilton: Das Nonplusultra des Wochenendes. Einem überragenden Qualifying folgte eine souveräne Fahrt zum ersten Sieg für die Silberpfeile. Das Team mag von den Reifenänderungen profitieren und dadurch endlich auch mit hohen Temperaturen zurechtkommen, Hamiltons Ungarn-Form war aber herausragend. Mir ist kein einziger Fehler aufgefallen.

Der 28-Jährige fuhr dauerhaft dauerhaft auf höchstem Niveau und ließ sich im Rennen auch von Jenson Button nicht aufhalten. Das Überholmanöver außen in Turn 2 war besonders spektakulär: Mark Webber bremst den McLaren-Piloten, Hamilton fährt rechts daneben und geht auf neuen Reifen spielend vorbei. Auch das Manöver gegen den Red-Bull-Oldie selbst war äußerst sehenswert. Zum Schluss drehte er sogar nochmal auf. Seine persönliche Bestzeit im vorletzten Umlauf war die drittschnellste aller Fahrer - nur die Red Bull umrundeten den Hungaroring noch schneller.

Es war insgesamt sein vierter Sieg in Ungarn. Nur Rekordsieger Michael Schumacher brachte es auf dieselbe Zahl. "Ich mag es hier", erzählte Hamilton nach dem Rennen gelöst: "Eine großartige Strecke: Das Wetter und die Fans sind super. Sie haben wunderschöne Frauen, großartiges Essen. Mehr kann ich nicht sagen." Reicht ja auch.

Platz 2, Jenson Button: Die wohl strittigste Position an diesem Wochenende: Der Siebte des Rennens steht aus Platz zwei des Driver-Rankings. Doch Button holte ähnlich wie Hamilton am Sonntag das Maximale aus seinem Auto heraus. Seine Rundenzeiten waren sogar noch konstanter. Mit harten Reifen gestartet, lag Button plötzlich vor Sebastian Vettel und Romain Grosjean, als beide ihren ersten Stopp absolviert hatten.

Der Engländer gab jedoch nicht klein bei, obwohl er die Reifen kontrollieren musste. Er blockierte die schnelleren Autos rundenlang und wurde zum entscheidenden Faktor beim Kampf um den Sieg. Dabei war der Weltmeister von 2009 im langsameren McLaren zu keinem Zeitpunkt unfair. Button nutzte nur die sich ihm bietenden Möglichkeiten und ließ Grosjean und Alonso durchschlüpfen, als Vettel vorbeigegangen war.

Der einzige mögliche Kritikpunkt war Buttons durchwachsenes Qualifying, bei dem nur Startplatz 13 heraussprang. Allerdings kämpfte er im Gegensatz zu Teamkollege Sergio Perez mit Untersteuern. Da die Probleme aus dem Setup entstanden, sind sie nur ein klitzekleiner Makel. Die Fahrerleistung war optimal, schließlich schonte Button seine Reifen und legte den Prototyp einer Zwei-Stopp-Strategie hin.

Platz 3, Kimi Räikkönen: Das Wochenende auf dem Hungaroring war für den Finnen exemplarisch. Der Iceman kam an die Geschwindigkeit seines Teamkollegen nicht hundertprozentig heran, mit Konstanz und Reifenschonung rutschte er aber auf den zweiten Platz vor. Das Qualifying rettete Räikkönen, obwohl er wie Button mit Untersteuern kämpfte. Eine interessante Parallele ob der ähnlichen Fahrweise.

Auch im Rennen zeigte Räikkönen wie Button eine starke Leistung, die mich allerdings bei Button etwas mehr beeindruckt hat. Mit seiner Konstanz gewann Räikkönen in 70 Runden vier Plätze und kam so am nicht ganz fehlerfreien Weltmeister vorbei. Der zweite Platz bedeutet, dass der Iceman in der Fahrer-WM drei Punkte aufgeholt hat. In der Gesamtwertung des Driver-Rankings sind es deutlich mehr.

Platz 4, Mark Webber: Der Australier wurde mal wieder vom Pech verfolgt. Die Liste mit Pannen am Auto von Webber, die das Rennen stark beeinflussen, dürfte mittlerweile die Länge von zwei Brockhaus-Bänden haben, während Teamkollege Vettel mit einer Spalte davonkommt. In Ungarn wurde "Sieben auf einen Streich" gespielt. Funktionierte nicht ganz: Am Ende waren es nur zwei Probleme.

Das Energierückgewinnungssystem KERS und das Getriebe verweigerten im Qualifying zwischenzeitlich die volle Unterstützung. Webber verzichtete auf einen Angriff in Q3 und bretterte vom zehnten Platz aus mit harten Reifen in der ersten Runde direkt auf Rang sieben nach vorn. Auch danach zeigte der Australier bei freier Fahrt eine gute Leistung und kam so verdient als Vierter ins Ziel. Ohne die streikende Technik wäre er wohl um den Sieg gefahren.

Platz 5, Fernando Alonso: Nur vier Zehntel Rückstand auf Hamilton in der Qualifikation waren für den Spanier "ein kleines Wunder". Hätte er keinen Helm getragen - Alonso hätte sich wahrscheinlich im Rennen verwundert die Augen gerieben. Die sonst überragende Rennpace des Ferrari war weg. Zwar hatte die Scuderia Schwierigkeiten mit der Charakteristik des Hungaroring erwartet - aber solche?

Es war ein Deja-vu des Rennens in Monaco, als Alonso vom sechsten Startplatz auf Rang sieben zurückfiel. In Ungarn konnte er den fünften Rang immerhin mit beeindruckendem Einsatz halten. Das Rezept: Alonso sparte sich ein paar Reifenkörner auf und nahm Teamkollege Massa in den letzten Runden des Stints dauerhaft Zeit ab. Für den Kampf um die WM reicht der Erfolg gegen den Stallgefährten aber nicht.

Platz 6, Romain Grosjean: Der 27-Jährige war schneller als Kimi Räikkönen und von dem Start-Crasher war wieder keine Spur. Trotzdem verlief das Rennen nicht nach seinen Wünschen. Grosjean hat sich wohl einen Ruf bei den Rennkommissaren erarbeitet. Die Strafe nach dem Überholmanöver gegen Felipe Massa war deutlich zu hart. Grosjean musste von der Strecke, weil sein Lotus sonst mit dem Ferrari kollidiert wäre.

Beim Überholen von Button muss sich Grosjean allerdings Kritik gefallen lassen. Nur dafür hat er an diesem Wochenende Abzüge verdient, schließlich war er schneller als Vettel und schien der ernsteste Herausforderer Hamiltons um den Tagessieg. Besonders am Start hielt sich Grosjean eindeutig zurück, um sein gutes Qualifying nicht durch einen unnötigen Crash zunichte zu machen. Manchmal lernen eben auch F1-Piloten dazu.

Platz 7, Sebastian Vettel: Während Hamilton die Eindrücke von Budapest offenbar beflügelten, schien der Weltmeister abgelenkt. Nachdem er am Freitag noch dominant war, schenkte Vettel die Pole-Position durch mehrere Fehler auf der entscheidenden schnellen Runde an Lewis Hamilton ab. Im Rennen gingen die Probleme aber weiter.

Der Heppenheimer startete sehr dürftig, verlor Zeit auf der Runde zum ersten Boxenstopp und kam deshalb hinter Jenson Button raus. Weil der McLaren gefährlich langsam war, packte Vettel das Brecheisen aus und versuchte vorbeizukommen, um das Rennen noch gewinnen zu können. Der dabei beschädigte Frontflügel kostete nach Berechnungen des Teams etwa eine halbe Sekunde pro Runde.

So schenkte Vettel neben der Pole und dem möglichen Sieg auch noch Platz zwei her. "Es ist kein Desaster", sagte der 26-jährige später. Dürftig war die Leistung an diesem Wochenende dennoch.

Platz 8, Sergio Perez: Im Gegensatz zu McLaren-Teamkollege Button schaffte es der Mexikaner in Q3. Merke: Auch ein Paydriver kann Auto fahren. Am Start lief dann aber nichts zusammen. Perez musste mit den angefahrenen härteren Medium-Slicks Teamkollege Button vorbeilassen und kam erst wieder nach vorn, als die Top-Piloten ihre weichen Pirelli abgaben.

Schon am Ende des ersten Stints lag er deutlich hinter Button, weil er zu lange im Verkehr steckte und dadurch Zeit verlor. Nach seinen zwei Reifenwechseln wurde die Pace besser. Perez achtete darauf die Reifen zu schonen und hatte dabei deutlich weniger aufregende Momente als Button. Sein überraschend langer zweiter Stint beschert ihm jedoch vier Punkte im Driver-Ranking.

Platz 9, Pastor Maldonado: Wenn der Venezolaner zwei Mal in Folge gut abschneidet, kann mal wohl schon von einer Erfolgsserie sprechen. Spaß beiseite: Williams und Maldonado kommen die modifizierten Reifen entgegen. Der zehnte Platz in Budapest brachte den erlösenden ersten WM-Punkt der Saison für das ehemalige Weltmeisterteam.

Im Qualifying landete Maldonado nur wenige Sekundenbruchteile vor Teamkollege Valtteri Bottas auf Platz 15. Dabei schien es in Q1, als hätte er die Chance auf die Top Ten. Im Rennen trennten beide Piloten dann Welten. Schon vor dem ersten Boxenstopp verlor Bottas den Anschluss. Maldonado überholte derweil die Konkurrenz und profitierte von Nico Rosbergs Pech.

Platz 10, Giedo van der Garde: Es war das beste Rennen in der noch jungen Formel-1-Karriere des Niederländers. Van der Garde hielt bis nach dem ersten Boxenstopp gut mit Bottas mit, nachdem er Teamkollege Charles Pic am Start hinter sich gelassen hatte.

Den Sprung vor den Franzosen hatte er im Qualifying nur durch Verkehr im ersten Sektor verpasst. Das Rennen verlief fehlerfrei, mehr war mit einem Caterham nicht herauszuholen.

Härtefall, Nico Rosberg: Der 28-jährige Wahl-Monegasse war neben Webber der zweite Pechvogel des Wochenendes. Der Einstellhebel der Bremsbalance blockierte in Q3, Rosberg hätte sonst die Chance auf Pole oder Reihe eins gehabt, schließlich war er in Q1 und Q2 schneller als Teamkollege Hamilton. Am Ende reichte es zu Rang vier. Statt am Sonntag ein Comeback zu feiern, wurde es aber noch schlimmer.

Nach gutem Start hätte er Vettel härter attackieren müssen. Anschließend musste er zwei Mal von der Strecke. Der Kontakt mit Massa war ein typischer Rennunfall, an dem keiner der Piloten Schuld trägt. Rosberg war dann aber nicht in der Lage, mit Überholmanövern zu überzeugen. Zum Schluss setzte er Massa nochmal im Kampf um Platz acht unter Druck. Der geplatzte Motor verbaute ihm allerdings auch dieses Erfolgserlebnis.

Meine Punkte für das Budapest-Wochenende:

Der Stand in der Fahrer- und Konstrukteurs-WM

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